Sein Sturz ver­bit­tert ihn noch heu­te

Franz St­ein­küh­ler wird 80 – Einst mäch­ti­ger Chef der IG Me­tall

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - WIRTSCHAFT ANZEIGEN - Von Chris­ti­an Ebner, dpa

Mit der Be­stei­gung des Kili­man­dscha­ro wird es wohl nichts mehr für Franz St­ein­küh­ler. Zu sei­nem 80. Ge­burts­tag an die­sem Sams­tag wirkt der ehe­ma­li­ge Chef der IG Me­tall zwar wach wie eh und je, schlank und kör­per­lich fit, den afri­ka­ni­schen Fünf­tau­sen­der traut sich der Rad­fah­rer und Hob­by-Gol­fer den­noch nicht mehr zu. Er ha­be nie­man­den ge­fun­den, der mit ihm auf die an­stren­gen­de Tour ge­hen woll­te, sagt der Mann, der wie kein zwei­ter Hö­hen und Tie­fen ei­nes Ge­werk­schaf­ters er­lebt hat.

Po­li­zis­ten­sohn St­ein­küh­ler war ein­mal der un­an­ge­foch­te­ne star­ke Mann der mäch­ti­gen IG Me­tall, die er von 1986 bis 1993 als Ers­ter Vor­sit­zen­der führ­te. Von Be­ginn an traf er die rich­ti­gen Leu­te. Der Stutt­gar­ter Be­zirks­chef Wil­li Blei­cher und der eben­falls aus dem Länd­le stam­men­de Hans Mayr wa­ren es, die den 15 Jah­re jun­gen Po­li­zis­ten­sohn bei ei­nem Tref­fen in Göp­pin­gen über­zeug­ten, in die IG Me­tall und die SPD ein­zu­tre­ten. „Das war ei­ne gro­ße Eh­re. Da ha­be ich erst­mal zu­ge­hört und viel ge­lernt“, sagt St­ein­küh­ler 65 Jah­re spä­ter an sei­nem Wohn­ort Ober­ur­sel am Tau­nus. Mit­glied in den bei­den zen­tra­len Or- ga­ni­sa­tio­nen der Ar­bei­ter­be­we­gung ist er im­mer noch. Der jun­ge St­ein­küh­ler hat schon sehr bald nicht mehr nur zu­ge­hört, son­dern sich auch ein­ge­mischt. In sei­ner Glanz­zeit trat der wort­ge­wand­te Ge­werk­schaf­ter wie ein Ma­na­ger im fei­nen An­zug und mit in­tel­lek­tu­el­lem An­spruch auf. Für die Ma­lo­cher war das von ihm pro­pa­gier­te Co-Ma­nage­ment fast ge­nau­so ge­wöh­nungs­be­dürf­tig wie für die Ar­beit­ge­ber, doch St­ein­küh­lers Er­fol­ge wie die end­gül­tig fest­ge­zurr­te 35-St­un­den-Wo­che fes­tig­ten sei­ne Macht im Ge­werk­schafts­vor­stand.

Ak­ti­en Um­so tie­fer stürz­te der da­mals 56Jäh­ri­ge im Mai 1993, als be­kannt wur­de, dass er mit Ak­ti­en der Mer­ce­des AG Hol­ding ho­he Spe­ku­la­ti­ons­ge­win­ne rea­li­siert hat­te. Schnell ge­riet das Mit­glied des Daim­ler-Auf­sichts­ra­tes in den Ver­dacht, da­für und für vor­her­ge­hen­de Ak­ti­en­ge­schäf­te In­si­der­wis­sen ge­nutzt zu ha­ben. „Ich hat­te kei­ne In­si­der­kennt­nis­se und ha­be auch nichts Un­rech­tes ge­tan“, sagt St­ein­küh­ler noch heu­te, doch im Amt konn­te er sich nicht hal­ten. „Im Rück­blick war es schon ein Feh­ler, Ak­ti­en von Un­ter­neh­men zu hal­ten, bei de­nen ich im Auf­sichts­rat ge­ses­sen ha­be.“

Es nutz­te nichts, dass er den Ge­winn in ei­nen Fonds für ost­deut­sche Me­tall­ar­bei­ter spen­de­te. Schließ­lich stand die Glaub­wür­dig­keit der ge­sam­ten Or­ga­ni­sa­ti­on auf dem Spiel. „Ich war ger­ne Vor­sit­zen­der der IG Me­tall und wä­re es auch ger­ne ge­blie­ben. Das war schon mehr als ein Be­ruf“, sagt er heu­te.

Nach dem Rück­tritt mach­te St­ein­küh­ler dann noch vie­le Jah­re als In­dus­trie-Be­ra­ter wei­ter, schließ­lich hat­te der ge­lern­te Werk­zeug­ma­cher noch ei­ne Aus­bil­dung als Ar­beits­vor­be­rei­ter drauf­ge­sat­telt. Er ist ver­hei­ra­tet und hat ei­nen Sohn. Ganz ab­ge­schlos­sen hat St­ein­küh­ler die größ­te Nie­der­la­ge sei­nes Le­bens den­noch nicht. Nie ha­be er her­aus­ge­fun­den, wer da­mals aus der Bank für Ge­mein­wirt­schaft sei­ne Kon­to­aus­zü­ge an die Pres­se durch­ge­sto­chen hat. „Was da ge­lau­fen ist, war ja bei Lich­te be­trach­tet ei­ne glat­te Ver­let­zung der Ver­schwie­gen­heits­pflicht“, sagt St­ein­küh­ler. Nach dem har­ten Me­tal­ler­streik 1993 in Ost­deutsch­land la­gen da­mals die Ner­ven blank. „Mein Rück­tritt kam vie­len Un­ter­neh­men ge­ra­de recht.“

De­bat­te Im­mer noch ver­folgt der Ru­he­ständ­ler die Ge­schi­cke sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, die sein Schü­ler Bert­hold Hu­ber wie­der auf Kurs ge­bracht hat. Die von der IG Me­tall ein­ge­lei­te­te brei­te De­bat­te um selbst­be­stimm­te Ar­beits­zeit sei drin­gend not­wen­dig und wer­de am En­de zu kla­ren ta­rif­li­chen For­de­run­gen füh­ren, für die man ent­schlos­sen kämp­fen müs­se. „Da muss man auch auf ei­nen Streik vor­be­rei­tet sein. Oh­ne Zwang be­kommt man gar nichts.“

Der ehe­ma­li­ge IG-Me­tall-Chef Franz St­ein­küh­ler ver­folgt heu­te noch die Ge­werk­schafts­po­li­tik.

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