Vom Werk­gym­na­si­um in die Film­bran­che

Ki­no Chris­ti­an Füll­mich ist in Hei­den­heim auf­ge­wach­sen und nun Pro­du­zent in Mün­chen. Ab Don­ners­tag läuft sei­ne Ko­mö­die „Ein­mal bit­te al­les“auch hier. Von Man­fred F. Ku­bi­ak

Heidenheimer Zeitung - - Vorderseite -

Hei­den­heim. Der Mün­che­ner Film­pro­du­zent Chris­ti­an Füll­mich ist in Hei­den­heim auf­ge­wach­sen. Ab Don­ners­tag läuft hier sei­ne Ko­mö­die „Ein­mal bit­te al­les“im Ki­no-cen­ter.

Hei­den­hei­mer im Film­ge­schäft? Die­se Er­zäh­lung hat schon ein paar Ka­pi­tel. Und ir­gend­wie kommt es ei­nem so vor, als ob der Stoff für noch mehr Er­folgs­ge­schich­ten taugt. Als nächs­ter im Klub kä­me zum Bei­spiel Chris­ti­an Füll­mich in Fra­ge. Der hat 2004 sein Abitur am Werk­gym­na­si­um ge­macht und ist in­zwi­schen 33 und Film­pro­du­zent in Mün­chen.

Ein Er­folg­rei­cher da­zu. Denn der von sei­ner Fir­ma pro­du­zier­te Film „Ein­mal bit­te al­les“läuft recht er­folg­reich im Ki­no. Dem­nächst üb­ri­gens auch in Hei­den­heim, wo er ab dem 21. Sep­tem­ber auf dem Spiel­plan steht.

Von so et­was träumt man. Und si­cher­lich tat das Chris­ti­an Füll­mich auch, als er in Schü­ler­ta­gen zu­sam­men mit sei­nem Klas­sen­ka­me­ra­den En­no End­li­cher ers­te klei­ne Fil­me dreh­te. „Wir bei­de woll­ten schon da­mals spä­ter et­was mit Film ma­chen“, sagt Füll­mich. Und bei bei­den hat’s ge­klappt. Für End­li­cher als Ka­me­ra­mann, für Füll­mich als Pro­du­zent. Und für bei­de nun auch im Ki­no. En­no End­li­chers De­büt in die­sem Gen­re war vor ein paar Mo­na­ten auch in Hei­den­heim zu er­le­ben ge­we­sen. Chris­ti­an Füll­mich folgt ihm in der al­ten Hei­mat nun mit nur we­nig Ab­stand nach.

Gleich ein Preis

Da­bei ist er nun auch schon ei­ni­ge Jahr weg von hier. Denn gleich nach­dem Chris­ti­an Füll­mich in Her­brecht­in­gen im Karl-kaipf­heim sei­nen Zi­vil­dienst ab­sol­viert hat­te, zog es ihn nach Mün­chen. Dort ver­brach­te er ein Jahr da­mit, sich in al­len mög­li­chen Be­rei­chen der Film­her­stel­lung um­zu­tun. „Um ei­nen Ge­samt­über­blick zu er­hal­ten.“Von 2006 bis 2009 folg­te dann ein Stu­di­um des Me­di­en­ma­nage­ments für Film- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen an der Ma­cro­me­di­ahoch­schu­le für Me­di­en und Kom­mu­ni­ka­ti­on in Mün­chen. Da­nach ging’s ein Jahr nach Aus­tra­li­en und in die dor­ti­ge Film- und Fern­seh­land­schaft, ehe Füll­mich, zu­rück in Mün­chen, als frei­be­ruf­li­cher Pro­du­zent für un­ter­schied­li­che TV-, Spiel- und Wer­be­film­pro­duk­tio­nen ar­bei­te­te.

