Sha­dow of the Co­los­sus

Das Play­sta­ti­on-2-meis­ter­werk kehrt zu­rück auf die gro­ße Play­sta­ti­on-4-büh­ne und beim An­blick die­ser grund­le­gend neu über­ar­bei­ten Ver­si­on reibt man sich ein ums an­de­re Mal ver­wun­dert die Au­gen: Ist das wirk­lich Sha­dow of the Co­los­sus?

HD TV - - Inhalt - CHRISTIAN TROZINSKI

Wer ist die­ser Jun­ge, der auf sei­nem Pferd schein­bar frei von al­ler Furcht über ei­ne schwin­del­er­re­gen­de, gi­gan­ti­sche Brü­cke rei­tet, um zu ei­nem mys­te­riö­sen Turm zu ge­lan­gen. Und wer ist das ver­stor­be­ne Mäd­chen, das der Jun­ge zur letz­ten Ru­he bet­tet? Wo­her kommt die­se Stim­me, die dem Jun­gen ei­nen Pakt vor­schlägt, um das Mäd­chen doch noch ret­ten zu kön­nen? Was hat es mit den 16 Ti­ta­nen auf sich, die an­mu­tig und er­ha­ben durch die Lan­de strei­fen? Ist es wirk­lich rich­tig, die­se We­sen zu er­schla­gen? Und was hat es mit dem Fluch auf sich, der den ei­gen­ar­ti­gen Turm seit Jahr­hun­der­ten um­hüllt?

Da­vid ge­gen Go­li­ath

Mit Sha­dow of the Co­los­sus schuf Team Ico 2005 ein spie­le­ri­sches und at­mo­sphä­ri­sches Meis­ter­werk, das sich in kei­ne Vi­deo­spiel­schub­la­de ein­sor­tie­ren ließ. Hier gibt es kei­ne Le­vel­g­ren­zen, kei­ne un­ter­schied­li­chen Mis­si­ons­zie­le, kei­ne Fer­tig­keits­ver­bes­se­run­gen und kei­ne klas­si­sche Gut-ge­gen-bö­se- Ge­schich­te. In Sha­dow „Nie steu­er­te sich Sha­dow of the Co­los­sus so fein­füh­lig und prä­zi­se, nie wa­ren Ka­me­ra­schwenks und Be­we­gun­gen flüs­si­ger.“ of the Co­los­sus steht das Er­for­schen der meist un­be­leb­ten Spiel­welt im Vor­der­grund: Sie fol­gen We­gen, Berg­hän­gen, Flüs­sen und Se­en, um am En­de auf ei­nen Ko­loss zu tref­fen, den es zu be­sie­gen gilt. Ähn­lich ei­nes In­sekts pir­schen Sie sich an die Un­ge­tü­me her­an, hef­ten sich an ih­re Fer­sen, klet­tern die Ti­ta­nen em­por, su­chen die Schwach­punk­te und ste­chen im rich­ti­gen Mo­ment zu. Da­bei lau­fen die Du­el­le nicht wie auf Schie­nen ab: Die Ti­ta­nen sind von Ih­ren Klet­te­rei­en am zot­te­li­gen Fell al­les an­de­re als er­freut und schüt­teln Sie ein ums an­de­re Mal ab. Wer im frei­en Fall nicht den ret­ten­den Vor­sprung er­greift, stürzt un­wei­ger­lich in den Tod.

Ein­zig­ar­ti­ge At­mo­sphä­re

Oft­mals ha­ben Sie zu Be­ginn ei­nes Kamp­fes nicht die ge­rings­te Ah­nung, wie Sie das un­glei­che Du­ell für sich ent­schei­den sol­len: Die Ti­ta­nen sind stark ge­pan­zert, ei­ni­ge sind wie­sel­flink und an­de­re kön­nen so­gar flie­gen. Auf dem Pferd müs­sen Sie Ih­re Treff­si­cher­heit als Bo­gen­schüt­ze be­wei­sen und bei vol­ler Ge­schwin­dig­keit den ex­akt ge­tim­ten Ab­sprung schaf­fen. Ob­wohl das Spiel­ziel nur dar­in be­steht, 16 Ko­los­se in Dau­er­schlei­fe zu tö­ten, so sind die We­ge zum Ziel je­des Mal ei­ne neue Spiel­erfah­rung und die Tak-

