Erst eh­ren­amt­lich, dann be­ruf­lich

Fran­zis­ka Schmidt ist Flücht­lings- und In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te bei der Ge­mein­de

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - SCHOZACH- UND BOTTWARTAL -

ie sich Eh­ren­amt­li­che füh­len, die mit Flücht­lin­gen ar­bei­ten, mit wel­chen Schwie­rig­kei­ten sie kämp­fen, das weiß Fran­zis­ka Schmidt ziem­lich ge­nau. Die 28-Jäh­ri­ge ist Flücht­lings- und In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Ge­mein­de Ab­statt. Be­vor sie am 1. Sep­tem­ber die Stel­le an­trat, die seit Mai 2016 von Lin­da Fi­scher be­setzt war, en­ga­gier­te sich Fran­zis­ka Schmidt be­reits eh­ren­amt­lich im Ar­beits­kreis Asyl Ab­statt. Ih­re Er­fah­rung: „Man be­kommt ei­nen an­de­ren Blick auf das The­ma, wenn man den ein­zel­nen Men­schen sieht und sich mit ihm un­ter­hält.“Die­sen Blick ver­sucht sie sich auch als Ko­or­di­na­to­rin, jetzt auf der Sei­te der Ge­mein­de, zu be­wah­ren.

Auf­grund der Grö­ße der Ge­mein­schafts­un­ter­kunft, ei­ner ehe­ma­li­gen In­dus­trie­hal­le, hat die Ge­mein­de beim Mi­nis­te­ri­um für So­zia­les und In­te­gra­ti­on ei­nen An­trag für die Stel­le ei­ner Flücht­lings- und In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten ge­stellt. Das Land för­dert die­se Stel­len. „Es ist nicht selbst­ver­ständ­lich, dass ei­ne klei­ne Ge­mein­de wie Ab­statt ei­ne In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te hat“, sagt Bür­ger­meis­ter Klaus Zenth. Ab­statt ar­gu­men­tier­te mit der im Ver­gleich zu an­de­ren Kom­mu­nen ho­hen Quo­te von Flücht­lin­gen im Ver­hält­nis zu Ein­woh­nern. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es Span­nun­gen in­ner­halb der Bür­ger­schaft. „Der Orts­frie­den war ge­fähr­det“, spielt Zenth auf ei­ne Pha­se an, in der es Pro­test­be­kun­dun­gen gab. „Die Si­tua­ti­on hat sich be­frie­det“, sagt Zenth, „die Ab­stat­ter ha­ben sich mitt­ler­wei­le an die Flücht­lin­ge ge­wöhnt“.

Bei­trag Der Ge­mein­de­chef be­tont den gro­ßen Bei­trag der Eh­ren­amt­li­chen vor Ort. Sie hät­ten da­bei ge­hol­fen, die Angst vor dem Un­be­kann­ten zu neh­men. Als der Land­kreis drin­gend Wohn­raum brauch­te, war die von ihm ge­mie­te­te Un­ter­kunft in der See­stra­ße zeit­wei­se mit 160 Per­so­nen be­legt. „Glück­li­cher­wei­se sind es we­ni­ger ge­wor­den, hat sich die La­ge ent­spannt“, sagt Fran­zis­ka Schmidt. Der­zeit le­ben 80 Men- schen in der Hal­le – und auch das be­deu­tet Woh­nen auf engs­tem Raum.

Fran­zis­ka Schmidt ist Mit­glied der Ab­stat­ter Ver­wal­tung, sie hat ei­ne 50-Pro­zent-Stel­le, und viel was sie tut, hat mit Kom­mu­ni­ka­ti­on zu tun. Die 28-Jäh­ri­ge ist Bin­de­glied zwi­schen Ar­beits­kreis und Ge­mein­de, zwi­schen Land­rats­amt und Ar­beits­kreis und An­sprech­part­ne­rin für die Spre­cher aus der Ge­mein­schafts­un­ter­kunft. Seit 2014 lebt Fran­zis­ka Schmidt in Ab­statt, sie kommt aus Nord­rhein-West­fa­len, stu­dier­te Ger­ma­nis­tik in Mar­burg und Bonn. Ein Aus­lands­auf­ent­halt ge­hört zu ih­rem be­ruf­li­chen Port­fo­lio wie Öf­fent­lich­keits­ar­beit bei ei­ner kul­tu­rel­len Ein­rich­tung.

