Fi­at Chrys­ler schlägt zu­rück

Au­to­bau­er wehrt sich ge­gen Vor­wür­fe, Ab­gas­wer­te ma­ni­pu­liert zu ha­ben – Auch bei der EU er­höht man den Druck auf den Kon­zern

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - WIRTSCHAFT - Von An­net­te Reu­ther, dpa

Wenn es um den Erz­ri­va­len Volks­wa­gen geht, klopft Ser­gio Mar­chion­ne gern mar­ki­ge Sprü­che. Nun hat der Chef des ita­lie­ni­schame­ri­ka­ni­schen Au­to­kon­zerns Fi­at Chrys­ler (FCA) nach den Vor­wür­fen der Ab­gasma­ni­pu­la­ti­on ei­nen Ver­gleich mit Volks­wa­gen scharf zu­rück­ge­wie­sen. „Wer uns mit dem deut­schen Un­ter­neh­men ver­gleicht, hat et­was Il­le­ga­les ge­raucht“, sag­te Ser­gio Mar­chion­ne in ei­nem In­ter­view mit ita­lie­ni­schen Me­di­en. „Wir ha­ben kei­ner­lei Be­trug be­gan­gen.“Die Ge­schäfts­zie­le von FCA wür­den durch die An­schul­di­gun­gen nicht be­ein­flusst.

In den USA steht der Bran­chen­rie­se im Ver­dacht, bei rund 100 000 Die­sel­wa­gen die Emis­si­ons­wer­te von Stick­oxi­den ge­fälscht zu ha­ben. Das hat­te das US-Um­welt­amt EPA am Don­ners­tag mit­ge­teilt. Es geht um Soft­ware zur Ab­gas­kon­trol­le, die Fi­at Chrys­ler nicht of­fen­ge­legt und so ge­gen Um­welt­ge­set­ze ver­sto­ßen ha­be. Seit Mo­na­ten wür­de FCA mit der US-Um­welt­be­hör­de EPA im Kon­takt ste­hen, so Mar­chion­ne. „Un­se­re Emis­sio­nen sind ganz klar be­rich­tet wor­den.“Er sei sehr ver­är­gert über die An­schul­di­gun­gen.

Eu­ro­pa Den­noch er­höht auch die EU den Druck auf das Un­ter­neh­men und die ita­lie­ni­schen Be­hör­den, die seit lan­gem prü­fen sol­len, ob bei den Ab­gas­wer­ten ge­schum­melt wur­de. Denn Deutsch­land geht da­von aus, dass bei Fi­at ähn­lich wie bei VW un­zu­läs­si­ge Soft­ware zum Schö­nen von Ab­gas­wer­ten zum Ein­satz kam – der Her­stel­ler ver­neint das. Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) be­ruft sich da­ge­gen auf Un­ter­su­chun­gen des Kraft­fahrt-Bun­des­am­tes.

Ita­lie­ni­sche Be­hör­den se­hen hin­ge­gen kei­nen Grund für Be­an­stan­dun­gen, re­agier­ten am Frei­tag aber zu­nächst nicht auf ent­spre­chen­de An­fra­gen. Die EU-Kom­mis­si­on agiert auf Bit­te der Bun­des­re­gie­rung als Ver­mitt­ler zwi­schen Deutsch­land und Ita­li­en. „Wir ha­ben die ita­lie­ni­schen Be­hör­den wie­der­holt ge­be­ten, so bald wie mög­lich über­zeu­gen­de Ant­wor­ten zu ge­ben“, sag­te ei­ne Spre­che­rin der EUKom­mis­si­on am Frei­tag. Die­se sei­en bis­lang aus­ge­blie­ben. „Uns geht all­mäh­lich die Zeit aus, weil wir die Ge­sprä­che über die Kon­for­mi­tät von Fi­at bald be­en­den wol­len.“

Frag­lich ist, ob Fi­at mit der EPA genau­so wird um­sprin­gen kön­nen, wie der­zeit noch mit eu­ro­päi­schen Be­hör­den. Be­fürch­tun­gen auch deut­scher Po­li­ti­ker, die USA hät­ten mit dem Fall VW In­dus­trie­po­li­tik zu­guns­ten ei­ge­ner Kon­zer­ne be­trie­ben, dürf­ten mit Blick auf die Jee­pund Dodge-Die­sel aus dem Haus FCA als frag­lich gel­ten. Mar­chion­nes Hoff­nung liegt nun auf der Re­gie­rung des künf­ti­gen Prä­si­den­ten Do­nald Trump und dem neu­en EPAChef, der die Be­hör­de um­krem­peln will. Mit die­ser Ad­mi­nis­tra­ti­on wol­le man gern ko­ope­rie­ren, so Fi­at Chrys­ler. Ein Sei­ten­hieb auf das noch am­tie­ren­de Per­so­nal.

Fo­to: dpa

Ser­gio Mar­chion­ne, Chef von Fi­at Chrys­ler, wird gern deut­lich.

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