Oet­tin­ger lehnt Kahl­schlag ab

EU-Haus­halts­kom­mis­sar for­dert beim Bau­ern­tag mehr Geld für den eu­ro­päi­schen Etat

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Kocher-, Jagst-, Brettachtal - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­teur Re­to Bosch

Oh­ne För­der­geld aus Eu­ro­pa könn­ten vie­le land­wirt­schaft­li­che Be­trie­be nicht exis­tie­ren. Im Durch­schnitt ma­chen die­se Zah­lun­gen 40 Pro­zent ih­rer Ein­kom­men aus. Vor die­sem Hin­ter­grund war die Ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Agrar­po­li­tik (GAP) ein wich­ti­ges The­ma beim Deut­schen Bau­ern­tag in Ber­lin. EU-Haus­halts­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger ap­pel­lier­te an die na­tio­na­len Re­gie­run­gen, mehr Geld zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Di­rekt­zah­lun­gen „Der Agrar­be­reich war ei­ner der Grund­pfei­ler des eu­ro­päi­schen Pro­jekts“, sag­te Oet­tin­ger vor knapp 600 De­le­gier­ten des Deut­schen Bau­ern­ver­bands. Er plä­dier­te da­für, die Agrar­po­li­tik wei­ter­hin als ge­samt­eu­ro­päi­sche Auf­ga­be zu be­trach­ten. Was die Land­wir­te mit Freu­de zur Kennt­nis nah- men: Der Haus­halts­kom­mis­sar hält star­ke Di­rekt­zah­lun­gen an die Hö­fe für wich­tig. Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) sieht das ge­nau­so. Die­se so­ge­nann­te ers­te Säu­le sei ele­men­ta­rer Be­stand­teil der Exis­tenz­si­che­rung.

Bei­trä­ge Geld, dass an die Bau­ern ver­teilt wer­den soll, müs­sen die Mit­glieds­län­der zu­nächst nach Brüs­sel über­wei­sen. Und da sieht Oet­tin­ger Pro­ble­me. Zum ei­nen rei­ße der Br­ex­it – Groß­bri­tan­ni­en war ein Net­to­zah­ler – ei­ne Zehn-Mil­li­ar­den-Lü­cke im eu­ro­päi­schen Etat. Zum an­de­ren müs­se sich die EU neu­en Auf­ga­ben stel­len: Grenz­si­che­rung, Ver­tei­di­gung, Flücht­lings­po­li­tik. Auch dies kos­tet rund zehn Mil­li­ar­den Eu­ro. Es ge­be Vor­schlä­ge, dies über Ein­spa­run­gen zu fi­nan­zie­ren, was auch die Land­wirt­schaft be­tref­fen wür­de. Es sei aber nicht rich­tig, sinn­vol­le Auf­ga­ben mit ei­nem Kahl­schlag zu fi­nan­zie­ren.

Der­zeit sind die Zah­lun­gen der Mit­glieds­län­der an die EU auf ein Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts be­grenzt. Der Haus­halts­kom­mis­sar warb da­für, die bis­he­ri­ge Ober­gren­ze auf 1,1 oder 1,2 Pro­zent zu ver­schie­ben. Dann ge­be es aus­rei­chend Spiel­räu­me, neue Auf­ga­ben und Zu­kunfts­in­ves­ti­tio­nen zu be­zah­len. Wür­den hö­he­re Über­wei­sun­gen die Län­der nicht über­las­ten? Oet­tin­ger mach­te ei­ne ei­ge­ne Rech- nung auf: Im Durch­schnitt müss­ten die EU-Bür­ger 50 Pro­zent ih­res Ein­kom­mens für Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­run­gen ab­ge­ben. Da­von flie­ße ge­ra­de mal ein Eu­ro nach Brüs­sel. „So we­nig ist uns das Pro­jekt Eu­ro­pa wert.“Ins­ge­samt um­fasst der EUE­tat 150 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Bau­ern­prä­si­dent Joa­chim Ruk­wied aus Eber­stadt ist froh über die Un­ter­stüt­zung Oet­tin­gers. Er ver­si­cher­te, dass der Be­rufs­stand be­reit sei, an Re­for­men der Agrar­po­li­tik mit­zu­ar­bei­ten. „Wich­tig ist ein sta­bi­les Agrar­bud­get.“Und für die­se Per­spek­ti­ven be­nö­ti­gen die Land­wir­te mo­der­ne Tech­nik. Oet­tin­ger rief die Bau­ern da­zu auf, die Mög­lich­kei­ten der di­gi­ta­len Welt zu nut­zen. Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Schmidt (CSU) ver­sprach, dass auch bis­lang un­ter­ver­sorg­te Ge­bie­te mit schnel­les In­ter­net be­kom­men. „Ich will Glas­fa­ser bis zu je­dem Hof.“

Fo­to: dpa

EU-Haus­halts­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger mach­te sich vor dem Bau­ern­tag für ei­ne un­ver­än­der­te Un­ter­stüt­zung der Land­wir­te stark.

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