Kal­ku­la­ti­on und Fi­nan­zie­rung

Und dann wur­de es ernst. Zu­sam­men mit sei­nem frü­he­ren Kom­mi­li­to­nen Tor­ben Maas grün­de­te Chris­ti­an Füll­mich im Jahr 2011 ei­ne Film­pro­duk­ti­ons­fir­ma. Ein gro­ßer Schritt. Aber auch der rich­ti­ge Zeit­punkt. „Wir hat­ten bei­de noch kei­ne Ver­ant­wor­tung für an­de­re, nur für uns. Al­so ha­ben wir es ge­wagt.“Und das Wag­nis soll­te schon bald be­lohnt wer­den. 2013 wur­de die „Film­schaft Maas & Füll­mich“, so der Fir­men­na­me, für den Film „Ne­mez“mit dem Baye­ri­schen Nach­wuchs­pro­du­zen­ten­preis aus­ge­zeich­net. „Das hat uns dann ei­ni­ge Tü­ren ge­öff­net.“

Wäh­rend der Re­gis­seur ei­nes Films für des­sen künst­le­ri­schen Er­folg die Ver­ant­wor­tung trägt, ist der Pro­du­zent ge­wis­ser­ma­ßen für den gan­zen gro­ßen Rest ver­ant­wort­lich. Er ver­wal­tet und steu­ert den Her­stel­lungs­pro­zess ei­nes Films und ist für den tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Er­folg ei­ner Pro­duk­ti­on in all ih­ren Pha­sen ver­ant­wort­lich und hat zu­dem in­halt­li­chen Ein­fluss. „Wir sind beim Cas­ting der Schau­spie­ler und, wenn’s geht, bei al­len Dreh­ar­bei­ten da­bei, zu­min­dest sich­ten wir täg­lich das dort ent­stan­de­ne Ma­te­ri­al. Wir stel­len das Krea­tiv-team zu­sam­men, wir neh­men an den Schnitt­sit­zun­gen teil, sind bei der Mu­sik­aus­wahl im Ton­stu­dio da­bei, al­so qua­si über­all“, sagt Chris­ti­an Füll­mich. Selbst­ver­ständ­lich ge­hö­ren zu den Auf­ga­ben ei­nes Pro­du­zen­ten auch die Film­kal­ku­la­ti­on und Film­fi­nan­zie­rung. „Und da muss man vie­le Part­ner über­zeu­gen.“

Für „Ein­mal bit­te al­les“konn­ten Chris­ti­an Füll­mich und Tor­ben Maas un­ter an­de­rem den Baye­ri­schen Rund­funk und die Film- und Fern­seh­för­de­rung des Frei­staats über­zeu­gen, Tei­le der Fi­nan­zie­rung zu über­neh­men. Ein­ge­stie­gen in die Pro­duk­ti­on wa­ren die Pro­du­zen­ten, nach­dem ih­nen 2014 die Re­gis­seu­rin He­le­na Huf­na­gel ei­nen ers­ten Dreh­buch­ent­wurf vor­ge­legt hat­te. „Und den fan­den wir span­nend und zeit­ge­mäß“, sagt Chris­ti­an Füll­mich. „Dar­über hin­aus pass­te die Idee zu uns, denn wir wol­len kei­ne Art­haus-fil­me pro­du­zie­ren, son­dern im bes­ten Sin­ne un­ter­hal­ten­de Fil­me.“Im Fal­le von „Ein­mal bit­te al­les“ei­ne Ko­mö­die mit Tief­gang.

