Man­gel an Fach­kräf­ten ver­schärft sich

Lü­cke wird bis 2030 bei drei Mil­lio­nen lie­gen – Si­tua­ti­on in der Re­gi­on noch aus­ge­gli­chen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - VORDERSEITE -

In Ge­sund­heits-, Pfle­ge- und tech­ni­schen Be­ru­fen droht in Deutsch­land ei­ne im­mer grö­ße­re Fach­kräf­te­lü­cke. In ei­ni­gen Bran­chen und Re­gio­nen kön­nen Ar­beit­neh­mer be­reits heu­te of­fe­ne Stel­len kaum noch be­set­zen. Das zeigt der ges­tern vom Bun­des­ka­bi­nett ver­ab­schie­de­ter Fort­schritts­be­richt des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums. Al­lein bis 2030 könn­te sich die Zahl der feh­len­den Fach­ar­bei­ter, Tech­ni­ker, For­scher und me­di­zi­ni­schen Fach­kräf­te auf bis zu 3,0 Mil­lio­nen be­lau­fen und bis 2040 gar auf 3,3 Mil­lio­nen, wie aus ei­ner zeit­gleich ver­öf­fent­lich­ten Pro­gnos-Stu­die her­vor­geht.

Der IHK-Fach­kräf­te­mo­ni­tor (sie­he Stich­wort) weist für die Re­gi­on Heil­bronn-Fran­ken im lau­fen­den Jahr ei­ne aus­ge­gli­che­ne Bi­lanz zwi­schen Ar­beit­su­chen­den und frei­en Stel­len an. Ab 2018 steigt aber vor al­lem die Nach­fra­ge nach Fach­ar­bei­tern steil an: 2020 feh­len dem­nach in der Re­gi­on 17 000 be­ruf­lich Qua­li­fi­zier­te. Der Über­schuss bei den Hel­fer­be­ru­fen re­du­ziert sich laut Fach­kräf­te­mo­ni­tor bis 2020 von ak­tu­ell 8500 auf 3000.

„Noch gibt es kei­nen flä­chen­de­cken­den Man­gel in al­len Bran­chen, aber das wird Jahr um Jahr mehr zum The­ma“, sagt Andre­as Schumm von der Wirt­schafts­re­gi­on Heil- bronn-Fran­ken Gm­bH. „Bei den Aus­bil­dungs­plät­zen merkt man es schon.“In Hand­werk, In­dus­trie und Han­del gibt es noch Hun­der­te un­be­setz­te Lehr­stel­len. Schumm er­war­tet, dass die Wirt­schaft in der Re­gi­on auf Zu­wan­de­rung an­ge­wie­sen sein wird – „und zwar in al­len Qua­li­fi­zie­rungs­stu­fen“.

Zwar schwächt der Ge­bur­ten­rück­gang laut der Re­gie­rungs­stu­die das An­ge­bot an Ar­beits­kräf­ten – doch bis­her brach­te es ei­nen Aus­gleich, dass im­mer mehr Frau­en und Äl­te­re im Be­ruf sind. „Künf­tig wird die­ser Aus­gleich je­doch nicht mehr im glei­chen Um­fang statt­fin­den kön­nen, da grö­ße­re Po­ten­zia­le be­reits ge­ho­ben sind und bis Mit­te der 2030er Jah­re die ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge schritt­wei­se in den Ru­he­stand tre­ten“, heißt es in dem Be­richt. „Im Zu­ge des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels wird sich die La­ge auf dem Ar­beits­markt in den nächs­ten zehn bis 20 Jah­ren er­heb­lich ver­schär­fen“, sagt der Au­tor der Er­he­bung des For­schungs­in­sti­tuts Pro­gnos, Oli­ver Eh­ren­traut. So wer­de die Zahl der Men­schen im ar­beits­fä­hi­gen Al­ter um gut zehn Pro­zent bis zum Jahr 2040 sin­ken.

Zu­wan­de­rung Lin­de­rung gibt es durch die Zu­wan­de­rung. So wuchs in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Dif­fe­renz zwi­schen der Zahl der Zu­zü­ge und der Zahl der Fort­zü­ge ste­tig – von 130 000 im Jahr 2010 bis mehr als 500 000 im Jahr 2014 und – bei der au­ßer­ge­wöhn­li­chen Flücht­lings­zu­wan­de­rung 2015 – so­gar auf mehr als 1,1 Mil­lio­nen Men­schen.

Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) sag­te zu den Da­ten: „Der Fort­schritts­be­richt ist ei­ne Mah­nung zum Han­deln.“Still­stand und Nichts­tun sei­en in An­be­tracht des Wan­dels der Ar­beit der Zu­kunft grob fahr­läs­sig. dpa/mfd Kom­men­tar „Unat­trak­tiv“

„Noch gibt es kei­nen flä­chen­de­cken­den Man­gel.“Andre­as Schumm

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.