Som­mer­tour durchs Jagst­tal

Der neue Bus­ser­vice er­mög­licht im Jagst­tal spon­ta­ne Kurz­trips mit dem Rad

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Der Ko­cher-Jagst-Rad­weg ist ab­wech­lungs­reich und neu­er­dings be­son­ders gut er­reich­bar.

Die vier Berg­strä­ßer Ra­del-Tan­ten aus der Ge­gend von Hep­pen­heim hat­ten die glei­che Idee: Ein­fach mal ein Stück Ko­cher-Jagst-Rad­weg ab­fah­ren. Am In­foPunkt des Ko­cher-Jagst-Rad­wegs schau­en sie sich noch ein­mal die Kar­te an. Dann heißt es: „Tschü-üs!“Denn sie fah­ren fluss­auf­wärts Rich­tung Crails­heim. Für mich geht es zu­rück nach Möck­mühl. Dort ha­be ich mein Fahr­rad in den RBB-Bus der Li­nie 11 ge­packt und bin hier­her nach Dörz­bach ge­fah­ren. Wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en ist die kos­ten­lo­se Fahr­rad­mit­nah­me of­fi­zi­ell mög­lich.

So rich­tig her­um­ge­spro­chen hat sich das noch nicht. Bus­fah­rer Hein­rich Nied hat au­ßer­halb der Schul­zeit sel­ten Rad­ler mit an Bord. Auch klei­ne­re Grup­pen kön­nen so aber kom­for­ta­bel ei­nen Aus­flug un­ter­neh­men – so­lan­ge Platz ist im Bus.

Los geht’s. Nach we­ni­gen Me­tern wirbt das HeuHo­tel der Fa­mi­lie Hirsch für sei­ne Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten. Ori­gi­nell sieht das aus: Vor al­lem Grup­pen su­chen auf dem Dach­bo­den hier die et­was an­de­re Nacht­ru­he. Der Ko­cher-Jags­tRad­weg ist schließ­lich ein Fern­rad­weg, der in Etap­pen be­wäl­tigt wer­den muss, wenn man sich nicht ein kür­ze­res Stück her­aus­pickt. Im­mer wie­der wei­sen Schil­der am We­ges­rand auf freie Zim­mer hin. Die Ho­hen­lo­her ha­ben ihr Herz für den Tou­ris­mus längst ent­deckt.

Auf brei­ten, asphal­tier­ten We­gen rollt das Rad über Klep­sau in Rich­tung Krautheim. Am Abend wird der schlimms­te Sturm seit Mo­na­ten das Jagst­tal heim­su­chen, Bäu­me ent­wur­zeln und Dä­cher ab­de­cken. Tags­über ist da­von nichts zu er­ah­nen. Stör­che su­chen im hoch­ge­wach­se­nen Klee nach Le­cker­bis­sen. Die Son­ne schaut zwi­schen den Wol­ken her­vor. Per­fek­tes Rad­wet­ter. Für die vie­len Rad­ler, die auch an die­sem Frei­tag un­ter­wegs sind, wird bei „Ga­bi’s Im­biss“schon an­ge­feu­ert. Ei­ne St­un­de spä­ter wä­re es dann an der Zeit für ei­ne ge­grill­te Thü­rin­ger an die­sem schat­ti­gen Plätz­chen un­ter­halb der Burg Krautheim. Jetzt noch nicht. Doch an­ge­sichts der Rad­ler­dich­te an die­sem Frei­tag dürf­te Grill­meis­ter Wer­ner ei­ni­ges zu tun be­kom­men. In Alt­kraut­heim ist dann der ers­te mei­ner 27 Gän­ge ge­fragt. Schön steil hier. An­schlie­ßend folgt ent­spann­tes Da­hin­ra­deln. Auf der ge­mäch­lich da­hin­schie­ben­den Jagst ne­ben mir sind ein paar Ka­nu­fah­rer un­ter­wegs, und sie ha­ben hör­bar Freu­de an ih­rer Fort­be­we­gungs­art. So wie die Rad­ler, die ent­ge­gen­kom­men, an ih­rer. „Hal­li­hal­lo!“Klin­ge­lin­ge­ling. Und vor­bei geht es an Win­zen­ho­fen und der stäh­ler­nen Brü­cke der Jagst­tal­bahn.

Kurz vor dem Klos­ter Schöntal mün­det der Rad­weg dann plötz­lich auf die Lan­des­stra­ße 1025, auf der man sich den Platz mit Fahr­zeu­gen al­ler Art tei­len muss. Mo­tor­rad­fah­rer pas­sen gut vor­bei. Nicht so der mäch­ti­ge Trak­tor, der da ge­räusch­voll her­an­rollt. Da merkt man erst, wie wohl man sich auf den ge­schütz­ten Rad­we­gen sonst füh­len darf. Glück­li­cher­wei­se gibt es auf dem Ko­cher-Jagst-Rad­weg nur we­ni­ge sol­cher Un­ter­bre­chun­gen.