„Viel­sei­tig“, sagt Fran­zis­ka Schmidt, sei ih­re Ar­beit, da­zu tra­gen vie­le ver­schie­de­ne Ak­teu­re bei, Eh­ren­amt­li­che und Ge­flüch­te­te, Sach­be­ar­bei­ter in Be­hör­den. Vie­le der Flücht­lin­ge, mit de­nen sie zu tun hat, be­fin­den sich in schwie­ri­gen Ge­fühls­la­gen. Die meis­ten stam­men aus Sy­ri­en, an­de­re kom­men aus Irak und Iran. Es gab auch ei­ne Pha­se, in der Af­gha­nen da wa­ren. Vie­le Flücht­lin­ge le­ben schon über ein Jahr in der Hal­le. Sie war­ten, war­ten, war­ten. Auf die Ent­schei­dung, ob sie blei­ben kön­nen und an­er­kannt wer­den. An­de­re, de­nen für ein Jahr der sub­si­diä­re Schutz ge­währt wird, sind ent­täuscht. Ge­ra­de mit die­sem Un­ab­än­der­li­chen um­ge­hen zu müs­sen, das kann Eh­ren­amt­li­chen zu schaf­fen ma­chen. Sie sto­ßen an Gren­zen, und die neu­en Auf­ga­ben in der In­te­gra­ti- Der Ar­beits­kreis Asyl Ab­statt hat sich im Jahr 2015 ge­grün­det und möch­te Ge­flüch­te­te dar­in un­ter­stüt­zen, ih­nen Teil­ha­be in der Ge­sell­schaft zu er­mög­li­chen. Der Ar­beits­kreis prä­sen­tiert sich mit ei­ner pro­fes­sio­nel­len Home­page: www.ab­statt-hilft.de. Dort sind al­le Ar­beits­grup­pen ge­lis­tet: von Be­geg­nungs­ca­fé, über Sprech­stun­den in der Ge­mein­schafts­un­ter­kunft bis zu Be­hör­den­gän­ge. Das Maß des En­ga­ge­ments be­stim­men die Men­schen selbst. Auf der Web­site gibt es für Flücht­lin­ge eben­falls vie­le nütz­li­che In­for­ma­tio­nen: von Arzt bis Apo­the­ke und sons­ti­gen An­ge­bo­ten. In ei­ner Ru­brik er­fah­ren In­ter­es­sier­te, wie sie den Ar­beits­kreis un­ter­stüt­zen kön­nen und wel­che Ter­mi­ne ge­plant sind. Die For­men der eh­ren­amt­li­chen Un­ter­stüt­zung ha­ben sich seit der An­kunft der Men­schen hier ver­än­dert. ons­ar­beit, um die es jetzt geht, sind schwie­ri­ger ge­wor­den. Et­wa, wenn es dar­um geht, Woh­nun­gen zu su­chen und da­für vie­le Te­le­fo­na­te zu füh­ren. „Das kann frus­trie­rend und zeit­auf­wän­dig sein“, sagt Schmidt.

Be­darf Am En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res ha­ben der Ar­beits­kreis Asyl, die So­zi­al­ar­bei­ter des Land­rats­am­tes und wei­te­re Be­hör­den­ver­tre­ter ge­zielt den Ist-Zu­stand der ab­sol­vier­ten Deutsch-Kur­se un­ter den Flücht­lin­gen er­ho­ben. Et­was, das Von un­se­rer Re­dak­teu­rin An­ge­la Groß „Die Si­tua­ti­on hat sich be­frie­det.“ Klaus Zenth die Ko­or­di­na­to­rin als wich­ti­gen Schritt be­wer­tet. Be­son­ders freut sie sich, wenn sich Er­fol­ge ein­stel­len. „Wenn Schwung in die Sa­che kommt, Ide­en ent­ste­hen.“Wenn Ge­schich­ten gut aus­ge­hen. So wie die des jun­gen Man­nes, der Deutsch ge­lernt hat und jetzt stu­diert. Wö­chent­lich tauscht sich Fran­zis­ka Schmidt mit ih­ren Kol­le­gen in der Ver­wal­tung in Ab­statt aus, re­gel­mä­ßig tagt auch der Len­kungs­grup­pe des Ar­beits­krei­ses im Rat­haus. Dort sind auch die Spre­cher aus der Ge­mein­schaft­un­ter­kunft Mit­glie­der: Frü­her un­ter­hielt sich die Run­de auf Eng­lisch, mitt­ler­wei­le ist die Amts­spra­che Deutsch.

Fo­to: An­ge­la Groß

Be­vor Fran­zis­ka Schmidt sich auf die Stel­le der Flücht­lings­be­auf­trag­ten be­wor­ben hat, hat­te sie viel­fäl­ti­ge Kon­tak­te: zu Ge­flüch­te­ten und Eh­ren­amt­li­chen. Das kommt ihr nun bei ih­rer Ar­beit zu­gu­te.

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