Flie­gen­de Pa­pier­tü­ten über be­grün­ten Dä­chern

Künst­ler­paar Da­da und Thitz stellt im Was­ser­schloss aus

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - KULTUR REGIONAL - Von Mar­ti­na Kit­zing-Bretz

Vor­hang auf für die Künst­le­rin Da­da Kat­ha­ri­na Trost und ih­re thea­tra­li­sche Kunst der Per­for­mance, de­ren Re­qui­si­ten sie zu büh­nen­ar­ti­gen In­stal­la­tio­nen ar­ran­giert. Büh­ne frei für den Künst­ler Thitz Mat­thi­as Sche­mel, der sei­ne Uto­pi­en grü­ner Stadt­land­schaf­ten auf Ein­kaufs­tü­ten mit Hen­keln aus Pa­pier malt.

Die Ar­bei­ten des Künst­ler-Ehe­paars er­gän­zen sich in den Räu­men des Was­ser­schlos­ses zu ei­ner fröh­lich-bun­ten Aus­stel­lung. Hier kün­den selbst­ge­schnei­der­te, fan­ta­sie­vol­le Ko­s­tü­me von den Kunst­ak­tio­nen, mit de­nen Da­da die Welt­büh­nen be­spielt. Die Ku­lis­sen da­für bil­den Städ­te wie Berlin, Kra­kau oder New York, aber auch dra­ma­ti­sche Na­tur­land­schaf­ten auf Is­land und der strahlend wei­ße Sand­strand Cle­ar­wa­ter Beach in Flo­ri­da. Es geht der Künst­le­rin um ei­ne Ak­ti­vie­rung der Sin­ne, und so ge­stal­tet die ge­lern­te Mo­de­de­si­gne­rin Ge­wän­der mit aus­ge­schnit­te­nen Mün­dern, Au­gen, Na­sen und Oh­ren.

Glet­scher­la­gu­ne Sie lässt ma­gi­sche Or­te wie die is­län­di­sche Glet­scher­la­gu­ne Jökul­sár­lón auf sich wir­ken und taucht de­mons­tra­tiv ei­ne Fah­ne mit Lö­chern aus Sin­nen­mo­ti­ven in das eis­kal­te Was­ser.

Sie ver­steht ih­re Per­for­man­ces als „Ge­gen­be­we­gung zum Me­dia­len“und for­dert in ih­rer kör­per­be­zo­ge­nen Ak­ti­ons­kunst da­zu auf, „auf den Bauch zu hö­ren und ihn spre­chen zu las­sen“oder „mit dem Her­zen zu se­hen“. Als le­ben­de Skulp­tur in ei­nem Kleid mit feh­len­den oder auf­ge­näh­ten Sin­nen tritt die 1967 ge­bo­re­ne Per­for­mance-Künst­le­rin, die in Stutt­gart bei Ulay stu­dier­te, an den Ufern der Sei­ne in Pa­ris oder am Ber­li­ner Land­wehr­ka­nal auf und lässt mit herz­för­mi­gen Ob­jek­ten Sym­bo­le der Hoff­nung schwim­men. Aus­stel­lungs­ku­ra­tor Micha­el Stei- ner hat das Duo be­reits 2005 im Kunst­ver­ein Schloss Gon­dels­heim ge­zeigt. Schon da­mals hat­te Thitz sei­ne cha­rak­te­ris­ti­sche Tü­ten­kunst ent­wi­ckelt, mit der er sich Zu­gang zur Samm­lung Würth oder Frie­der Bur­da ver­schafft hat. Sei­ne ge­mal­ten Städ­te er­in­nern we­der an das Ac­tion Pain­ting sei­nes Leh­rers Son­der­borg an der Aka­de­mie Stutt­gart noch an die geo­me­tri­sche Ma­le­rei von Pi­juan, der ihn in Barcelona un­ter­rich­te­te. Viel­mehr sind die mit Acryl auf Lein­wand und Pa­pier­tü­ten fest­ge­hal­te­nen Groß­stadt­sze­nen von Graf­fi­ti und Street Art ge­prägt.

In sei­ner Fan­ta­sie malt sich der Künst­ler Städ­te wie New York, Berlin, Istan­bul oder Hamburg mit be­grün­ten Hoch­häu­sern und Was­ser­stra­ßen aus. Glück­li­che, von Schwe­re­lo­sig­keit ge­präg­te Men­schen be­völ­kern sie, wäh­rend sie von flie­gen­den Tü­ten um­ge­ben sind. Kom­merz ist in sei­ner Welt ge­gen Leich­tig­keit des Le­bens aus­ge­tauscht.

IN­FO Aus­stel­lungs­dau­er Bis 26. Fe­bru­ar sonn­tags 13 bis 18 Uhr.

Fo­to: Kit­zing-Bretz

Thitz’ „In My Mind, In Your Mind – Uto­pi­an Ci­vi­liza­t­i­on Lo­ca­ted In NYC“(2016, De­tail): Kunst und Le­ben sind in den puz­zle­haf­ten Bil­dern ver­eint.

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