Löch­rig

Die Män­gel in der deut­schen Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur sind of­fen­kun­dig.

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - VORDERSEITE - Von Mar­tin Fer­ber

Die Vor­wür­fe wie­gen schwer: Muss­ten zwölf un­schul­di­ge Men­schen, die zu­fäl­lig am Abend des 19. De­zem­ber den Weih­nachts­markt am Ber­li­ner Breit­scheid­platz be­such­ten, ster­ben, weil die Be­hör­den ver­sagt ha­ben? Der Vor­wurf steht schon seit län­ge­rem im Raum, nun hat mit Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas erst­mals ein Mit­glied der Bun­des­re­gie­rung Feh­ler der Si­cher­heits­be­hör­den im Um­gang mit dem At­ten­tä­ter ein­ge­räumt und ei­nen um­fas­sen­den Be­richt in Aus­sicht ge­stellt, in dem das Ver­hal­ten al­ler be­tei­lig­ten Be­hör­den und ih­re Ver­säum­nis­se of­fen­ge­legt wer­den sol­len. Das könn­te für ei­ni­ge Ver­ant­wort­li­che ziem­lich un­an­ge­nehm wer­den.

Im Prin­zip hät­te Am­ri, der be­reits in Tu­ne­si­en wie in Ita­li­en im Ge­fäng­nis saß, gar nicht nach Deutsch­land ein­rei­sen dür­fen, erst recht hät­te es nicht ge­sche­hen dür­fen, dass er sich 14 ver­schie­de­ne Iden­ti­tä­ten zu­le­gen, un­ge­hin­dert mehr­fach durch Deutsch­land rei­sen, die Auf­la­gen der Re­si­denz­pflicht ver­let­zen und bis zu­letzt frei agie­ren konn­te, ob­wohl sich so­gar das ge­mein­sa­me Ter­ror­ab­wehr­zen­trum sie­ben Mal mit ihm be­schäf­tig­te. Man hat­te ihn auf dem Schirm – al­ler­dings war die­ser Schirm löch­rig wie ein Sieb.

Die bis­he­ri­gen Maß­nah­men wie ein ei­ge­nes Ter­ror-Ab­wehr­zen­trum schei­nen im­mer noch nicht zu rei­chen, un­ver­än­dert ist die deut­sche Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur lü­cken­haft und feh­ler­an­fäl­lig, der Kom­pe­tenz­wirr­warr zwi­schen dem Bund und den Län­dern so­wie den Län­dern un­ter­ein­an­der be­steht fort.

Das al­les kann nicht oh­ne Fol­gen blei­ben. Auf der Grund­la­ge des von Maas an­ge­kün­dig­ten Be­richts geht es um wei­te­re Ver­bes­se­run­gen der Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur, de­ren Grund­struk­tu­ren im Kern aus den 50er Jah­ren stam­men. Die Vor­schlä­ge des zu­stän­di­gen In­nen­mi­nis­ters Tho­mas de Mai­ziè­re lie­gen auf dem Tisch, über sie soll­te vor­ur­teils­frei und oh­ne Vor­fest­le­gun­gen de­bat­tiert wer­den. Da­mit nicht nach je­dem furcht­ba­ren Er­eig­nis at­tes­tiert wer­den muss, dass die Be­hör­den ver­sagt ha­ben.

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