Wird TTIP wei­ter ver­han­delt?

US-Han­dels­kam­mer sieht Be­reit­schaft

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - VORDERSEITE - Von Alex­an­der Sturm, dpa

Die ame­ri­ka­ni­sche Han­dels­kam­mer in Deutsch­land hofft auf ei­ne Wie­der­auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen über den Han­dels­ver­trag TTIP nach der Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber. „Ich bin si­cher, dass das The­ma nach der Wahl wie­der auf den Tisch kommt“, sag­te Prä­si­dent Bern­hard Mat­tes. „Die Tür ist im­mer noch of­fen.“Auch un­ter US-Prä­si­dent Do­nald Trump sei­en neue Ge­sprä­che mög­lich. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ha­be Trump bei ih­rem Be­such im März die Dring­lich­keit von Frei­han­del mit Eu­ro­pa deut­lich ge­macht. „Trump hat ver­stan­den.“

Spä­tes­tens seit der Wahl von Do­nald Trump zum US-Prä­si­den­ten liegt TTIP auf Eis. Die ame­ri­ka­ni­sche Han­dels­kam­mer sieht den­noch Chan­cen für ein Frei­han­dels­ab­kom­men – not­falls auf Um­we­gen. Die Amcham Ger­ma­ny hofft auf ei­ne Wie­der­auf­nah­me der Ver­hand­lun­gen über den Han­dels­ver­trag TTIP nach der Bun­des­tags­wahl im Sep­tem­ber. „Ich bin si­cher, dass das The­ma Trans­at­lan­ti­sches Frei­han­dels­ab­kom­men nach der Wahl wie­der auf den Tisch kommt“, sag­te Prä­si­dent Bern­hard Mat­tes. „Die Tür ist im­mer noch of­fen.“

Auch un­ter US-Prä­si­dent Do­nald Trump sei­en neue Ge­sprä­che über das um­strit­te­ne Ab­kom­men zwi­schen der EU und den USA mög­lich, mein­te Mat­tes – „mög­li­cher­wei­se un­ter an­de­rem Na­men“. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ha­be Trump bei ih­rem Be­such im März die Dring­lich­keit von Frei­han- del mit Eu­ro­pa deut­lich ge­macht. „Trump hat ver­stan­den“, sag­te Mat­tes. Am in­ter­na­tio­na­len Han­del hin­gen 40 Mil­lio­nen Jobs in den USA. „Ab­schot­tung ist kei­ne Lö­sung.“

Die 2013 auf­ge­nom­me­nen Ver­hand­lun­gen über TTIP hat­ten sich zu­letzt als zäh er­wie­sen, zum er­hoff­ten Ab­schluss im ver­gan­ge­nen Jahr kam es nicht. Trump hat an­ge­kün­digt, die US-Wirt­schaft mit Han­dels­bar­rie­ren zu schüt­zen. Und in Eu­ro­pa gibt es hef­ti­gen Wi­der­stand von Ver­brau­cher- und Um­welt­schüt­zern, die ei­ne Ab­sen­kung von Stan­dards be­fürch­ten. Jüngst hat­te sich Mer­kel of­fen für ei­ne Wie­der­auf­nah­me der Ge­sprä­che ge­zeigt.

Für Deutsch­land sind en­ge Wirt­schafts­be­zie­hun­gen zu den USA sehr wich­tig. 2016 ex­por­tier­te die Bun­des­re­pu­blik Wa­ren im Wert von 106,9 Mil­li­ar­den Eu­ro dort­hin – so viel wie in kein an­de­res Land. In Deutsch­land hän­gen laut dem Ifo-In­sti­tut di­rekt und in­di­rekt mehr als ei­ne Mil­li­on Ar­beits­plät­ze an Aus­fuh­ren in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Je­doch sind die recht­li­chen Hür­den für Han­dels­ver­trä­ge mit der EU jüngst ge­stie­gen. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof hat kürz­lich den Weg für ein Ve­to-Recht na­tio­na­ler Par­la­men­te ge­gen Frei­han­dels­ab­kom­men der EU ge­eb­net. Die EU-Kom­mis­si­on hat­te hin­ge­gen die Po­si­ti­on ver­tre­ten, dass nur ei­ne Mit­wir­kung des Eu­ro­pa­par­la­ments und der Re­gie­run­gen der Mit­glied­staa­ten am Ab­schluss vor­ge­se­hen ist.

Un­klar­hei­ten Neue Ge­sprä­che über ein trans­at­lan­ti­sches Frei­han­dels­ab­kom­men sei­en oh­ne­hin erst mit­tel­fris­tig zu er­war­ten, mein­te Mat­tes. Die Re­gie­rung Trump sei erst seit kur­zem kom­plett und noch da­bei, sich zu­sam­men­zu­fin­den. „Für kom­ple­xe The­men wie Frei­han­dels­ab­kom­men braucht es aber die vol­le Ar­beits­stär­ke.“

Trotz der Un­si­cher­heit über den Kurs Trumps hal­ten sich aus Sicht der Amcham Ger­ma­ny deut­sche Un­ter­neh­men kaum mit neu­en In­ves­ti­tio­nen in den USA zu­rück. Bes­ten­falls bei der Um­set­zung be­reits be­schlos­se­ner In­ves­ti­tio­nen ge­be es teils Ver­zö­ge­run­gen. „Da die Re­gie­rung Trump kei­nen ver­läss­li­chen Rah­men vor­gibt, ma­chen die Fir­men busi­ness as usu­al“, sag­te Mat­tes. Es sei wei­ter un­klar, was ge­nau Trump in der Han­dels-, Steu­er- oder Ge­sund­heits­po­li­tik vor­ha­be. Mat­tes, der am Frei­tag auf der Jah­res­kon­fe­renz der Kam­mer in Frank­furt für zwei Jah­re wie­der­ge­wählt wur­de, will sich wei­ter für Frei­han­del, die deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Be­zie­hun­gen und den Stand­ort Deutsch­land ein­set­zen.

Im Ha­fen von Ham­burg wer­den nicht nur Wa­ren aus Chi­na um­ge­schla­gen. Er ist auch wich­ti­ges Dreh­kreuz für den Han­del mit den USA – und könn­te von TTIP pro­fi­tie­ren. Fo­to: dpa

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