„Die Mu­sik ge­hört zu den bes­ten Vi­deo­spiel­sound­tracks al­ler Zei­ten.“

tik, die 16 Ti­ta­nen in die Knie zu zwin­gen, un­ter­schei­det sich grund­le­gend. Mo­no­to­nie oder Lan­ge­wei­le kommt so­mit nie­mals auf und wer das Spiel in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen will, soll­te sich bei je­der Her­aus­for­de­rung aus­rei­chend Zeit gön­nen und die Spiel­mo­men­te in vol­len Zü­gen ge­nie­ßen. Die Spiel­welt fas­zi­niert näm­lich wie in kaum ei­nem an­de­ren Spiel und die mu­si­ka­li­sche Un­ter­ma­lung ist os­car­reif: Ob völ­li­ge Stil­le, pom­pö­se Orches­ter­mu­sik oder me­lan­cho­li­sche Chor­stim­men, je­der Spiel­mo­ment wird akus­tisch pas­send un­ter­malt.

Der Maß­stab für Re­makes

Be­son­ders Fans des Ori­gi­nals wer­den in den ers­ten Mi­nu­ten ih­ren Au­gen kaum trau­en: Vor­bei sind die Zei­ten von ru­ckeln­den Bil­dern, flim­mern­den Kan­ten und kar­gen Um­ge­bun­gen. Die meis­ter­haf­ten Kön­ner von Blue­point Ga­mes ga­ben sich nicht mit ei­nem hoch­ge­rech­ne­ten Re­mas­ter zu­frie­den, wie es be­reits die Play­sta­ti­on 3 im Jahr 2011 er­eilt hat. Ganz im Ge­gen­teil: Je­des Ele­ment der Spiel­welt wur­de neu über­ar­bei­tet, De­tails wur­den auf 4K-prä­zi­si­on auf­ge­hüb­scht, die Bild­ra­te auf bis zu but­ter­wei­che 60 Bil­der pro Se­kun­de op­ti­miert und die ge­sam­te Be­leuch­tung der Spiel­welt grund­le­gend ver­fei­nert. Be­sit­zer ak­tu­el­ler TVS dür­fen sich so­gar von ei­ner ge­lun­ge­nen Hdr-wie­der­ga­be ver­wöh­nen las­sen. Wäh­rend Play­sta­ti­on-4-be­sit­zer sta­bi­le 30 Bil­der pro Se­kun­de und Full HD Op­tik er­war­tet, punk­tet die PS4 Pro mit ei­nem fan­tas­ti­schen 60-FPS-MO­dus oder wahl­wei­se ei­ne Ki­no­ein­stel­lung, um 30 Bil­der pro Se­kun­de und zugleich ei­ne deut­lich fei­ne­re Auf­lö­sung zu er­mög­li­chen, die be­son­ders für 4K-tv-be­sit­zer in­ter­es­sant sein dürf­te. Spie­le­risch bie­tet die Per­for­mance-ein­stel­lung die größ­ten Vor­tei­le: Nie steu­er­te sich Sha­dow of the Co­los­sus so fein­füh­lig und prä­zi­se, nie wa­ren Ka­me­ra­schwenks und Be­we­gun­gen flüs­si­ger. Soll­ten Sie mit PS4 Pro den Gra­fik­mo­dus zwi­schen der 60-FPS- und Kin­o­dar­stel­lung ver­än­dern, kann es hilf­reich sein, den Spiel­stand neu zu la­den, im Test konn­te es sonst zu Ruck­lern kom­men. Post­kar­ten­mo­ti­ve Ob­wohl die 16 Ko­los­se des Spiels zwei­fel­los im Mit­tel­punkt ste­hen, stiehlt im Ps4-re­make die Um­ge­bung den turm­ho­hen Geg­nern ein ums an­de­re Mal die Show. Ob­wohl es in der Welt von Sha­dow of the Co­los­sus na­he­zu kein Le­ben gibt und kei­ne Mis­sio­nen ab­seits der Ti­ta­nen­jagd auf Sie war­ten, so rei­tet man ehr­fürch­tig von ei­ner Stel­le der Kar­te zu nächs­ten, um ma­le­ri­sche Wäl­der, gi­gan­ti­sche Klip­pen, end­lo­se Se­en oder un­heim­li­che Höh­len zu er­kun­den. Dass sich Grä­ser und Bäu­me hin und her wie­gen, die Klei­dung und der Schweif des Pfer­des noch an­mu­ti­ger im Wind flat­tern, die Ti­ta­nen mit zu­sätz­li­chen gra­fi­schen De­tails pro-