Der Hun­ger treibt die Rad­ler hier neu­er­dings in den ehe­ma­li­gen Bahn­hof, „Du­ka’s Bahn­hof“heißt er jetzt. Du­kag­jin Se­j­fi­jaj hat die Bahn­hofs­gast­stät­te am 1. März nach grö­ße­ren Um­bau­maß­nah­men neu er­öff­net. Und auch er setzt auf den Tou­ris­mus. Ne­ben Mo­tor­rad­fah­rern und Freun­den PS-star­ker Au­tos sind na­tür­lich auch die Rad­ler will­kom­men. So wie Kurt Gahm. „Ich neh­me mir ei­gent­lich je­des Jahr ein Stück­chen Rad­weg hier vor, im­mer Ta­ges­tou­ren“, sagt der Bad Mer­gen­t­hei­mer. Er hat sich ge­ra­de ein Rump­steak schme­cken las­sen und ist sehr zu­frie­den. Mir wä­re jetzt eher nach ei­nem Bad in der Jagst. Gleich hin­ter dem Park­platz gibt es ei­nen per­fek­ten Ba­de­platz. Doch ei­ne Ba­de­ho­se ha­be ich heu­te nicht da­bei. Das muss auf den Merk­zet­tel fürs nächs­te Mal.

Auf dem Weg nach Jagst­hau­sen steht Mi­lan Gut­le­ber aus Stutt­gart-Zuf­fen­hau­sen auf sei­nem Sport­ge­rät, das Cross­trai­ner und Fort­be­we­gungs­mit­tel in ei­nem ist. Ar­me und Bei­ne sind glei­cher­ma­ßen ge­for­dert. „So gut wie hier kann man ei­gent­lich nir­gends da­mit fah­ren“, fin­det der 68-Jäh­ri­ge. Er ist ge­ra­de mit Ben­no Schir­mer aus In­gel­fin­gen ins Ge­spräch ge­kom­men, der ihn spon­tan zum Kaf­fee­trin­ken in sein Wohn­mo­bil ein­lädt. So schnell wer­den hier Be­kannt­schaf­ten ge­schlos­sen. In Jagst­hau­sen bin ich zu­rück in mir bes­ser be­kann­ten Ge­fiel­den. Ein sprit­zi­ges Rad­ler vor dem Dor­f­la­den, dann ist es nur noch ein Kat­zen­sprung zu­rück nach Möck­mühl. Das nächs­te Mal wird die rest­li­che Fa­mi­lie ein­ge­packt, ob sie will oder nicht.

Rad­ler auf dem Ko­cher-Jagst-Rad­weg: Ent­spannt las­sen sich hier Na­tur und Kul­tur ge­nie­ßen. Für Ta­ges­tou­ren bie­tet sich ei­ne 40 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke von Dörz­bach nach Möck­mühl be­son­ders gut an.

Die Burg Krautheim ist ei­ne der vie­len Se­hens­wür­dig­kei­ten ent­lang des Ko­cher-Jagst-Rad­wegs.

Hu­mor­vol­le Sprü­che am We­ges­rand: In die­sem Fall ein kla­res Un­der­state­ment in Be­zug auf den Ko­cher-Jagst-Rad­weg.

In den Wie­sen su­chen Stör­che nach Fut­ter und be­ob­ach­ten ei­ne Rad­ler­grup­pe nach der an­de­ren.

Die neu­en T-Shirts müs­sen ein­ge­weiht wer­den: Die „Berg­strä­ßer Ra­del-Tan­ten“ma­chen sich auf den Weg.

6,70 Eu­ro kos­tet die ein­fa­che Fahrt von Möck­mühl nach Dörz­bach. Der Rück­weg kos­tet nur Mus­kel­kraft.

An Ga­bi’s Im­biss bei Krautheim wird im Holz­koh­le­grill an­ge­heizt. Täg­lich kom­men hung­ri­ge Rad­ler vor­bei.

Wer ein paar Mi­nu­ten Ru­he sucht, kann un­ter­wegs ei­nen Blick in die ba­ro­cke Klos­ter­kir­che von Schöntal wer­fen.

Und auch sonst sieht man im­mer wie­der Un­ge­wöhn­li­ches: Mi­lan Gut­le­ber ist mit sei­nem Free­cross-Rad un­ter­wegs.

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