Stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten

Der Au­to­gip­fel brach­te ne­ben Ab­sichts­er­klä­run­gen nur we­nig Kon­kre­tes

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - BADEN-WÜRTTEMBERG · ROMAN · SCHACHECKE - Von un­se­ren Re­dak­teu­ren Micha­el Schwarz und Jür­gen Stram­mer

Nur ei­ner gab sich ganz ent­spannt. Daim­ler-Chef Die­ter Zet­sche kam mal wie­der in Je­ans, Snea­kers und Sak­ko. Beim Stra­te­gie­tref­fen der Au­to­mo­bil­wirt­schaft, zu dem Ba­den-Würt­tem­bergs Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) am Frei­tag ge­la­den hat­te, woll­ten Po­li­tik und Wirt­schaft mit ei­ner „stra­te­gi­schen Part­ner­schaft“die Zei­ten­wen­de in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie an­ge­hen. Ne­ben ihm und Zet­sche ge­hör­ten un­ter an­de­rem Bosch-Chef Volk­mar Den­ner, Au­di-Pro­duk­ti­ons­vor­stand Hu­bert Waltl, Por­sche-Fi­nanz­vor­stand Lutz Meschke so­wie das hal­be Ka­bi­nett der grün-schwar­zen Lan­des­re­gie­rung zu den Prot­ago­nis­ten, die knapp drei St­un­den im Neu­en Schloss in Stutt­gart ge­mein- sam am Tisch sa­ßen. „Es steht viel auf dem Spiel“, sag­te Kret­sch­mann un­mit­tel­bar nach dem Tref­fen. Im Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess müs­se man tech­no­lo­gie­of­fen sein, der Ver­bren­nungs­mo­tor müs­se wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den – und wer­de ne­ben der E-Mo­bi­li­tät auch in Zu­kunft be­nö­tigt. „Es gibt den sau­be­ren Die- sel“, wie­der­hol­te Kret­sch­mann ei­nen Satz, den er be­reits bei ei­nem Daim­ler-Werks­be­such sag­te. Das sind Aus­sa­gen, die bei den Wirt­schafts­ver­tre­tern auf Wohl­ge­fal­len ge­sto­ßen sein dürf­ten. Des­we­gen sprach Zet­sche von ei­ner gu­ten Ver­an­stal­tung, auf der die Zeit für Dis­kus­sio­nen zu kurz ge­we­sen sei. Man müs­se den Wan­del weit über die neu­en An­trie­be hin­aus den­ken. Es ge­he auch um The­men wie au­to­no­mes Fah­ren oder die di­gi­ta­le Ver­net­zung. Dass wich­ti­ge Funk­ti­ons­trä­ger zu­sam­men­ge­kom­men sei­en, wer­te­te er als wich­ti­ges Si­gnal.

Tem­po Meschke drück­te aufs Tem­po. „Wir ha­ben kei­ne Zeit für lan­ges Tak­tie­ren“, sag­te er. Dar­um brau­che es „rasch ver­läss­li­che Rah­men­be­din­gun­gen für die E-Mo­bi­li­tät“. Dies schlie­ße den Auf­bau der Schnell­lad­ein­fra­struk­tur eben­so mit ein wie die Si­cher­stel­lung ei­nes leis­tungs­fä­hi­gen und nach­hal­ti­gen Strom­net­zes. Bosch-Chef Den­ner er­klär­te hin­ge­gen, die Mo­bi­li­tät der Zu­kunft wer­de vie­le Fa­cet­ten ha­ben. „Au­to, Bus, Bahn, Bi­ke – al­les wird naht­los ver­netzt und ein­fach buch­bar sein“, sag­te er. Der An­spruch in Ba­den-Würt­tem­berg müs­se sein, hier ei­ne Vor­rei­ter­rol­le zu über­neh- men. „Hier soll­ten neue Mo­bi­li­täts­kon­zep­te er­fun­den und erst­mals an­ge­wen­det wer­den.“Der Bund für Um­welt und Na­tur­schutz (BUND) kri­ti­sier­te hin­ge­gen den Ver­lauf des Stra­te­gie­tref­fens. „Das war lei­der das, was ich er­war- tet ha­be: ei­ne Ab­fol­ge von State­ments der Au­to­mo­bil­wirt­schaft und der Po­li­tik“, sag­te die Lan­des­vor­sit­zen­de Bri­git­te Dahl­ben­der, die als ein­zi­ge Ver­tre­te­rin aus dem Na­tur­schutz am Tref­fen teil­nahm. Wenn die E-Mo­bi­li­tät ne­ben dem Ver­bren­nungs­mo­tor, wie von der In­dus­trie ge­for­dert, auf­ge­baut wer­den sol­le, füh­re dies zu ei­nem hö­he­ren Ener­gie­ver­brauch. Dass Kret­sch­mann bei dem Tref­fen nicht von ei­nem „Au­to­gip­fel“, son­dern von ei­nem „Stra­te­gie­dia­log“sprach, ver­stand Dahl­ben­der nicht. „Das war ein Au­to­gip­fel. Ein Tref­fen der Au­to­mo­bil­in­dus­trie im er­wei­ter­ten Sin­ne.“

Wil­li Diez, Lei­ter des In­sti­tuts für Au­to­mo­bil­wirt­schaft an der Hoch­schu­le Nür­tin­gen-Geis­lin­gen, nahm eben­falls teil: „Was das Tref­fen wert ist, weiß man erst in ein bis zwei Jah­ren.“Er sieht es erst als Auf­takt für ei­nen lang­fris­ti­gen Pro­zess. „Es wird jetzt we­sent­lich dar­auf an­kom­men, dass man das Gan­ze schnell auf die Ar­beits­ebe­ne bringt.“Ge­plant sei, vier bis fünf The­men­fel­der zu de­fi­nie­ren, bei­spiels­wei­se Da­ten­schutz bei au­to­no­mem Fah­ren. Diez: „Es ist wich­tig, noch vor der Som­mer­pau­se die Ar­beits­the­men und Ar­beits­grup­pen zu de­fi­nie­ren.“

„Es steht viel auf dem Spiel.“ Win­fried Kret­sch­mann

Nur we­nig Zeit für Dis­kus­sio­nen: Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne, links) und Daim­ler-Chef Die­ter Zet­sche. Fotos: dpa

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