Der Au­tor als Un­ter­hal­ter be­trach­tet

Hanns-Josef Or theil las bei Osi­an­der aus sei­nem Ro­man „Der Typ ist da“

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„Die Ge­schich­te hat ge­wis­ser­ma­ßen ei­nen Ka­rus­sell­cha­rak­ter.“ Hanns-Josef Ort­heil

NVon Michaela Adick atür­lich liebt ein Au­tor al­le sei­ne li­te­ra­ri­schen Ba­bys. Mal mehr mal we­ni­ger, ein je­des Werk auf sei­ne ei­ge­ne Art. Da macht auch Hanns-Josef Ort­heil, der auf sei­ner Le­se­rei­se bei Osi­an­der ei­nen Zwi­schen­stopp ein­ge­legt hat, kei­ne Aus­nah­me. „Die gro­ße Lie­be“liegt ihm et­wa im­mer noch am Her­zen, ei­ne klas­si­sche Lie­bes­ge­schich­te oh­ne läs­ti­ge Stö­run­gen und noch un­an­ge­neh­me­re Bre­chun­gen, die vor 14 Jah­ren er­schie­nen sind. Ein Ro­man für den er al­ler­lei An­fein­dun­gen er­hielt, von we­gen Kitsch­ver­dacht.

Den weist Hanns-Josef Ort­heil, der in Hil­des­heim krea­ti­ves Schrei­ben lehrt von der Hand. Mö­gen die an­ver wand­ten Ro­me­os und Ju­li­as we­gen der Fa­mi­li­en­feh­de nicht zum Zu­ge kom­men: Er für sein Teil kann auf Stö­run­gen und Klein­krie­ge ver­zich­ten, so wie er auch in „Der Typ ist da“, dem jüngs­ten Ro­man aus sei­ner Li­te­ra­tur­werk­statt, auf jeg­li­chen Fir­le­fanz ver­zich­ten möch­te.

Wie­der hat Hanns-Josef Ort­heil, die­ser bril­lan­te Vor­le­ser und läs­si­ge Zwi­schen­durch­er­zäh­ler, ei­ne Ver­suchs­an­ord­nung vor­ge­legt, ge­wis­ser­ma­ßen ei­ne zen­tra­le Fi­gu­ren­kon­stel­la­ti­on in der es ei­ne Köl­ner Frau­en-WG mit ei­nem ach so sen­si­blen, ach so net­ten Ein­dring­ling zu tun be­kommt, der in ih­ren fein ge­spon­ne­nen Ko­kon ein­bricht: Als die­ser jun­gen­haf­te, pe­ni­ble Re­stau­ra­tor Mat­teo, ei­ne ve­ne­zia­ni­sche Zu­falls­be­kannt­schaft, tat­säch­lich, oh Schreck, ein­fach so vor­bei­kommt. Nord und Süd, Hast und Sorg­falt: In die­ses Set­ting setzt Ort­auf heil sei­ne vier gleich­be­rech­tig­ten Prot­ago­nis­ten. Oder, um es mit Ort­heil zu sa­gen: An­ge­lehnt an Goe­thes „Wahl­ver wandt­schaf­ten“wer­den sich sei­ne Hel­den, von de­nen im­mer ei­ner pro Ka­pi­tel im Fo­kus ste­hen wird, ste­tig ver­än­dern. Ra­send schnell, so Ort­heil, und auf die Ge­fahr hin, dass die Le­bens­ent­wür­fe in­fra­ge ge­stellt wer­den müs­sen. „Die Ge­schich­te“, so der Au­tor, der wäh­rend der Le­sung im­mer im en­gen Kon­takt zum Pu­bli­kum bleibt, „hat ge­wis­ser­ma­ßen ei­nen Ka­rus­sell­cha­rak­ter.“Al­les klar? Doch noch wäh­rend der Zu­hö­rer die Me­ta­pher in Ein­klang mit dem Ge­hör­ten brin­gen will, ist Ort­heil, der sich, wie Hitch­cock, ei­nen Ca­me­oAuf­tritt in den Ro­man hin­ein­ge­schrie­ben hat, schon längst wei­ter. Ein paar rät­sel­haf­te Spu­ren möch­te er noch le­gen. Wes­halb Mat­teo sich mit dem Zei­chen­block be­waff­net in den Köl­ner Dom be­gibt? Ist es nur ei­ne Fin­te? Man weiß es nicht. Re­cher­chiert, merkt Ort­heil die ge­wis­se jo­via­le Wei­se an, die al­le Fra­gen of­fen lässt, ha­be er di­rekt in Ve­ne­dig: In der Kir­che San Se­bas­tia­no, wo er auf herr­li­che Fres­ken Pao­lo Ve­ro­ne­ses ge­sto­ßen sei. IN­FO Le­se­tipp Hanns-Josef Ort­heil: „Der Typ ist da“. Kie­pen­heu­er & Witsch, Köln. 305 Sei­ten, 20 Eu­ro.

Schrift­stel­ler und Wahl-Stutt­gar­ter: Hanns-Josef Ort­heil zu Gast in der Heil­bron­ner Buch­hand­lung Osi­an­der. Fo­to: Ralf Sei­del

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