Kon­flikt um Übungs­plät­ze schwelt wei­ter

Ver­kehrs­er­zie­hung Die Bür­ger­meis­ter im Kreis stel­len sich ve­he­ment ge­gen ei­ne Zen­tra­li­sie­rung der Ver­kehrs­er­zie­hung in Hei­den­heim, die Po­li­zei hält an den Über­le­gun­gen fest. Von Andre­as Uitz

Heidenheimer Neue Presse - - Vorderseite -

Die Po­li­zei will die Ver­kehrs­er­zie­hung für Kin­der zen­tra­li­sie­ren, doch die Bür­ger­meis­ter aus dem Land­kreis stel­len sich ge­gen die­se Pla­nun­gen.

Seit Jahr­zehn­ten ler­nen Grund­schü­ler aus dem ge­sam­ten Land­kreis die wich­tigs­ten Re­geln im Stra­ßen­ver­kehr mit Un­ter­stüt­zung der Ju­gend­ver­kehrs­schu­le der Kreis­ver­kehrs­wacht. Vie­le wer­den sich noch an die auf­re­gen­den Zei­ten er­in­nern in de­nen sie die Schul­bank drück­ten, und in de­nen die Po­li­zis­ten in den Un­ter­richt ka­men um das theo­re­ti­sche Wis­sen zu ver­mit­teln.

Da­nach ging es dann aufs Fahr­rad um auf dem Schul­hof, auf dem Stra­ßen und Fuß­gän­ger­über­we­ge ein­ge­zeich­net und Ver­kehrs­schil­der auf­ge­stellt wa­ren, mun­ter Run­de um Run­de zu üben, wie man sich im Stra­ßen­ver­kehr ver­hält.

Die­se Zei­ten könn­ten schon bald der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren – zu­min­dest was das Üben im ge­wohn­ten Um­feld an der ei­ge­nen Schu­le an­geht. Denn auf­grund der per­so­nel­len Si­tua­ti­on plant das Po­li­zei­prä­si­di­um Ulm, die Ver­kehrs­er­zie­hung zu zen­tra­li­sie­ren.

18 Übungs­plät­ze im gan­zen Kreis

Be­reits vor ei­nem Jahr wur­den die­se Über­le­gun­gen pu­blik und seit­dem ver­su­chen Po­li­zei und die Bür­ger­meis­ter Lö­sun­gen zu fin­den – in­zwi­schen hat sich auch die Lan­des­po­li­tik mit der The­ma­tik be­schäf­tigt. Ei­ne wirk­li­che Lö­sung ist noch nicht in Sicht, doch wie Natt­heims Bür­ger­meis­ter Nor­bert Be­res­ka, Vor­sit­zen­der der Kreis­ab­tei­lung des Ge­mein­de­tags Ba­den­würt­tem­berg, be­tont, sei zu­min­dest bis En­de die­ses Jah­res si­cher­ge­stellt, dass die Ver­kehrs­er­zie­hung in den Ge­mein­den statt­fin­det.

Ins­ge­samt gibt es 18 Übungs­plät­ze im gan­zen Kreis – und das sind ganz er­heb­lich mehr als in an­de­ren – deut­lich grö­ße­ren – Land­krei­sen. So gibt es im Kreis Göp­pin­gen nur zwei Übungs­plät­ze, im Alb-do­nau-kreis 14 und in Ulm nur ei­nen Platz. In Hei­den­heim sind für die Ver­kehrs­er­zie­hung zwei Voll- und zwei Teil­zeit­stel­len an­ge­sie­delt, doch die Be­am­ten sind auch für Prä­ven­ti­on an Schu­len zu­stän­dig.

Die Pla­nun­gen des Po­li­zei­prä­si­di­ums vom ver­gan­ge­nen Jahr gin­gen da­hin, die Ver­kehrs­er­zie­hung auch im Land­kreis zu zen­tra­li­sie­ren – in Hei­den­heim. Dann wür­den die Grund­schü­ler mit Bus­sen zum zen­tra­len Übungs­platz beim Fest­platz Nörd­lin­ger Stra­ße ge­bracht und die Po­li­zis­ten wür­den nicht mehr viel Zeit auf der Stra­ße ver­brin­gen um in je­den Ort zu ge­lan­gen.

