Der ewi­ge Ver­gleich

Die vie­len Fra­gen nach Dau­er­sie­ger Mar­tin Four­ca­de ner­ven Si­mon Sch­empp in Ruh­pol­ding – Fünf­ter im Sprint

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - SPORT -

Zeit bleibt zum Durch­at­men. Der Rum­mel ge­hört zu den Welt­cups in Deutsch­land da­zu. Die Ter­mi­ne sind eng ge­tak­tet. „Wir ha­ben we­ni­ger Re­ge­ne­ra­ti­ons­zeit als an­de­re Na­tio­nen“, sagt Sch­empp. An die­sem Sams­tag will er auch mal die Bei­ne hoch­le­gen. Nach der Staf­fel ist der Schwa­be, der seit 2008 in Ruh­pol­ding wohnt, erst um halb Zehn am Abend nach Hau­se ge­kom­men – der Nach­teil des Heim­vor­teils. Da­für ver­sucht er, es nach den Wo­che­n­en­den mal ei­nen Tag ru­hi­ger an­zu­ge­hen. „Oft ist da­für die Couch der bes­te Platz“, sagt Si­mon Sch­empp. Oder Ablen­kung. Jetzt, wo auch Freun­din Fran­zis­ka Preuß ih­ren läs­ti­gen In­fekt end­lich los ist, müs­sen sie sich nicht mehr aus dem Weg ge­hen.

Die Ge­sund­heit. Im­mer wie­der ein The­ma. „Das ist mein Schwach­punkt“, sagt Si­mon Sch­empp, „es gibt si­cher Ro­bus­te­re als ich“. Mal ein In­fekt – wie die Wo­chen vor dem Sai­son­start in Ös­ter­sund oder ver­gan­ge­ne Sai­son, wo er gleich meh­re­re Ren­nen aus­las­sen muss. Mal das Epstein-Barr-Vi­rus, das sei­nen Kör- per schwächt und zu ei­nem For­mein­bruch führt. Und das, ob­wohl der Zwei­te im Ge­samt­welt­cup stets ver­sucht, sich best­mög­lich vor Ba­zil­len zu schüt­zen: Nach den Ren­nen schnell um­zie­hen. Du­schen und warm ein­pa­cken, da­zu vit­amin­rei­che Er­näh­rung. Mehr Pro­fes­sio­na­li­tät geht nicht, fin­det Sch­empp.

Ähn­li­ches gilt für die Ein­hei­ten. „Si­mon ist bei uns be­kannt als Trai­nings­viech. Der hat ei­ne Ge­schwin­dig­keit drauf, Wahn­sinn“, sagt Micha­el Wil­leit­ner, (38.), der mit dem Vi­ze­welt­meis­ter in der Staf­fel am Stütz­punkt Ruh­pol­ding un­zäh­li­ge Run­den dreht. „Das ist schon auf ei­nem ex­trem ho­hen Ni­veau, da gibt es nicht viel aus­zu­set­zen“, meint auch Bun­des­trai­ner Mark Kirch­ner.

Das Wis­sen um die kon­zen­trier­te Ar­beit in den Som­mer­mo­na­ten – dort hat Sch­empp zwar nicht den Trai­nings­stil ver­än­dert, ver­sucht aber beim Um­fang noch ei­ne Schip­pe drauf­zu­le­gen – macht stark. Auch im Kopf, wie der Po­dest­platz in No­ve Mes­to und zu­letzt der Sieg im Mas­sen­start von Ober­hof be­le­gen.

Dort schlägt Si­mon Sch­empp auch Mar­tin Four­ca­de. Den Fran­zo­sen, den er im Ju­ni in sei­ner Hei­mat Vil­lard de Lens be­sucht, vier Ta­ge mit ihm trai­niert, weil sie vor und nach den Wett­kämp­fen „su­per mit­ein­an­der aus­kom­men“. Er er­hält ei­nen klei­nen Ein­bli­cke in den All­tag des Bi­ath­lon­stars, der in neun der zwölf Sai­son­ren­nen der Bes­te ist, vier der fünf Sprints ge­winnt. „Wir sind mal Päs­se hoch und run­ter ge­lau­fen, und ich weiß nicht, wie vie­le Leu­te uns un­ter­wegs zu­ge­ru­fen ha­ben“, er­zählt Si­mon Sch­empp. Ges- tern ru­fen die Fans sei­nen Na­men. Dem dau­er­ju­beln­den Fran­zo­sen zol­len sie bei der Sie­ger­eh­rung eben­falls viel Ap­plaus.

Kei­ne Strich­lis­te Stän­dig wird er nach Four­ca­de, der un­strit­ti­gen Num­mer eins, ge­fragt. Ewi­ge Ver­glei­che. Das nervt Sch­empp all­mäh­lich. Nein, er führt kei­ne Strich­lis­te, wie häu­fig er den 28-Jäh­ri­gen schlägt. Gut: „Ei­nen Bes­se­ren gab’s ein­fach noch nie und Mar­tin hat wirk­lich sei­ne bis­her bes­te Sai­son, er ist noch­mal ein Stück bes­ser ge­wor­den“, meint Sch­empp, aber auch er sei ein­fach nur ein Mensch.

Der Kom­plet­tes­te, der Kon­stan­tes­te. Und doch gibt es noch mehr Kon­kur­ren­ten im Welt­cup. Es ist auch nicht so, dass al­le nur ge­gen den Olym­pia­sie­ger lau­fen. Es ist schön, ihn zu schla­gen. „Doch das ist ge­gen Emil Heg­le Svend­sen oder An­ton Schi­p­u­lin ge­nau das Glei­che“, sagt Si­mon Sch­empp. Am Frei­tag läuft er nur ge­gen die Uhr. An­ge­trie­ben von den Fans. Sch­empps El­tern sind da, auch Be­kann­te. Nur: Bei dem Rum­mel sieht er sie nicht.

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