Rich­ter ge­ben Daim­ler Recht

Deut­sche Um­welt­hil­fe schei­tert mit Kla­ge we­gen ir­re­füh­ren­der Wer­bung

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Kocher-, Jagst-, Brettachtal - - WIRTSCHAFT - Von An­ni­ka Grah und Oli­ver Schma­le, dpa

Die Deut­sche Um­welt­hil­fe (DUH) lässt nicht lo­cker. Im­mer wie­der wirft sie dem Au­to­bau­er Daim­ler zu ho­he Ab­gas­wer­te bei Die­sel­mo­del­len vor. Nun wies das Stutt­gar­ter Land­ge­richt ges­tern ei­ne Kla­ge ab. Die ent­spre­chen­de Wer­bung des Stutt­gar­ter Kon­zerns sei nicht ir­re­füh­rend, ur­teil­te die 34. Kam­mer für Han­dels­sa­chen. (Az.: 34 O 21/16 KFH)

Die Um­welt­hil­fe hält dem Kon­zern vor, Ver­brau­cher mit Wer­bung für Die­sel­mo­to­ren der C-Klas­se in die Ir­re ge­führt zu ha­ben. Da­bei geht es un­ter an­de­rem um die Aus­sa­ge, dass Stick­oxid-Emis­sio­nen durch die Ab­gas-Nach­be­hand­lung um bis zu 90 Pro­zent ver­rin­gert wer­den könn­ten. Die Harn­stoff-Ein­spritz­tech­no­lo­gie Blu­e­tec re­du­zie­re „die Emis­si­ons­wer­te un­se­rer hoch­mo­der­nen Die­sel­mo­to­ren auf ein Mi­ni­mum“, heißt es im Wer­be­text. Daim­ler weist den Vor­wurf zu­rück. „Es ist schwer, ei­ne Aus­sa­ge zu­rück­zu­zie­hen, die es nach un­se­rer Ein­schät­zung zu kei­nem Zeit­punkt ge­ge­ben hat“, sag­te ei­ne Ju­ris­tin aus der Daim­ler-Rechts­ab­tei­lung wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung.

Re­ak­tio­nen Die Aus­sa­ge sei nicht ir­re­füh­rend und auch nicht wett­be­werbs­wid­rig, ur­teil­te das Land­ge­richt. Laut Ur­teil ent­hält die be­an­stan­de­te Pas­sa­ge nach dem Ver­ständ­nis ei­nes nor­ma­len Ver­brau­chers nicht die Aus­sa­ge, Emis­si­ons­wer­te auf den ge­rings­ten tech­nisch mög­li­chen Wert zu re­du­zie­ren, son­dern nur auf je­nes Mi­ni­mum, das bei Daim­ler da­mals tech­nisch mög­lich ge­we­sen sei. „Wir freu­en uns, dass das Ge­richt un­se­re Rechts­auf­fas­sung teilt“, sag- te ei­ne Daim­ler-Spre­che­rin. DUHGe­schäfts­füh­rer Jür­gen Resch sag­te, er sei über­rascht und ent­täuscht. In ähn­li­chen Ver­fah­ren ha­be sich die Um­welt­hil­fe be­reits ge­gen Fi­at und Opel weit­ge­hend durch­ge­setzt. Es wer­de ge­prüft, Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen, sag­te er. Vor ei­ni­gen Jah­ren hat­te die Um­welt­or­ga­ni­sa­ti­on Er­folg und setz­te ei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ge­gen Wer­bung für die da­mals neue S-Klas­se durch (Az.: 35 O 76/13 KfH).

Für das frag­li­che Mer­ce­des-Mo­dell hat­te die DUH schon im Fe­bru­ar 2016 ei­nen Ent­zug der Typ­ge­neh­mi­gung beim Kraft­fahrt­Bun­des­amt (KBA) ge­for­dert. Aber das KBA hat­te den Wa­gen auch bei sei­ner Nach­prü­fung im April 2016 nicht be­an­stan­det.

Die Um­welt­hil­fe kri­ti­siert schon län­ger ei­ne Ein­rich­tung, die in ei­ni­gen Mo­to­ren da­für sorgt, dass die Ab­gas-Nach­be­hand­lung in be­stimm­ten Tem­pe­ra­tur­be­rei­chen her­un­ter­ge­re­gelt wird – das so­ge­nann­te Ther­mo­fens­ter. Sie hat­te in ei­nem Gut­ach­ten die­se Pra­xis für nicht rech­tens er­klä­ren las­sen.

2016 mä­kel­te der Ver­ein an der BKlas­se mit Re­nault-Mo­tor her­um, die be­reits das KBA bei sei­nen Nach­tests im April be­an­stan­det hat­te. Zu­letzt war den Öko-Lob­by­is­ten auch der Smart zu schmut­zig. Den neu­es­ten Die­sel­mo­tor der Stutt­gar­ter, der 2016 zu­nächst in die E-Klas­se ein­ge­baut wur­de, lob­te die Um­welt­hil­fe in­des. Er zei­ge, dass ei­ne wirk­sa­me Ab­gas­rei­ni­gung auch bei win­ter­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren tech­nisch mach­bar sei. Die Tests des Ver­eins sind in­so­fern schwie­rig zu be­wer­ten, als die Mo­del­le die Vor­ga­ben auf dem Prüf­stand ein­hal­ten. Die Um­welt­hil­fe ver­wen­det al­ler­dings auf der Stra­ße ge­mes­se­ne Wer­te.

In Deutsch­land er­mit­telt die Stutt­gar­ter Staats­an­walt­schaft im Zu­sam­men­hang mit mög­li­chen Ab­gas-Ma­ni­pu­la­tio­nen bei Die­sel­fahr­zeu­gen „ge­gen na­ment­lich be­kann­te und un­be­kann­te Mit­ar­bei­ter der Daim­ler AG we­gen des Ver­dach­tes des Be­trugs und der straf­ba­ren Wer­bung“. In den USA ha­ben Au­to­be­sit­zer ei­ne Sam­mel­kla­ge an­ge­strengt und dem Her­stel­ler ma­ni­pu­lier­te Wer­te so­wie ir­re­füh­ren­de Wer­bung vor­ge­wor­fen. Das zu­stän­di­ge Ge­richt im Bun­des­staat New Jer­sey wies die Kla­ge zu­nächst ab.

„Wir freu­en uns, dass das Ge­richt un­se­re Rechts­auf­fas­sung teilt.“Daim­ler-Spre­che­rin

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