Die­sel-Chef klagt ge­gen Au­di

Be­ur­laub­ter Ent­wick­ler er­hebt Vor­wür­fe ge­gen Stad­ler

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - VORDERSEITE - Von un­se­rem Re­dak­teur Man­fred Stock­bur­ger

Vor dem Heil­bron­ner Ar­beits­ge­richt klagt der seit No­vem­ber 2015 be­ur­laub­te Chef der Neckar­sul­mer Die­sel-Ent­wick­lungs­ab­tei­lung ge­gen Au­di: Er möch­te an sei­nen Ar­beits­platz zu­rück. kom­men­de Wo­che wol­len sei­ne An­wäl­te die schwe­ren Vor­wür­fe un­ter­mau­ern, die der Be­ur­laub­te bei ei­nem Ter­min vor dem Stutt­gar­ter Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­gen Au­di-Vor­stands­chef Ru­pert Stad­ler er­hob: Spä­tes­tens seit No­vem­ber 2012, al­so drei Jah­re, be­vor die US-Be­hör­den den Skan­dal öf­fent­lich mach­ten, ha­be Stad­ler ge­wusst, dass der DreiLi­ter-Mo­tor die ame­ri­ka­ni­schen Ab­gas­nor­men nicht ein­hal­te. Laut „Han­dels­blatt“ha­be der Klä­ger Do­ku­men­te vor­ge­legt, wo­nach er dar­auf ge­drängt ha­be, die Mo­tor­steue­rung zu ver­än­dern. Die Eil­be­dürf­tig­keit ha­ben die Stutt­gar­ter Rich­ter in zwei­ter In­stanz ver­neint, über die Sa­che wird im Haupt­ver­fah­ren ver­han­delt.

Kaum hat­te sich Au­di bei den Die­sel­ga­te-Ju­ris­te­rei­en in den

USA mit ei­ner Mil­li­ar­den­zah­lung und ei­nem blau­en Au­ge aus der Af­fä­re ge­zo­gen, gibt es neu­en ju­ris­ti­schen Är­ger in der Die­sel­af­fä­re. Hier vor Ort: Der su­s­pen­dier­te Lei­ter der Neckar­sul­mer Die­sel­mo­to­ren­ent­wick­lung ver­sucht, auf dem Um­weg über das Ar­beits­ge­richt auf sei­nen Chef­ses­sel zu­rück­zu­keh­ren.

Er möch­te mit sei­ner Kla­ge be­wei­sen, dass er ein „Bau­ern­op­fer“ge­we­sen sei, wie sein An­walt Han­sGe­org Kauf­feld es for­mu­lier­te, und dass Vor­stands­chef Ru­pert Stad­ler viel frü­her über die Die­sel-Schum­me­lei­en Be­scheid wuss­te. Mehr­fach ha­be sein Man­dant ver­geb­lich dar­auf ge­drängt, die vom Kon­zern mitt­ler­wei­le ein­ge­stan­de­ne il­le­ga­le De­cke­lung der Harn­stof­f­e­in­sprit- zung zu stop­pen. Das soll aus Do­ku­men­ten her­vor­ge­hen, die er dem Ge­richt vor­ge­legt hat.

Wie kon­kret die Vor­wür­fe ge­gen Stad­ler sind, macht ein Bei­spiel deut­lich: Als Vor­sit­zen­der des Steue­rungs­krei­ses ha­be Ru­pert Stad­ler spä­tes­tens am 27. No­vem­ber 2012 im Bild ge­we­sen sein müs­sen, dass die Fahr­zeu­ge „nicht mehr den mit den Be­hör­den aus­ge­han­del­ten Zu­las­sungs­be­din­gun­gen ent­spre­chen“. Das soll aus ei­nem Do­ku­ment her­vor­ge­hen, aus dem der An­walt des Be­ur­laub­ten nach über­ein­stim­men­den Be­rich­ten des „Han­dels­blatts“und der „Stutt­gar­ter Zei­tung“bei ei­ner Ver­hand­lung vor dem Stutt­gar­ter Lan­des­ar­beits­ge­richt zi­tier­te.