tzen und de­ren Fell noch dich­ter er­scheint, sind al­les Klei­nig­kei­ten, die in Sum­me aber viel von der Fas­zi­na­ti­on und Stim­mung aus­ma­chen. An­hand klei­ner De­tails, wie ver­steck­te Hin­wei­se auf „The Last Guar­di­an“und „Ico“, be­merkt man die Hin­ge­bung, die Blue­point Ga­mes in die­ses Re­make ge­steckt ha­ben. Das gilt glei­cher­ma­ßen für die Spiel­mo­di: Sie kön­nen aus drei Schwie- rig­keits­gra­den wäh­len, bei de­nen die Schwach­punk­te der Ti­ta­nen un­ter­schied­lich aus­ge­prägt sind. Nach ei­nem Durch­lauf steht ein wei­te­rer Spiel­mo­dus zur Ver­fü­gung, der al­len Zel­da-wiiSpie­lern oder Ra­c­ing-fans be­kannt vor­kom­men dürf­te: Die Spiel­welt wird ge­spie­gelt und er­for­dert ein kom­plet­tes Um­den­ken. Sind sie nicht auf Her­aus­for­de­run­gen aus, kön­nen sich im Fo­to­mo­dus aus­to­ben und je­den Spiel­mo­ment in ei­nem Post­kar­ten­mo­tiv fest­hal­ten oder in den Art­works zum Spiel blät­tern. Er­scheint Ih­nen die Spiel­op­tik zu blass oder farb­los, kön­nen Sie auch im Spiel die Darstel­lung über zu­schalt­ba­re Gra­fik­fil­ter (in­klu­si­ve Rausch­fil­ter) be­ein­flus­sen und Un­schär­fe­ef­fek­te bei schnel­len Bild­be­we­gun­gen wer­den qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig um­ge­setzt.

Ein Spiel, ein Kunst­werk

Die Mu­sik ge­hört zu den bes­ten Vi­deo­spiel­sound­tracks al­ler Zei­ten und die Ma­cher ha­ben es sich nicht neh­men las­sen, den An­fangs- und End­mo­men­ten mehr Wucht und Dra­ma­tik zu ver­lei­hen, oh­ne die Stim­mung künst­lich zu ver­fäl­schen. Ori­gi­nal­ge­treu über­nom­men wur­den auch alle Ka­me­ra­ein­stel­lun­gen, Zwi­schen­se­quen­zen, die Ein­lei­tung und der Ab­ge­sang der Ti­ta­nen so­wie die tief­trau­ri­ge Schluss­no­te: Al­les ist so, wie man es kennt und doch er­lebt man Sha­dow of the Co­los­sus, als wä­re es das ers­te Mal. Sha­dow of the Co­los­sus zeigt, wie man ei­nen Klas­si­ker fit für ei­ne neue Kon­so­len- und Spiel­er­ge­ne­ra­ti­on macht und dem Ori­gi­nal den­noch treu bleibt.

„Al­les ist so, wie man es kennt und doch er­lebt man Sha­dow of the Co­los­sus, als wä­re es das ers­te Mal.“

Schau mir in die Au­gen: Um die Ti­ta­nen zu er­rei­chen, ist oft­mals Köpf­chen ge­fragt, denn die Ko­los­se sind kei­nes­falls be­geis­tert von der Idee, durch Ihr Schwert nie­der­ge­streckt zu wer­den Ein Jun­ge, ein Turm und 16 Ti­ta­nen: Die Rah­men­hand­lung von Sha­dow...

Je­de Sze­ne des 2005 er­schie­ne­nen Ori­gi­nals für Play­sta­ti­on 2 (Bild oben) wur­de im Play­sta­ti­on-4-re­make (Bild un­ten) ex­akt nach­emp­fun­den. Durch die enor­men gra­fi­schen Un­ter­schie­de er­lebt man das Spiel den­noch auf ei­ne völ­lig neue Wei­se

Der Bo­gen ist nur sel­ten ef­fek­tiv, aber in die­sem Kampf un­er­setz­bar. Auf dem Pferd zu rei­ten und gleich­zei­tig zu schie­ßen, ist kei­nes­falls ein­fach. PS4-PRO- Spie­ler sind dank flüs­si­ger 60-FPS- Op­tik im Vor­teil

Um die Ti­ta­nen in die Knie zu zwin­gen, sind meh­re­re An­grif­fe auf die Schwach­punk­te not­wen­dig. Je stär­ker Sie zu­ste­chen, des­to mehr Aus­dau­er ver­brau­chen Sie, was das Ri­si­ko ei­nes Ab­stur­zes er­höht

Die Um­ge­bung macht im Re­make den größ­ten Sprung nach vorn: Statt kar­ger Öd­nis ver­setzt Sie die Na­tur ein ums an­de­re Mal ins Stau­nen, erst­mals so­gar in HDR- Qua­li­tät

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