Ba­rack Oba­ma ist schon jetzt der ge­frag­tes­te Gast

36. Deut­scher Evan­ge­li­scher Kir­chen­tag – Mehr als 200 000 Be­su­cher wer­den zum Ab­schluss beim Fest­got­tes­dienst er­war­tet

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - HINTERGRUND - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Ul­ri­ke Plapp-Schir­mer

Al­le zwei Jah­re fei­ert die Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land (EKD) ei­nen Kir­chen­tag. Im Jahr des Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums füh­ren die We­ge der Pro­tes­tan­ten ab Mitt­woch, 24. Mai, zum 36. Deut­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tag (DEKT) nach Ber­lin oder zu ei­nem der „Kir­chen­ta­ge auf dem Weg“in acht mit­tel­deut­sche Städ­te. An­fang und En­de der Fest­wo­che, die an die­sem Sams­tag im Bei­sein von Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er er­öff­net wird, ist in der Lu­ther­stadt Wit­ten­berg, dort, wo al­les be­gann. Wo Mar­tin Lu­ther vor 500 Jah­ren 95 The­sen ge­gen den päpst­li­chen Ablass­han­del ver­öf­fent­lich­te und da­mit den Bruch der Kir­che her­bei­führ­te.

Pro­gramm Um Mar­tin Lu­ther geht es auch beim Kir­chen­tag in Ber­lin. Doch vor al­lem geht es dort um re­li­giö­se, so­zia­le, kul­tu­rel­le, öko­lo­gi­sche und po­li­ti­sche The­men. Das 576 Sei­ten star­ke Pro­gramm­heft be­schreibt 2500 An­ge­bo­te. Die Kir­chen­tags-App fürs Smart­pho­ne hilft bei der Ori­en­tie­rung. „Alt­ver­trau­tes und Uner­war­te­tes“steht laut El­len Ue­ber­schär, Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin des DEKT, auf dem Pro­gramm. Der Kir­chen­tags­be­su­cher kann wäh­len zwi­schen Bi­bel­ar­beit mit Po­li­ti­kern jed­we­der Cou­leur, Dis­kus­sio­nen mit Ver­tre­tern jed­we­der Re­li­gi­on, Vor­trä­gen, ei­nem Markt der Mög­lich­kei­ten, auf dem sich an 730 Stän­den Grup­pen und Initia­ti­ven aus Kir­che und Ge­sell­schaft prä­sen­tie­ren, Füh­run­gen, Aus­stel­lun­gen, Kon­zer­ten – und na­tür­lich auch Got­tes­diens­ten. Der Kir­chen­tag be­ginnt mit ei­nem Abend der Be­geg­nung in Ber­lin-Mit­te. Er en­det am Sonn­tag, 28. Mai, in Wit­ten­berg mit ei­nem öku­me­ni­schen Fest­got­tes­dienst im Frei­en.

Kir­chen­tags-Lo­sung „Du siehst mich“aus dem 1. Buch Mo­se ist die Kir­chen­tags-Lo­sung 2017. Die Wer­be­agen­tur Scholz & Fri­ends hat das Bi­bel­wort in Sze­ne ge­setzt. Zwei Pup­pen­au­gen auf oran­ge­far­be­nem Grund bli­cken den Be­trach­ter an. Er wird ge­se­hen. Aber auch die Kir­che will ge­se­hen wer­den. Von ei­nem „Jahr­hun­dert­er­eig­nis“spricht El­len Ue­ber­schär. Da­von, dass es mu­tig sei, mit die­ser Lo­sung zum nun­mehr sechs­ten Mal nach Ber­lin zu ge­hen, „in ei­ne Groß­stadt, in der ei­gent­lich nie­mand hin­sieht“. Ge­se­hen zu wer­den, „als Mensch, so wie ich bin“nennt Ue­ber­schär ei­ne Sehn­sucht, die mit dem Kir­chen­tags­lo­go be­ant-

wor­tet wer­den soll: „Das ist Gott­ver­trau­en, das ich uns al­len wün­sche für die­sen Kir­chen­tag in Ber­lin: vom Ge­den­ken zu Be­ginn am Tem­pel­ho­fer Flug­ha­fen über die gro­ßen Er­öff­nungs­got­tes­diens­te bis hin zum Pro­gramm auf der Ber­li­ner Mes­se und in der ge­sam­ten In­nen­stadt.“

