An­ge­las scheu­er Pro­fes­sor

Joa­chim Sau­er hält sich größ­ten­teils fern von der Welt der Kanz­le­rin

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Leintal - - MEINUNGEN - Von Kris­ti­na Dunz, dpa

Oft steht Joa­chim Sau­er ganz am Rand, un­be­merkt von der gro­ßen Men­schen­men­ge. Sei­ne An­we­sen­heit wirkt wie ein Lie­bes­dienst für sei­ne Ehe­frau An­ge­la Mer­kel, denn meis­tens hält sich der öf­fent­lich­keits­scheue Wis­sen­schaft­ler fern von ih­rer Welt.

Nur wenn es sich nicht ver­mei­den lässt, ab­sol­viert er das Pro­gramm für die Part­ner der Staats­und Re­gie­rungs­chefs bei Gip­feln. Das sind in der Re­gel Frau­en. Aber zu kei­ner von Mer­kels bis­her drei Ve­rei­di­gun­gen als Kanz­le­rin ist er ge­kom­men. Er schaut sich das lie­ber im Fern­se­hen an.

Der Ver­such, als Jour­na­list Kon­takt mit dem Quan­ten­che­mi­ker auf­zu­neh­men, schei­tert schnell. Die Ver­si­che­rung, dass es nicht um Politik ge­hen wer­de, nützt nichts. Höf­lich, aber ent­schlos­sen sagt er, dass er kei­ne In­ter­views ge­be. Man mö­ge sich bit­te aus be­reits ver­öf­fent­lich­ten Be­rich­ten im In­ter­net über ihn als Wis­sen­schaft­ler in­for­mie­ren, Dan­ke für das In­ter­es­se. Al­so gut. Viel­mehr schlecht. Denn das mit der Quan­ten­che­mie ist ja nicht ein­fach.

Che­mie Das Le­ben des Pro­fes­sor Dr. Dr. h.c. Sau­er ist eng ver­bun­den mit der Che­mie und der Ber­li­ner Hum­boldt-Uni­ver­si­tät. 1974 wur­de er mit sei­ner Ar­beit „Kon­se­quen­zen des Ko­op­mans­schen Theo­rems in den Re­stric­ted Har­tree Fock Me­tho­den für open-shell-Sys­te­me“pro­mo­viert und 1985 mit ei­ner Stu­die über „Quan­ten­che­mi­sche Un­ter­su­chun­gen ak­ti­ver Zen­tren und ad­sorp­ti­ver Wech­sel­wir­kun­gen von SiO2- und Zeo­li­tho­ber­flä­chen“ha­bi­li­tiert. Er er­forscht „Ab-in­i­tio-Be­rech­nun­gen von an­or­ga­ni­schen Clus­tern und theo­re­ti­sche Un­ter­su­chun­gen zur Struk­tur, Ener­ge­tik und Dy­na­mik he­te­ro­ge­ner Ka­ta­ly­se­pro­zes­se an Zeo­lith­sys­te­men“. So steht es je­den­falls in die­sem In­ter­net.

Be­ra­ter 1998 ha­ben sie ge­hei­ra­tet. Ken­nen­ge­lernt hat­ten sie sich in den 1980er Jah­ren an der Ber­li­ner Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten. Es ist für bei­de die zwei­te Ehe, Sau­er hat zwei Söh­ne. Er ist nun 68 Jah­re alt. Über sei­ne Schwä­chen, Stär­ken, Vor­lie­ben ist nicht viel be­kannt. Am ehes­ten das, was Mer­kel über ihn sagt: „Wir re­den nicht dau­ernd über Politik, aber er ist auch in­di­rekt ein gu­ter Be­ra­ter.“Und er er­ken­ne viel schnel­ler als sie den Witz in Car­toons. Er müs­se ihr das dann er­klä­ren. „Das ist na­tür­lich bit­ter für den, der es so­fort sieht.“

Hu­mor, schar­fes Den­ken und die Pas­si­on für die Oper eint die bei­den. Auch, dass bei­de schon als Schü­ler als au­ßer­or­dent­lich be­gabt gal­ten. Sau­er ist im bran­den­bur­gi­schen Senf­ten­berg, ge­nau­er im Orts­teil Ho­se­na, auf­ge­wach­sen. Das Po­litMa­ga­zin „Ci­ce­ro“hat ein­mal sei­nen ehe­ma­li­gen Rus­sisch­leh­rer mit den Wor­ten zi­tiert: „Der war ein Ass.“Er sei an al­lem in­ter­es­siert ge­we­sen und ha­be übe­r­all ge­glänzt: In Na­tur­wis­sen­schaf­ten, Spra­chen, Al­ge­bra, Phi­lo­so­phie.

Joa­chim Sau­er

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