Cho­reo­gra­fier­te Be­geis­te­rung

Eis­kunst­lauf Nord­ko­rea­ni­sches Paar lässt sich ei­ne Vier­tel­stun­de lang fei­ern. Sa­vchen­ko und Mas­sot pat­zen.

Heidenheimer Neue Presse - - Kreis Und Region - mha

Der his­to­ri­sche Mo­ment im olym­pi­schen Eis­kunst­lauf war pe­ni­bel or­ga­ni­siert. Als Tae Ok Ryom und sei­ne Part­ne­rin Ju Sik Kim ihr Kurz­pro­gramm mit­ei­ner feh­ler­frei­en Dar­bie­tung be­en­det hat­ten, bra­chen 250 jun­ge Nord­ko­rea­ne­rin­nen, al­le­samt in der ro­ten Na­tio­nal­far­be ge­klei­det und mit Fähn­chen­be­stückt, in gren­zen­lo­sen Ju­bel aus. Doch nicht ir­gend­wie,son­dern nach ei­ner­ge­nau­en Cho­reo­gra­phie: Auf Kom­man­do erst die Fähn­chen­zehn Se­kun­den ho­ri­zon­tal schwen­ken, dann ver­ti­kal, und schließ­lich wie­der ho­ri­zon­tal.

Noch be­vor das Eis für die nächs­te Grup­pe auf­be­rei­tet war, ging es für Kim Jong-uns Vor­zei­ge­mäd­chen samt ei­ner fast eben­so gro­ßen Hor­de an Be­treu­ern und Si­cher­heits­kräf­ten zu­rück in den Bus. Au­then­tisch mach­te die­sen skur­ri­len Auf­tritt in Pyeong­chang le­dig­lich, dass auch die süd­ko­rea­ni­schen Zu­schau­er flei­ßig mit­ju­bel­ten. Ins­ge­samt dau­er­te die Ins­ze­nie­rung nicht viel län­ger als ei­ne Vier­tel­stun­de. Doch die zu­min­dest sport­li­che Wie­der­ver­ei­ni­gung des­ge­teil­ten Lan­des war wie­der um ei­ne Ge­schich­te rei­cher.

Dass sich das nord­ko­rea­ni­sche Paar mit­sai­son­best­leis­tung für die Kür heu­te ab 10.30 Uhr (2.30 MEZ) qua­li­fi­ziert hat­te,ge­riet zur Ne­ben­sa­che. Ne­ben acht wei­te­ren Ath­le­ten im Ski Al­pin, Short­track und Lang­lauf so­wie zwölf Ver­tre­te­rin­nen im ver­ein­ten ko­rea­ni­schen Eis­ho­ckey­team sind sie die ein­zi­gen Ver­tre­ter aus dem Nor­den, die an Olym­pia in Süd­ko­rea teil­neh­men dür­fen.

Wie sich Ryom und Kim sich nach ih­rem flot­ten, mo­der­nen Auf­tritt zum Beat­les-hit „A day in the life“fühl­ten, wur­de da­ge­gen nicht deut­lich. Hek­tisch führ­te ei­ne Pres­se­spre­che­rin das Paar aus Pjöng­jang, das von ei­nem Ka­na­di­er trai­niert wird, durch die Fern­seh­in­ter­views. „Bitte schnell, bitte schnell“, weist die re­so­lu­te Da­men die Mo­de­ra­to­ren gleich vor­ab in die Schran­ken.schließ­lich zwei kur­ze Fragen, zwei kur­ze Ant­wor­ten: „Wir sind sehr glück­lich, hier mit an­de­ren Na­tio­nen im Wett­be­werb zu ste­hen“, sag­te Ju Sik Kim. „Wir sind sehr glück­lich, dass uns die süd­ko­rea­ni­schen und nord­ko­rea­ni­schen Fans an­feu­ern. Wir füh­len die Kraft und Ener­gie der ko­rea­ni­schen Zu­schau­er.“Nach­fra­gen? Kei­ne.

Ei­ne Um­dre­hung fehlt

Von al­le­dem­be­kam das deut­sche Paar Al­jo­na Sa­vchen­ko und Bru­no Mas­sot we­nig mit. Die bei­den lie­fer­ten ih­re Dar­bie­tung als vor­letz­tes und da­mit fa­vo­ri­sier­tes Paar zwi­schen zwei Ver­tre­tern der „Olym­pi­schen Ath­le­ten aus Russ­land“ab. Al­ler­dings patz­te der Fran­zo­se beim Sal­chow und schaff­te nur zwei statt drei Um­dre­hun­gen.sa­vchen­ko re­agier­te ge­fasst: „Es war ein Feh­ler, da kann man nix ma­chen“, sag­te die 34-Jäh­ri­ge.

Coach Alex­an­der Kö­nig ging da­ge­gen mit sei­nem Schütz­ling hart ins Ge­richt: „Aus ei­nem drei­fa­chen den zwei­fa­chen zu ma­chen, das ist die Höchst­stra­fe.“Da­mit lan­de­te das Paar, das in Oberst­dorf trai­niert, zu­nächst auf Rang vier – mit gro­ßem Ab­stand zu den füh­ren­den Chi­ne­sen und Rus­sen, al­ler­dings in Schlagdis­tanz zum ka­na­di­schen Duo.

Stärks­ter Auf­tritt in die­ser Sai­son: Tae Ok Ryom und Ju Sik Kim. Fo­to: Pe­ter Kn­ef­fel/dpa

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