Pro­mi­nenz Der DEKT zieht von je­her pro­mi­nen­te Teil­neh­mer an. Dr. Eck­art von Hirsch­hau­sen ist wie Gun­du­la Gau­se, Jür­gen Klopp, Frau­ke Lu­do­wig, Wolf­gang Schäu­b­le, Jür­gen Gürt­ler und vie­le an­de­re seit Mo­na­ten als Re­for­ma­ti­ons-Bot­schaf­ter ak­tiv. Beim Kir­chen­tag ob- liegt ihm die künst­le­ri­sche Gestal­tung des Er­öff­nungs­got­tes­diens­tes. Tags dar­auf geht Melinda Ga­tes von der Bill-and-Melinda-Ga­tes-Foun­da­ti­on mit Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler der Fra­ge nach, „Wie ver­rin­gern wir welt­weit die Ar­mut?“. Bi­bel­ar­beit gibt es mit der Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Ka­trin Gö­rin­gEckardt, mit dem Schrift­stel­ler Dr. Bern­hard Schlink („Der Vor­le­ser“), mit Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig oder mit dem ba­den­würt­tem­ber­gi­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Win­fried Kret­sch­mann. Der pro­mi­nen­tes­te Gast des 36. Evan­ge­li­schen Kir­chen­tags ist Ba­rack Oba- ma. Sein Glau­be, heißt es, geht auf den Bür­ger­recht­ler Mar­tin Lu­ther King zu­rück. Des­sen Re­de, „I ha­ve a Dream“, hat­te im Au­gust 1963 ei­ne ähn­li­che Durch­schlag­kraft wie Mar­tin Lu­thers The­sen vor 500 Jah­ren.

Ver­ant­wor­tung Vor dem Bran­den­bur­ger Tor dis­ku­tiert der frü­he­re US-Prä­si­dent am Don­ners­tag, 25. Mai, ab 11 Uhr mit Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel über das The­ma „En­ga­giert De­mo­kra­tie ge­stal­ten – Zu­hau­se und in der Welt Ver­ant­wor­tung über­neh­men“. Ba­rack Oba­ma kehrt da­mit nach mehr­mo­na­ti­ger Aus­zeit in die Öf­fent­lich­keit zu­rück. Die Ver­an­stal­tung ge­hört zu den ge­frag­tes­ten Ver­an­stal­tun­gen des ge­sam­ten Kir­chen­tags. 80 000 Teil­neh­mer wer­den er­war­tet. Nicht al­le wer­den auch Kir­chen­tags­teil­neh­mer sein. Mit Oba­ma, mut­maßt „Die Zeit“, „wird der Kir­chen­tag zum Wel­ter­eig­nis“– das ganz ei­ge­nen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen un­ter­liegt. Die­je­ni­gen, die ei­nen Sitz­platz er­gat­tert ha­ben, wer­den ge­be­ten, ab 8 Uhr zu kom­men und bis spä­tes­tens 10.30 Uhr zu sit­zen. Ba­rack Oba­ma wird kei­ne Au­to­gram­me ge­ben und an kei­ner wei­te­ren Ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men. Auch nicht am Fest­got­tes­dienst am 28. Mai in Wit­ten­berg. Den ze­le­briert der Pri­mas der An­gli­ka­ni­schen Kir­che Süd­afri­ka, Erz­bi­schof Thabo Mak­go­ba. „Von An­ge­sicht zu An­ge­sicht“heißt der Pre- digt­text. Mit da­bei ist wie­der Bun­des­prä­si­den­ten Frank-Wal­ter St­ein­mei­er. Der steht der evan­ge­li­schen Kir­che von je her na­he: St­ein­mei­er war für den Vor­sitz des 37. Deut­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tags von 19. bis 23. Ju­ni 2019 in Dort­mund vor­ge­se­hen. Dar­aus wird nun nichts. Prä­si­di­um und Prä­si­di­al­ver­samm­lung der EKD wer­den die Nach­fol­ge von Chris­ti­na Aus der Au wäh­rend des Kir­chen­tags be­stim­men und bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz am Frei­tag, 26. Mai, be­kannt ge­ben.

Si­cher­heit Zum Kir­chen­tag in Ber­lin wer­den zir­ka 100 000 Dau­er­teil­neh­mer er­war­tet. Da­zu kom­men rund 15 000 Ta­ges­gäs­te. „Mit der Po­li­zei Ber­lin, der BVG und der Deut­schen Bahn ha­ben wir gu­te Kon­zep­te er­ar­bei­tet“, sagt Kir­chen­tags-Ge­schäfts­füh­rer Con­stan­tin Knall. Erst­mals gibt es auch Ta­schen­kon­trol­len. Der Kir­chen­tag selbst stützt sich auf das En­ga­ge­ment von rund 5500 Frei­wil­li­gen.

In Wit­ten­berg rech­net man am Fest­wo­chen­en­de schließ­lich mit mehr als 200 000 Got­tes­dienst­teil­neh­mern. Bis zu 8000 Eh­ren­amt­li­che hel­fen dort mit. Die Ver­an­stal­tung wird von et­wa 3000 Po­li­zis­ten ab­ge­si­chert. Die Bun­des­wehr stellt wei­te­re 400 Kräf­te zur Ver­fü­gung. Der Luf­t­raum wird von Hub­schrau­bern und Flug­zeu­gen über­wacht, wäh­rend die Gläu­bi­gen fei­ern.

Ne­ben der Kai­serWil­helm-Ge­dächt­nis­kir­che in Ber­lin prangt ein Hin­weis auf den be­vor­ste­hen­den Kir­chen­tag. Fo­to: dpa

500 Jah­re Re­for­ma­ti­on

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