Spe­zia­li­tät De­büt-film

Und das ge­sam­te Pro­jekt deckt sich auch mit der Phi­lo­so­phie der Pro­duk­ti­ons­fir­ma. Füll­mich: „Wir se­hen uns da be­son­ders im De­büt­film-be­reich, al­so dort, wo Ta­len­te ent­deckt wer­den, Re­gis­seu­re, Au­to­ren, Schau­spie­ler, aber auch Krea­ti­ve aus an­de­ren Film-ge­wer­ken wie Ka­me­ra, Mas­ke und so wei­ter, die ih­ren Weg ma­chen und dann wo­mög­lich zu den gro­ßen Fir­men ge­hen oder aber mit uns ei­ne zwei­te, drit­te Pro­duk­ti­on ma­chen, so­dass wir ge­mein­sam wach­sen kön­nen.“

In „Ein­mal bit­te al­les“geht’s vor al­lem um Isi – 27 Jah­re jung oder alt, wie man’s nimmt –, die das Gra­fik­stu­di­um in der Ta­sche und je­de Men­ge Ide­en im Kopf hat. Sie will Il­lus­tra­to­rin wer­den und da­mit ih­ren Traum von ei­ner er­folg­rei­chen Kar­rie­re ver­wirk­li­chen. Sie zeich­net ei­ne Gra­phic No­vel zu F. Scott Fitz­ge­ralds „Die Schö­nen und Ver­damm­ten“und fühlt sich ir­gend­wann sel­ber ganz schön ver­dammt: Seit fünf Mo­na­ten schenkt Isi als Ver­lags­prak­ti­kan­tin Kaf­fee aus, ih­re El­tern me­ckern an ih­rem Le­bens­ent­wurf her­um, al­le Män­ner zwi­schen 20 und 30 sind auch nicht die rich­ti­gen – und oben­drein hat jetzt die bes­te Freun­din auch noch ei­nen Freund . . .

Schon 13 500 Be­su­cher

Der Film kam am 20. Ju­li in die Ki­nos und wur­de in­zwi­schen von 13 500 Be­su­chern ge­se­hen. Das ist für ei­nen De­büt-film ei­ne gan­ze Men­ge. „Die meis­ten blei­ben un­ter 5000 Be­su­chern und sind nach zwei Wo­chen wie­der weg“, weiß Chris­ti­an Füll­mich. „Ein klei­ner Film hat we­nig Bud­get fürs Mar­ke­ting und ist des­halb sehr auf Mund­pro­pa­gan­da an­ge­wie­sen. Bei uns hat das ge­klappt, der Film hat­te in den ers­ten bei­den Wo­chen eher we­ni­ger Zu­schau­er, aber dann gin­gen die Zah­len zum Bei­spiel in Städ­ten wie Frei­burg oder Mün­chen plötz­lich in die Hö­he.“In­zwi­schen häu­fen sich auch die gu­ten Kri­ti­ken, so­gar im Groß­feuille­ton.

Trotz­dem kann ein De­büt-film kaum ein Selbst­läu­fer sein. „Man muss da zu­sam­men mit dem Ver­leih viel Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten bei den Ki­no­be­trei­bern, um ei­ne Chan­ce zu be­kom­men, die für uns in die­sem Fall vor al­lem in Pro­gram­mo­der Art­haus-ki­nos ge­ge­ben ist.“

Und in Hei­den­heim, wo „Ein­mal bit­te al­les“ab Don­ners­tag, 21. Sep­tem­ber, im Ki­no-cen­ter zu se­hen sein wird.

Chris­ti­an Füll­mich wird bei der ers­ten Vor­stel­lung am 21. Sep­tem­ber ab 20 Uhr an­we­send sein und sich an­schlie­ßend Fra­gen des Pu­bli­kums stel­len. Die wei­te­ren Vor­stel­lun­gen von „Ein­mal bit­te al­les“wer­den erst in der kom­men­den Wo­che ter­mi­niert, von uns aber noch be­kannt­ge­ge­ben.

Mün­che­ner Film­pro­du­zent aus Hei­den­heim: Chris­ti­an Füll­mich (rechts) mit Re­gis­seu­rin He­le­na Tor­ben Maas bei der Pre­mie­re von „Ein­mal bit­te al­les“. Den Film­trai­ler und mehr In­fos gibt es auf Huf­na­gel und sei­nem Ge­schäfts­part­ner

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