„An­ge­sichts der Per­so­nal­knapp­heit bei der Po­li­zei kön­nen wir das An­lie­gen ver­ste­hen, aber wir Bür­ger­meis­ter wer­den uns da­ge­gen weh­ren“, so Be­res­ka. Den Vor­wurf macht er der Po­li­tik, nicht der Po­li­zei. Trotz­dem sei man kom­pro­miss­be­reit: „Wenn wir uns auf drei oder vier Übungs­plät­ze im Land­kreis ei­ni­gen könn­ten, wä­ren wir ein­ver­stan­den“, dar­auf ha­be man sich in der jüngs­ten Bür­ger­meis­ter­dienst­be­spre­chung ge­ei­nigt. „Wir möch­ten er­rei­chen, dass die Kin­der die best­mög­li­che Fahr­rad­aus­bil­dung er­hal­ten und da­zu ge­hört auch, dass sie mit den ei­ge­nen Rä­dern üben“, so Be­res­ka. „Es kann nicht sein, dass man bei den Kleins­ten an­fängt zu spa­ren, da­ge­gen weh­ren wir uns ve­he­ment.“

Po­li­zei bleibt bei Zie­len

Von Sei­ten der Kreis­ver­kehrs­wacht hin­ge­gen übt man Zu­rück­hal­tung. „Wir ha­ben be­schlos­sen, uns aus dem Kon­flikt zwi­schen Po­li­zei und Bür­ger­meis­tern raus­zu­hal­ten“, sagt die Ge­schäfts­füh­re­rin Bar­ba­ra Wied­mann. So wer­de die In­sti­tu­ti­on auch wei­ter­hin das nö­ti­ge Equip­ment für die Ver­kehrs­er­zie­hung der Kin­der be­reit­stel­len, „ganz egal ob nur zen­tral in Hei­den­heim oder mo­bil für den gan­zen Kreis.“

Ulms Po­li­zei­prä­si­dent Chris­ti­an Nill ver­tei­digt die Zen­tra­li­sie­rungs­plä­ne der Po­li­zei: „Wir wol­len die Ver­kehrs­er­zie­hung res­sour­cen­scho­nen­der und pro­fes­sio­nel­ler ma­chen.“Ei­nes der Pro­ble­me sei, dass kei­ner der 17 Übungs­plät­ze bei den Schu­len im Kreis den ak­tu­el­len An­for­de­run­gen ent­spricht. Au­ßer­dem ge­he bei den Fahr­ten der Be­am­ten in die Ge­mein­den für Rüst- und Fahr­zei­ten so viel Zeit ver­lo­ren, dass die Aus­bil­dung dar­un­ter lei­de.

„Wir ar­bei­ten wei­ter an der Zen­tra­li­sie­rung der Übungs­plät­ze, so wie das auch in den an­de­ren Land­krei­sen der Fall ist“, be­tont Po­li­zei­prä­si­dent Nill. Je­doch sei man im Ge­spräch mit den Bür­ger­meis­tern und Be­res­ka. „Soll­te es drin­gend not­wen­dig sein, ne­ben dem Hei­den­hei­mer noch an­de­re Plät­ze zu be­trei­ben, muss man das ver­han­deln.“Vor­aus­set­zung sei je­doch, dass die­se Plät­ze den neu­en An­for­de­run­gen ge­nü­gen und dem­ent­spre­chend um­ge­stal­tet wer­den – auf Kos­ten der Kom­mu­nen. „Wir wol­len den Kin­dern op­ti­ma­le Be­din­gun­gen bie­ten und die Zeit lie­ber in die Aus­bil­dung als in die An­fahrt in­ves­tie­ren“, be­tont Nill.

Ver­kehrs­er­zie­hung auf dem zen­tra­len Übungs­platz in Hei­den­heim: Nach An­sicht der Po­li­zei sol­len die­se künf­tig al­le Kin­der aus dem Land­kreis zen­tral ge­nie­ßen, doch die Bür­ger­meis­ter weh­ren sich da­ge­gen. Fo­to: Ar­chiv/oli­ver Vo­gel

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