De­tails Ins­ge­samt fünf Ak­ten­ord­ner mit bri­san­ten Do­ku­men­ten lie­gen dem An­walt Hans-Ge­org Kauf­feld vor, der ge­gen­über der Heil­bron­ner Stim­me auf den nächs­ten Ge­richts­ter­min kom­men­den Di­ens­tag ver­wies, bei dem er wei­te­re De­tails aus den Ak­ten aus­führ­lich dar­le­gen wer­de. An­ders als beim Stutt­gar­ter Lan­des­ar­beits­ge­richt, das wie schon die ers­te In­stanz die Eil­be­dürf­tig­keit ei­ner Ent­schei­dung ver­nein­te und die Be­ru­fung des Die­sel-In­ge­nieurs ab­lehn­te, geht es da­bei um die Sa­che: Muss Au­di den Be­ur­laub­ten wie­der an sei­nen Schreib­tisch las­sen?

Zu klei­ner Tank Laut „Han­dels­blatt“be­tont Kauf­feld zu­dem, dass bei Au­di „in­tern im­mer Trans­pa­renz“ge­herrscht ha­be über die Soft­ware zur il­le­ga­len Re­du­zie­rung des Harn­stoff­ge­mischs. Die­se Darstel­lung deckt sich dem der Kla­ge­schrift des US-Bun­des­staats New York. Dort steht, dass sich Mar­tin Win­ter­korn als da­ma­li­ger Au­diChef und sein Nach­fol­ger im Pos­ten des VW-Vor­stands­vor­sit­zen­den, Mat­thi­as Mül­ler, in sei­ner da­ma­li­gen Funk­ti­on bei Au­di be­reits im Ju­li 2006 mit der feh­len­den Ka­pa­zi­tät des Harn­stoff­tanks be­fasst hät­ten.

In dem im Ja­nu­ar un­ter­zeich­ne­ten Schuld­an­er­kennt­nis des VWKon­zerns („State­ment of Facts“) ge­gen­über den US-Be­hör­den heißt es, dass durch die Ver­rin­ge­rung der Harn­stoff-Men­ge ei­ne Ver­klei­ne­rung des Kof­fer­raums ver­mie­den wor­den sei, die den Ver­trieb der Fahr­zeu­ge mit dem gro­ßen Die­sel­mo­tor in den USA er­schwert hät­te.

Tat­sa­che ist auch, dass der Klä­ger sei­ne Po­si­ti­on bei Au­di erst im Früh­jahr 2012 an­trat, als die von den US-Be­hör­den be­an­stan­de­ten Mo­to­ren be­reits fer­tig ent­wi­ckelt wa­ren: Sie wur­den ab dem Mo­dell­jahr 2013 ein­ge­setzt.

Bei Au­di gibt man sich an­ge­sichts der neu­en Vor­wür­fe des Chef­in­ge­nieurs un­be­ein­druckt. „Die Kanz­lei Jo­nes Day hat sich in um­fas­sen­den In­ter­views und Un­ter­su­chun­gen mit die­sem The­ma be­schäf­tigt“, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me des Un­ter­neh­mens. Da­bei sei kein Stein auf dem an­de­ren ge­blie­ben. „Das ver­öf­fent­lich­te State­ment of Facts gibt die ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se und Fak­ten über die Ent­ste­hung und Ent­wick­lung der Die­sel­ver­feh­lun­gen wie­der.“Dar­über hin­aus kön­ne man kei­ne An­ga­ben ma­chen.

Das Heil­bron­ner Ar­beits­ge­richt hat ges­tern die Ver­hand­lung am Di­ens­tag vor­sichts­hal­ber in ei­nen grö­ße­ren Saal ver­legt, weil die Rich­ter mit ei­nem gro­ßen In­ter­es­se an dem Fall rech­nen.

„In­tern herrsch­te im­mer Trans­pa­renz.“Hans-Ge­org Kauf­feld, An­walt

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