Pro­jekt mit jun­gen Mi­gran­ten und ein Be­we­gungs­wun­der aus Schwe­den bei „Tanz! Heil­bronn“.

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - VORDERSEITE -

Tri­umph für zwei deut­sche Künst­ler auf der Bi­en­na­le in Ve­ne­dig, der wohl wich­tigs­ten Aus­stel­lung für zeit­ge­nös­si­sche Kunst. An­ne Im­hof hat letz­tes Wo­che­n­en­de den Gol­de­nen Lö­wen für den bes­ten na­tio­na­len Bei­trag er­hal­ten. Ku­ra­tiert wird der deut­sche Pa­vil­lon von Su­san­ne Pfef­fer, die die Neu­prä­sen­ta­ti­on von Art Brut und Nai­ve im Mu­se­um Zan­der in Bön­nig­heim kon­zi­piert hat. Und auch Franz Er­hard Walt­her hat ei­nen Gol­de­nen Lö­wen er­hal­ten als bes­ter Künst­ler. Der 77-jäh­ri­ge Walt­her, der 2011 be­reits den Heil­bron­ner Ernst-Franz-Vo­gel­mann-Preis für Skulp­tur er­hielt, hat in der ak­tu­el­len Aus­stel­lung „Skulp­tu­ren aus Pa­pier“in der Vo­gel­mann-Kunst­hal­le ei­nen Raum mit sei­nen Ar­bei­ten ein­ge­rich­tet. Kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit für ein kom­mu­na­les Mu­se­um, wie Marc Gun­del, Di­rek­tor der Städ­ti­schen Mu­se­en, im Ge­spräch mit Clau­dia Ih­le­feld fin­det.

Was sagt der Heil­bron­ner Mu­se­ums­chef zum Gol­de­nen Lö­wen – ei­nem der re­nom­mier­tes­ten Prei­se der Kunst­welt für Franz Er­hard Walt­her? Marc Gun­del: Die Eh­rung kommt völ­lig über­ra­schend, al­lein sei­ne Teil­nah­me an der Bi­en­na­le ist groß­ar­tig. Doch wenn man be­rück­sich­tigt, dass Franz Er­hard Walt­her vier­ma­li­ger Do­cu­men­ta-Teil­neh­mer ist und in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wich­ti­ge Prei­se er­hal­ten hat, ist die­se Aus­zeich­nung fol­ge­rich­tig.

Wie ha­ben Sie Walt­her ken­nen­ge­lernt, der seit den 60er Jah­ren die tra­dier­te Vor­stel­lung von Skulp­tur ei­gen­wil­lig und kon­se­quent auf­bricht? Gun­del: Ich er­in­ne­re mich gut: In Be­glei­tung von der Mä­ze­nin Ruth Rein­wald ha­ben wir den Künst­ler an ei­nem hei­ßen Au­gust­tag im Jahr 2010 in Ful­da be­sucht. Sei­ne un­auf­dring­li­che In­tel­lek­tua­li­tät so­wie sei­ne künst­le­ri­sche Vi­ta­li­tät ha­ben uns sehr be­ein­druckt. Um­ge­kehrt war er über­rascht und er­freut von un­se­rem In­ter­es­se an sei­ner Ar­beit. Sie müs­sen wis­sen, dass der Ern­s­tFranz-Vo­gel­mann-Preis so­wie die Aus­stel­lung in Heil­bronn 2011 zu dem wie­der­er­wach­ten In­ter­es­se an Walt­hers Werk ge­führt ha­ben.

Die ak­tu­el­le Aus­stel­lung „Skulp­tu­ren aus Pa­pier. Von Kar­la Black bis Kurt Schwit­ters“wid­met Walt­her ei­nen Raum – was gibt es von ihm zu se­hen? Gun­del: Den gro­ßen Raum in der Aus­stel­lung hat Franz Er­hard Walt­her selbst ein­ge­rich­tet. Er ver­sam­melt dort Ar­bei­ten aus Pa­pier, mit de­nen er sich An­fang der 1960er Jah­re von der Zwei­di­men­sio­na­li­tät ge­löst und sei­nen ei­ge­nen Werk­be­griff ent­wi­ckelt hat.

Wie er­klä­ren Sie sich die ent­täu­schen­de Re­so­nanz da­mals mit 1055 Be­su­chern auf die Walt­her-Werk­schau 2011 in der Kunst­hal­le Vo­gel­mann? Gun­del: Das müs­sen wir aus­hal­ten, doch un­se­re Er­war­tun­gen an die Be­suchs­zah­len sind rea­lis­tisch, auch weil die künst­le­ri­schen Po­si­tio­nen an­spruchs­voll sind. Für ho­he Be­su­cher­zah­len müs­sen an­de­re Aus­stel­lun­gen sor­gen, hier­an wird sich nichts än­dern.

Wie ge­winnt ein kom­mu­na­les Mu­se­um nam­haf­te Künst­ler für sich? Gun­del: Künst­ler von in­ter­na­tio­na­lem Rang kön­nen sich die Aus­stel­lungs­or­te aus­su­chen, sie­he Walt­her, der der­zeit in der Rei­na So­fia in Ma­drid aus­stellt. Oder Tho­mas Schüt­te, un­ser Preis­trä­ger von 2014, der ei­ne Aus­stel­lung im New Yor­ker Moma vor­be­rei­tet. Durch den Vo­gel­mann-Preis für Skulp­tur ha­ben wir die Mög­lich­keit, welt­weit ge­frag­te Bild­hau­er nach Heil­bronn zu ho­len. Dass wir hier die ein­zi­gen in Ba­den-Würt­tem­berg und so­gar dar­über hin­aus sind, spricht für sich.

Fo­to: Ar­chiv/Vei­gel

Marc Gun­del

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