Durch­wach­se­ne deut­sche Aus­sich­ten

Im nor­we­gi­schen Ber­gen be­ginnt am Sonn­tag die Stra­ßen-Welt­meis­ter­schaft – Zeit­fahr-Stre­cke macht Mar­tins Gold-Chan­ce zu­nich­te

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Leintal - - SPORT - Von Ste­fan Ta­be­ling, dpa

24 Jah­re ist es her, als ein ge­wis­ser Jan Ullrich im Re­gen von Os­lo als jüngs­ter Ama­teur-Welt­meis­ter erst­mals die Rad­sport-Welt ver­blüff­te. 20 Jah­re war der spä­te­re Tour-de-Fran­ce-Sie­ger da­mals jung. Ei­ni­ge Tage spä­ter ras­te der eben­falls noch recht un­be­kann­te Texa­ner Lan­ce Arm­strong an glei­cher Stel­le zum WM-Ti­tel der Pro­fis.

Wenn ab Sonn­tag in Ber­gen erst­mals wie­der die Stra­ßen­rad-Welt­meis­ter­schaf­ten in Nor­we­gen statt­fin­den, ste­hen die bei­den Prot­ago­nis­ten von einst längst stell­ver­tre­tend für die dunk­le Do­ping-Ära im Rad­sport.

Aus deut­scher Sicht kon­zen­trie­ren sich in die­sen Ta­gen die Hoff­nun­gen auf To­ny Mar­tin und John De­gen­kolb, wenn­gleich die Vor­aus­set­zun­gen nicht die bes­ten sind. Mar­tin geht zwar als Ti­tel­ver­tei­di­ger und vier­ma­li­ger Cham­pi­on ins WM-Ein­zel­zeit­fah­ren. Und die Chan­cen auf Ti­tel Num­mer fünf stün­den gar nicht mal so schlecht, wenn da nicht die­ser Mount Floy­en wä­re, ein 3,4 Ki­lo­me­ter lan­ger Schluss­an­stieg mit durch­schnitt­lich 9,1 Pro­zent Stei­gung. „Der Ti­tel ist uto­pisch, so rea­lis­tisch bin ich. Mei­ne Er­war­tun­gen sind ge­dämpft“, sag­te Mar­tin.

Dem WM-Ti­tel, oder we­nigs­tens ei­ner Me­dail­le im Pro­fi-Stra­ßen­ren- nen jagt John De­gen­kolb schon seit ei­ni­gen Jah­ren hin­ter­her. Der Kurs wür­de dem Thü­rin­ger durch­aus lie­gen, auch die Kopf­stein­pflas­ter­pas­sa­ge ist im Sin­ne des eins­ti­gen Rou­baix-Kö­nigs. Al­lein De­gen­kolbs Form lässt Zwei­fel auf­kom­men. We­gen ei­ner hef­ti­gen Bron­chi­tis hat­te der 28-Jäh­ri­ge jüngst bei der Vu­el­ta auf­ge­ben müs­sen. Den Form­rück­stand will De­gen­kolb auf­ho­len, da­für reist er so­gar erst zwei Tage vor dem Ren­nen nach Nor­we­gen. „Ich bin hoch mo­ti­viert“, ließ er wis­sen.

Lan­ges War­ten Seit Rudi Al­tigs Sieg 1966 war­tet Deutsch­land be­reits auf ei­nen Sieg im Eli­te-Stra­ßen­ren­nen. Die letz­ten bei­den Ma­le tri­um­phier­te der auch in die­sem Jahr als Fa­vo­rit star­ten­de Slo­wa­ke Pe­ter Sa­gan vom deut­schen Bo­ra-hans­gro­he-Team.

Los geht es ab Sonn­tag im ho­hen Nor­den aber zu­nächst mit den Mann­schafts­zeit­fah­ren. Im ver­gan- ge­nen Jahr hat­ten To­ny Mar­tin und Mar­cel Kit­tel mit dem Quick-Ste­pTeam noch Gold ge­holt. Mar­tin fährt in­zwi­schen für Ka­tu­sha und sieht sein Team nicht im en­ge­ren Fa­vo­ri­ten­kreis, wenn­gleich „der Traum da ist“. Kit­tel wur­de erst gar nicht von sei­nem Renn­stall no­mi­niert, ein gol­de­ner Ab­schied vor sei­nem Wech­sel zu Ka­tu­sha bleibt ihm da­mit ver­wehrt. Für Mar­tin ist BMC der gro­ße Fa­vo­rit, auch das Team Sky mit Top­star Chris Froo­me ge­hört zu den Sieg­kan­di­da­ten.

Nach dem Dou­ble aus Tour de Fran­ce und Vu­el­ta will Froo­me sei­ne über­ra­gen­de Sai­son ver­gol­den. Vor al­lem im Ein­zel­zeit­fah­ren am Mitt­woch ist er ne­ben Gi­ro-Cham­pi­on Tom Du­mou­lin (Nie­der­lan­de) der gro­ße Fa­vo­rit.

„Ich ge­he mit der Er­war­tung rein, dass ich um die Me­dail­len mit­kämp­fen will“, be­schreibt To­ny Mar­tin sei­ne Chan­cen in Ber­gen, der re­gen­reichs­ten Stadt in Eu­ro­pa.

Fo­to: dpa

John De­gen­kolb im deut­schen Na­tio­nal­tri­kot. Das Pro­blem des 28-Jäh­ri­gen: We­gen ei­ner hef­ti­gen Bron­chi­tis muss­te er zu­letzt bei der Vu­el­ta auf­ge­ben.

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