Eric Fren­zels gol­de­ne Olym­pia-tak­tik

Nor­di­sche Kom­bi­na­ti­on In ei­nem span­nen­den Ren­nen läuft der deut­sche Vor­zei­ge­sport­ler vom fünf­ten auf den Spit­zen­rang. Dank ge­lun­ge­ner Stra­te­gie hängt er sei­ne Geg­ner ab.

Heidenheimer Neue Presse - - Kreis Und Region -

Die Fah­ne konn­te sich Eric Fren­zel zwar nicht mehr schnap­pen, da­für war ihm Aki­to Wa­t­a­be zu dicht auf den Fer­sen. Aber die hat­te der Aus­nah­me­sport­ler ja schon durchs Olym­pia­sta­di­onge­tra­gen. Und für ei­nen be­herz­ten Schritt über die Zi­el­li­nie samt Ur­schrei reich­te es den­noch. Der 29-Jäh­ri­ge ha­tes mal wie­der ge­schafft: Trotz ei­ner Sai­son, in der ihm zeit­wei­se das Sie­ger-gen ab­han­den zu kom­men schien, hol­te der­welt­meis­ter, Ge­samt­welt­cup­ge­win­ner und Olym­pia­sie­ger er­neut Gold.

Wäh­rend er aber 2014 in Sot­schi nach dem Sprin­gen von der Nor­mal­schan­ze schon als Füh­ren­der auf die Loi­pe ge­gan­gen war, muss­te er dies­mal acht Se­kun­den auf Dau­er-wi­der­sa­cher Wa­t­a­be und 36 Se­kun­den auf die­spit­ze auf­ho­len. Trotz­dem­be­schrieb­der nun zwei­fa­cheolym­pia­sie­ger die Kon­stel­la­ti­on als fast per­fekt: „Ich war in ei­ner Grup­pe, mit der ich gut zu­sam­men­ar­bei­ten kann, und die Füh­ren­den wa­ren auch nicht zu weit weg, um sie­ein­zu­ho­len“, er­klär­te Fren­zel. „Des­halb wuss­te ich schon vor dem Start, dass ich hier Gold gewinnen kann.“

Geg­ner mür­be ge­macht

Was folg­te, wa­ren Ein­bli­cke in ein Renn­ge­sche­hen, das bei­spiel­haft für die Nor­di­sche Kom­bi­na­ti­on steht: Die schwä­che­ren Sprin­ger aber bes­se­ren Lang­läu­fer ho­len auf. Meist kommt es dann zu ei­nem­von Tak­tik und Atta­cken­ge­präg­ten Lang­lauf­ren­nen, das an Span­nung kaum zu über­bie­ten ist. Und wenn es um Renn­tak­tik geht, da sind die Deut­schen, auch dank der Er­fah­rung von ih­rem Bun­des­trai­ner Her­mann Wein­buch, mit al­len Was­sern ge­wa­schen.

Als Fren­zel mit ei­ner Vie­rerG­rup­pe führ­te, be­gann er sei­nen Mas­ter­plan durch­zu­zie­hen, den er sich zu­vor mit sei­nem Coach zu­recht­ge­legt hat­te. „Wir hat­ten ein biss­chen Angst vor Lu­kas Klap­fer, weil der in letz­ter Zeit ziem­lich gut ge­lau­fen ist. Aber Eric ist sehr ent­schlos­sen an­ge­gan­gen, war sehr fo­kus­siert, wir hat­ten gu­tes Ma­te­ri­al“, schick­te Wein­buch als Grund­la­ge vor­weg: „Er hat dann im­mer bei den An­stie­gen rich­tig an­ge­zo­gen, ist in je­der Run­de scharf an­ge­gan­gen, da­mit die Leu­te mü­de und angeschlagen wer­den.“

Atta­cke am letz­ten An­stieg

Denn die stei­len An­stie­ge for­dern ih­ren Tri­but, und an­ge­sichts der tra­di­tio­nell star­ken Lauf­form der Deut­schen strotz­te Fren­zel vor Selbst­be­wusst­sein.ob­wohl er in die­ser Sai­son erst ei­nen Welt­cup ge­won­nen hat­te, ris­kier­te er dann am letz­ten An­stieg al­les. „Ich hat­te schon­vor­her in Be­tracht ge­zo­gen, am letz­ten An­stieg zu at­ta­ckie­ren“, er­in­ner­te sich Fren­zel hin­ter­her. Doch das be­deu­te­te auch ein ge­wis­ses Ri­si­ko: „Ich wuss­te, dass die Atta­cke so gut sein muss­te, dass ich ein gro­ßes Loch rei­ße. Sonst wä­re für die an­de­ren die Mög­lich­keit da­ge­we­sen, das auf der Ab­fahrt wie­der zu­zu­fah­ren.“Ei­nen Ziel­sprint,bei dem er schon oft den Kür­ze­ren ge­zo­gen hat­te, gal­tes zu ver­mei­den. Letzt­lich war die Lü­cke groß ge­nug, und Wa­t­a­be blieb wie­der nur Sil­ber–vor­dem Ös­ter­rei­cher Lu­kas Klap­fer, der schon früh am An­stieg ab­rei­ßen las­sen muss­te. Die zu­letzt er­folgs­ver­wöhn­ten Nor­we­ger brach­ten Jarl Magnus Riiber als bes­ten Mann nur auf Rang vier ins Ziel.

Fren­zel da­ge­gen konn­te ein­drucks­voll zei­gen, wor­auf es in sei­nem span­nen­den Sport an­kommt: Zwei so un­glei­che Dis­zi­pli­nen mit­ein­an­der zu ver­ei­nen, so dass ein gol­de­nes­ge­samt­kon­zept her­aus­kommt. Eric Fren­zel und sein Trai­ner­team ha­ben das per­fekt ver­in­ner­licht.

Auf dem Sie­ger­po­dest: Eric Fren­zel do­mi­nier­te bei den Kom­bi­nie­rern. Fo­to: Chris­tof St­a­che/afp

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