Nicht nur nach Recht und Ge­setz

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Neckar-Zaber-Rundschau - - MEINUNGEN - Von Bern­hard Jun­gin­ger

Bei Spio­na­ge ver­schwim­men die Gren­zen zwi­schen Freund und Feind. Heu­te mehr als frü­her. Aus­spä­hen un­ter Freun­den, das geht sehr wohl. Zu­min­dest tech­nisch ist das gar kein Pro­blem. Das In­ter­net hat den Ge­heim­diens­ten die­ser Welt un­ge­ahn­te Mög­lich­kei­ten der Da­ten­samm­lung ge­ge­ben. Wer wis­sen will, was in ei­ner frem­den Re­gie­rung so läuft, muss heu­te kei­ne Brie­fe mehr mit Dampf öf fnen oder ei­ne Ab­hör-Wan­ze im Bü­ro ver­ste­cken. Nach­rich­ten­diens­te zap­fen heu­te gleich die Kno­ten­punk­te des welt­um­span­nen­den, gren­zen- und schran­ken­lo­sen Da­ten­ver­kehrs an.

Ge­nau­so, wie man­cher ei­fer­süch­ti­ge Ehe­mann die E-Mails sei­ner Frau mit­liest oder heim­lich die Lis­te ih­rer Han­dy-Ge­sprächs­part­ner kon­trol­liert, ist auch un­ter po­li­ti­schen Ver­bün­de­ten die Schnüf­fe­lei weit ver­brei­tet. Tech­nisch ist es kein Pro­blem, recht­lich ist die Sa­che ein­fach: In je­dem Land der Welt ist die Spio­na­ge für frem­de Mäch­te ver­bo­ten. Wenn Deutsch­land sich an die Ge­set­ze in an­de­ren Län­dern hal­ten wür­de, dürf­te es gar kei­ne Aus­lands­auf­klä­rung be­trei­ben. Den BND dürf­te es dann gar nicht ge­ben.

Die Fra­ge, ob es sich um feind­li­che oder be­freun­de­te Staa­ten han­delt, ist heu­te zu­dem längst nicht mehr so klar zu be­ant­wor ten wie vor dem Fall des Ei­ser­nen Vor­hangs. Un­garn et­wa: Frü­her ein­deu­tig Feind, weil Mit­glied des War­schau­er Pak­tes. Jetzt EU-Part­ner, al­so Freund? Än­dert sich das, wenn die an­ti­de­mo­kra­ti­schen Ent­wick­lun­gen in Un­garns Re­gie­rung wei­ter zu­neh­men? Zu glau­ben, dass Ver­bün­de­te sich künf­tig nicht mehr aus­spio­nie­ren, wä­re mehr als na­iv.

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