Asyl­po­li­tik bleibt drän­gends­tes Pro­blem

Laut Po­lit­ba­ro­me­ter ist die Mehr­heit der Deut­schen mit der Ar­beit von Kanz­le­rin und Re­gie­rung zu­frie­den – Skep­sis we­gen Trump

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - POLITIK -

Wie steht es um die po­li­ti­sche Stim­mung der Deut­schen? Wel­cher Po­li­ti­ker ist in ih­rer Gunst ge­stie­gen, wes­sen Be­liebt­heits­wer­te sind im Kel­ler? Seit 40 Jah­ren gibt dar­auf die For­schungs­grup­pe Wah­len mit ih­ren im Auf­trag des ZDF durch­ge­führ­ten Po­lit­ba­ro­me­ter-Um­fra­gen Ant­wor­ten. Die wich­tigs­ten Er­kennt­nis­se der Be­fra­gung im Ja­nu­ar:

Flücht­lin­ge: Das drän­gends­te Pro­blem der Bun­des­re­pu­blik bleibt für ei­ne Mehr­heit der Deut­schen der The­men­kom­plex Asyl, Zu­wan­de­rung und Aus­län­der, wie die neus­te Um­fra­ge der For­schungs­grup­pe Wah­len für das ZDF-Po­lit­ba­ro­me­ter er­gab. 59 Pro­zent ga­ben die­se The­ma­tik als die dring­lichs­te Auf­ga­be der Po­li­tik an – neun Pro­zent we­ni­ger als im Vor­jah­res­mit­tel. Weit ab­ge­schla­gen fol­gen die Ter­ror­ge­fahr (13 Pro­zent) so­wie die in­ne­re Si­cher­heit und die Be­kämp­fung von Kri­mi­na­li­tät (zwölf Pro­zent). Die Grund­stim­mung beim The­ma Flücht­lin­ge scheint sich, so die Er­geb­nis­se der Um­fra­ge, et­was zu sta­bi­li­sie­ren. 57 Pro­zent der Be­frag­ten sind der Mei­nung, Deutsch­land kann den Zustrom ver­kraf­ten. Vor ei­nem Jahr – nach den Er­eig­nis­sen der Sil­ves­ter­nacht – la­gen die Zu­stim­mungs­wer­te bei 37 Pro­zent.

Zuf­rie­den­heit mit Re­gie­rung und Kanz­le­rin: Al­les in al­lem zei­gen sich die Be­frag­ten so­wohl mit der Ar­beit der Bun­des­re­gie­rung (71 Pro­zent) als auch der Kanz­le­rin (74 Pro­zent) re­la­tiv zu­frie­den. Von der eher po­si­ti­ven Ge­samt­be­wer­tung wei­chen die Er­geb­nis­se bei der ge­son­der­ten Be­wer­tung der Flücht­lings­po­li­tik ab: Et­was mehr als die Hälf­te der Be­frag­ten äu­ßert sich hier „eher po­si­tiv“, 45 Pro­zent ga­ben ih­re Be­wer­tung mit „eher ne­ga­tiv“an. Be­son­ders ver­nich­tend fällt das Ur­teil bei An­hän­gern der AfD, bei FDP-Un­ter­stüt­zern so­wie Nicht­wäh­lern aus, die Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik mehr­heit­lich als „eher schlecht“ein­stu­fen.

In­ne­re Si­cher­heit: Die Ter­ror­ge­fahr und die Angst vor An­schlä­gen treibt vie­le Deut­sche um, nicht erst seit dem An­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt im De­zem- ber. Knapp mehr als die Hälf­te al­ler Deut­schen sieht in der Ter­ror­ab­wehr noch De­fi­zi­te und fühlt sich nicht ge­nug vor ter­ro­ris­tisch mo­ti­vier­ten An­schlä­gen ge­schützt, wie die Be­fra­gun­gen der For­schungs­grup­pe er­ga­ben. Wenn es um die Ab­schie­bung straf­fäl­lig ge­wor­de­ner Asyl­be­wer­ber geht, gibt es ein kla­res Vo­tum für ei­ne Ver­schär­fung der Rechts­la­ge. Zwei Drit­tel der Be­frag­ten for­dert ein här­te­res Durch­grei­fen, we­ni­ger als ein Drit­tel hält die der­zei­ti­gen ge­setz­li­chen Be­stim- mun­gen für aus­rei­chend. Auch der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU)spricht sich für ei­ne Ge­set­zes­ver­schär­fung aus: „Der Rechts­staat, der nach ei­nem lan­gen und gründ­li­chen Ver­fah­ren fest­ge­stellt hat, dass je­mand un­ser Land ver­las­sen muss, kann und darf sich nicht auf der Na­se her­um­tan­zen las­sen“, sag­te er un­se­rer Zei­tung. Auch im Um­gang mit so­ge­nann­ten Ge­fähr­dern spre­chen sich 88 Pro­zent der für das Po­lit­ba­ro­me­ter Be­frag­ten für schär­fe­re Be­stim- mun­gen aus und be­für­wor­ten ei­ne län­ge­re In­haf­tie­rung für ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber, die Kon­tak­te zu ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gun­gen ha­ben und de­ren Ab­schie­bung in ih­re Hei­mat­län­der nicht mög­lich ist.

Deutsch-Ame­ri­ka­ni­sche Be­zie­hun­gen: Im An­schluss an die Wahl Do­nald Trumps zum US-Prä­si­den­ten im No­vem­ber gin­gen noch 78 Pro­zent der Be­frag­ten da­von aus, der Re­pu­bli­ka­ner wer­de nach sei­nem Amts­an­tritt ge­mä­ßig­te­re Tö­ne an­schla­gen. We­ni­ge Ta­ge vor der Amts­ein­füh­rung glau­ben das nur noch 59 Pro­zent. Je­der drit­te Be­frag­te ist über­zeugt, dass Trump sei­ne ra­di­ka­len Po­si­tio­nen aus dem Wahl­kampf bei­be­hal­ten wird. Dem­ent­spre­chend pes­si­mis­tisch fällt die Pro­gno­se für die Zu­kunft der deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Be­zie­hun­gen aus: Mehr als die Hälf­te geht da­von aus, dass sie sich un­ter Trump ver­schlech­tern wer­den. 39 Pro­zent er­war­ten kei­ne gro­ßen Ve­rän­de­run­gen. Zwei Pro­zent glau­ben an ei­ne Ver­bes­se­rung. biz/mis

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.