Neu­er Chef, neue Di­gi­tal­stra­te­gie

Lidl will sich nach dem Wech­sel an der Un­ter­neh­mens­spit­ze auf den Auf­bau von On­line-Shops im Aus­land kon­zen­trie­ren

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­teur Man­fred Stock­bur­ger

Seit Mo­na­ten fie­ber­ten vie­le Lidl-Mit­ar­bei­ter dem Start von Lidl Ex­press ent­ge­gen. Das neue Di­gi­tal-Kon­zept, bei dem Kun­den die Wa­re im In­ter­net vor­be­stel­len und sie dann vor Ort in spe­zi­el­len, in­ner­städ­ti­schen Klein­fi­lia­le ab­ho­len soll­ten, war als Leucht­turm der Di­gi­tal­stra­te­gie ge­dacht. Als in­tel­li­gen­te Ver­knüp­fung von In­ter­net-Shop­ping und dem klas­si­schen Ein­kauf in der Fi­lia­le. Doch dann kam der Chef­wech­sel.

Jetzt ha­ben die Neckar­sul­mer das Pro­jekt noch vor dem Start des Pi­lot­mark­tes in Berlin of­fi­zi­ell be­er­digt. Es war qua­si die ers­te Amts­hand­lung von Sven Sei­dels Nach­fol­ger Jesper Hojer, des­sen Be­stel­lung zum Vor­stands­vor­sit­zen­den nur noch von den Gre­mi­en be­stä­tigt wer­den muss. Da­mit wird deut­lich, dass ne­ben der Fra­ge nach dem Lid­lI­mage auch die Di­gi­tal­strat­gie ein Zank­ap­fel zwi­schen Kon­zern­chef Klaus Geh­rig und Sei­del war. „Lidl ver­folgt das Pro­jekt Lidl Ex­press in Deutsch­land zum ak­tu­el­len Zeit­punkt nicht wei­ter“, hieß es ges­tern la­pi­dar.

Op­ti­mie­rung Jesper Hojer schick­te sei­nen E-Com­mer­ce-Be­reichs­vor­stand Hei­ko Heg­wein vor, um den Stra­te­gie­wech­sel zu er­klä­ren: „Wir kon­zen­trie­ren uns dar­auf, Gu­tes noch bes­ser zu ma­chen“, sag­te Heg­wein der Heil­bron­ner Stim­me. Be­ste­hen­de On­line-For­ma­te sol­len dem­nach jetzt op­ti­miert und in­ter­na­tio­na­li­siert wer­den.

Als On­line-Händ­ler ist Lidl bis­her näm­lich nur in Deutsch­land (seit 2008) so­wie seit 2016 auch in Bel­gi­en und den Nie­der­lan­den ak­tiv. Die Kun­den wer­den aus sechs Lo­gis­tik­zen­tren be­dient. Die mehr als 10 000 Fi­lia­len der Han­dels­ket­te ste­hen da­ge­gen in 27 Län­dern. Nach dem Stra­te­gie­wech­sel setzt Lidl im In­ter­net al­so vor al­lem auf nor­ma­le In­ter­net-Shops, mit de­nen das Un­ter­neh­men 2015 in Deutsch­land laut EHI-In­sti­tut ei­nen Um­satz von rund 150 Mil­lio­nen Eu­ro mach­te. Im Fo­kus des Sor­ti­ments ste­hen Ak­ti­ons­wa­re von Gar­ten­mö­beln bis zu Sport­be­klei­dung (23 000 Ar­ti­kel) und nicht ver­derb­li­che Le­bens­mit­tel­sor­ti­men­te wie Back­zu­ta­ten, Ge­wür­ze oder Wein – ein­schließ­lich der Dro­ge­rie­pro­duk­te sind das im­mer­hin 4000 Ar­ti­kel.

Fri­sche Le­bens­mit­tel, de­ren Ver­sand sehr teu­er ist, sucht man bei Lidl im In­ter­net ver­geb­lich. Lidl Ex­press soll­te dem Dis­coun­ter den Ein­stieg in den On­line-Han­del mit Obst und Ge­mü­se oder Mol­ke­rei­pro­duk­ten er­mög­li­chen, oh­ne dass da­für – wie et­wa bei der Schwes­ter Kauf­land – ei­ne ei­ge­ne Lo­gis­tik auf­ge­baut wer­den müss­te: Der Kun­de holt die Wa­re ab und ist dann auch für die Küh­lung ver­ant­wort­lich.

Zu­rück Im von Klaus Geh­rig ver­kün­de­ten Zeit­al­ter des „Zu­rück zu den Basics“wird aus dem Ein­stieg in die­ses Ge­schäfts­feld zu­min­dest vor­erst nichts. Nach ei­ner in­ten­si­ven Mach­bar­keits­prü­fung ha­be man sich ent­schlos­sen, „das Pi­lot­pro­jekt zum On­line-Han­del mit fri­schen Le­bens­mit­teln nicht in ei­ne ope­ra­ti­ve Pha­se zu über­füh­ren“.

Fo­to: dpa

Bei Lidl gilt wei­ter­hin Ein­kaufs­wa­gen statt Maus­klick. Die Idee, on­line Be­stell­tes von den Kun­den in der Fi­lia­le ab­ho­len zu las­sen, liegt wie­der in der Schub­la­de.

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