War­nung vor Ein­fluss der Tür­kei

Öz­de­mir: An Schu­len darf es kei­ne Men­ta­li­tät der Ge­sin­nungs­schnüf­fe­lei ge­ben

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - VORDERSEITE - Von un­se­ren Re­dak­teu­ren Micha­el Schwarz und Jens Die­rolf

Die mut­maß­li­chen Ver­su­che der Ein­fluss­nah­me auf den schu­li­schen Un­ter­richt in Deutsch­land sei­tens der Tür­kei ha­ben schar­fe Kri­tik her­vor­ge­ru­fen. Grü­nen-Bun­des­chef Cem Öz­de­mir sag­te in Rich­tung der tür­ki­schen Re­gie­rung: „Ei­ne Ein­fluss­nah­me der Tür­kei auf den schu­li­schen Un­ter­richt in Deutsch­land ist nicht ak­zep­ta­bel.“Öz­de­mir sprach von schwer­wie­gen­den Vor­wür­fen, de­nen rasch nach­ge­gan­gen wer­den müs­se. „Wir wol­len kei­ne Men­ta­li­tät der Ge­sin­nungs­schnüf­fe­lei an un­se­ren Schu­len“, sag­te Öz­de­mir un­se­rer Zei­tung. Es kön­ne nicht an­ge­hen, dass Kon­su­la­te El­tern da­zu auf­for­dern wür­den, Leh­rer zu de­nun­zie­ren, die Kri­tik an Prä­si­dent Er­do­gan oder der tür­ki­schen Re­gie­rung üben.

Sü­ley­man Ates. ein­fluss­rei­cher Funk­tio­när der Bil­dungs­ge­werk­schaft GEW, hat­te wie be­rich­tet vor ei­ner po­li­ti­schen Ein­fluss­nah­me sei­tens der Tür­kei ge­warnt. Tür­ki­sche Kon­su­la­te or­ga­ni­sier­ten dem­nach Ver­an­stal­tun­gen für tür­ki­sche Leh­rer- und El­tern­ver­ei­ne mit dem kla­ren Ziel, Kri­tik im Un­ter­richt an der Tür­kei und an Prä­si­dent Er­do­gan zu ver­hin­dern. Die Is­lamex­per­tin Su­san­ne Schrö­ter, Lei­te­rin des Frank­fur­ter For­schungs­zen­trums Glo­ba- ler Is­lam (FFGI), hält die Vor­wür­fe für „ab­so­lut plau­si­bel“. „Das wä­re für mich kei­ne Über­ra­schung. Die gro­ße Säu­be­rungs­kam­pa­gne von Er­do­gan hört ja nicht an der Gren­ze der Tür­kei auf“, sag­te Schrö­ter un­se­rer Zei­tung. Bei kon­kre­tem Spio­na­ge­ver­dacht, wie ak­tu­ell ge­gen meh­re­re Ima­me, ge­be es die Mög­lich­keit, po­li­zei­lich vor­zu­ge­hen. „Wenn El­tern in Kon­su­la­te ein­ge­la­den wer­den und dort Druck auf sie aus­ge­übt wird, sind dem Staat da­ge­gen die Hän­de ge­bun­den“, sagt sie. Lan­ge Zeit sei der deut­sche Staat blau­äu­gig ge­we­sen, was die Ein­fluss­nah­me An­ka­ras auf hier le­ben­de Tür­ken an­geht.

Un­ter­su­chung Nach An­ga­ben von Ates ha­be es in den tür­ki­schen Kon­su­la­ten in Es­sen und Düsseldorf ent­spre­chen­de Ver­an­stal­tun­gen ge­ge­ben. Ei­ne Spre­che­rin des Schul­mi­nis­te­ri­ums in Nord­rhein-West­fa­len er­klär­te un­se­rer Zei­tung, man ge­he den Vor­wür­fen nach. Be­le­ge für Ver­su­che der Ein­fluss­nah­me tür­ki­scher Kon­su­la­te in Ba­den-Würt­tem­berg ge­be es nicht, sag­te Ates. Auch CDU-Bun­des­vi­ze und Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl warn­te vor ei­ner Ein­fluss­nah­me der Tür­kei auf die deut­schen Schu­len. „Wer in Deutsch­land lebt, muss auf dem Bo­den un­se­res Grund­ge­set­zes ste­hen. Er muss un­se­re Wer­te tei­len und sich mit den Gr­und­fes­ten un­se­res Ge­mein­we­sens iden­ti­fi­zie­ren. Es geht nicht an, dass die Tür­kei oder ir­gend­ein an­de­rer Staat ver­sucht, Kon­flik­te über hier an­säs­si­ge Ein­rich­tun­gen bei uns aus­zu­tra­gen.“Öz­de­mir sag­te: „Wenn es nach dem Wil­len von Er­do­gan gin­ge, müss­ten wir hier ver­mut­lich auch bald noch un­se­re Ge­schichts­bü­cher um­schrei­ben.“

„Das wä­re für mich kei­ne Über­ra­schung.“S. Schrö­ter, Is­lamex­per­tin

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