Mer­kel nennt Schäu­bles Til­gungs­plä­ne ver­nünf­tig

SPD be­harrt im Streit um den Über­schuss im Haus­halt auf Zu­satz-In­ves­ti­tio­nen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - POLITIK -

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel stützt Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (bei­de CDU) im Ko­ali­ti­ons­streit über die Ver­wen­dung des Mil­li­ar­den­über­schus­ses im Bun­des­haus­halt. Die Kanz­le­rin fin­de den Vor­schlag des Fi­nanz­mi­nis­ters „ver­nünf­tig“, das Geld zur Schul­den­til­gung ein­zu­set­zen, sag­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert am Frei­tag in Ber­lin. Es sei sinn­voll, in gu­ten Haus­halts­zei­ten Schul­den zu til­gen, die in schwie­ri­gen Zei­ten für Kon­junk­tur­pro­gram­me auf­ge­nom­men wor­den sei­en: „Das wird mit den Ko­ali­ti­ons­frak­tio­nen noch ab­schlie­ßend zu be­spre­chen sein.“

SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el lehnt es ab, den Über­schuss des Bun­des von 6,2 Mil­li­ar­den Eu­ro aus 2016 zum Schul­den­ab­bau zu nut­zen. Statt­des­sen soll­ten zu­sätz­li­che In­ves­ti­tio­nen et­wa in Schu­len und In­fra­struk­tur ge­tä­tigt wer­den. „Wir sind ein­deu­tig da­für: Vor­fahrt für In­ves­ti­tio­nen“, be­kräf­tig­te der Wirt­schafts­mi­nis­ter im Deutsch­land­funk: „Wenn wir dann die Schu­len in fünf Jah­ren erst sa­nie­ren oder viel­leicht noch spä­ter, ha­ben ers­tens die Schü­ler drun­ter zu lei­den, wahr­schein­lich ist es dann aber viel teu­rer, und die Zin­sen sind hö­her.“

Schäu­b­le lehn­te in der „Bild“-Zei­tung For­de­run­gen nach so­for­ti­gen Steu­er­sen­kun­gen ab. „Aus dem Über­schuss, der sich am En­de ei­nes Jah­res er­gibt, kön­nen Sie nicht dau­er­haf­te Steu­er­sen­kun­gen fi­nan­zie­ren. Das ist nicht se­ri­ös.“An­stel­le ei­nes Schnell­schus­ses sei viel­mehr ei­ne um­fas­sen­de Re­form nach 2017 nö­tig. Nord­rhein-West­fa­lens Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) äu­ßer­te schar­fe Kri­tik an den Äu­ße­run­gen Schäu­bles. Er sag­te der Heil­bron­ner Stim­me: „Steu­er­sen­kun­gen für Klein­ver­die­ner à la Schäu­b­le – das klingt gut, ist aber ei­ne Mo­gel­pa­ckung. In Wahr­heit will Schäu­b­le 15 Mil­li­ar­den mit der Gieß­kan­ne ver­tei­len. Das scha­det den Be­zie­hern klei­ner und mitt­le­rer Ein­kom­men am En­de dop­pelt: Die Ent­las­tung wirkt beim heu­ti­gen Steu­er­ta­rif viel stär­ker bei den Top­ver­die­nern. Zu­gleich fehlt die­ses Geld für In­ves­ti­tio­nen in Bil­dung, Si­cher­heit, Ver­kehr und Di­gi­ta­li­sie­rung. Das trifft am En­de be­son­ders die Ge­ring­ver­die­ner. Viel sinn­vol­ler wä­re ei­ne auf klei­ne und mitt­le­re Ein­kom­men be­grenz­te Ent­las­tung – ge­gen­fi­nan­ziert durch kon­se­quen­te Be­kämp­fung von Steu­er­be­trug und -um­ge­hung, da­mit In­ves­ti­tio­nen für die Zu­kunfts­fä­hig­keit un­se­rer Ge­sell­schaft be­zahl­bar blei­ben.“ Wal­ter-Bor­jans mahnt Schäu­b­le, Steu­er­hin­ter­zie­hung zu be­kämp­fen kon­se­quen­ter. „Wenn Wolf­gang Schäu­b­le be­ste­hen­de Steu­er­schlupf­lö­cher in un­se­rem Land kon­se­quen­ter schlie­ßen wür­de, könn­ten wir die be­nö­tig­ten Mil­li­ar­den oh­ne Pro­ble­me auf­brin­gen.“

So­li­zu­schlag Schäu­b­le hat­te der „Süd­deut­schen Zei­tung“ge­sagt, es sei „mög­lich und not­wen­dig“, die Steu­ern in der kom­men­den Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zu sen­ken. Dar­über hin­aus sol­le die Re­gie­rung be­gin­nen, den So­li­da­ri­täts­zu­schlag ab­zu­schaf­fen. Dies lehnt Chris­ti­an Gör­ke (Lin­ke), Fi­nanz­mi­nis­ter und Vize-Re­gie­rungs­chef des Lan­des Bran­den­burg ve­he­ment ab.

Der Heil­bron­ner Stim­me sag­te er: „Man soll­te nicht leicht­fer­tig auf die Ein­nah­men von rund 20 Mil­li­ar­den Eu­ro durch den So­li ver­zich­ten. Die­se Mit­tel wer­den dau­er­haft für den Aus­gleich von Struk­tur­schwä­chen in den un­ter­schied­li­chen Re­gio­nen der Bun­des­re­pu­blik be­nö­tigt, nicht nur in Ost­deutsch­land, son­dern auch in den west­li­chen Bun­des­län­dern.“

Fo­to: dpa

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Schäu­b­le sieht we­gen des Über­schus­ses im Bun­des­haus­halt 2016 kei­nen Grund für ak­tu­el­le Steu­er­er­leich­te­run­gen. Erst für die nächs­te Le­gis­la­tur­pe­ri­ode peilt er ei­ne grö­ße­re Steu­er­re­form an.

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