Gut­ten­berg ist wie­der da

Wahl­kampf­hil­fe oder Test­bal­lon? – Ex-Mi­nis­ter tritt für CSU auf

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Schozach und Bottwartal - - MEINUNGEN - Von Mar­co Ha­dem und Kath­rin Zeil­mann, dpa

uf die­sen Mo­ment muss­te er lan­ge war­ten. Nun soll es pas­sie­ren: Karl-Theo­dor Ma­ria Ni­ko­laus Jo­hann Ja­cob Phil­ipp Franz Jo­seph Syl­ves­ter Frei­herr von und zu Gut­ten­berg greift wie­der ak­tiv in die deut­sche Po­li­tik ein. Wenn auch (noch) nicht mit ei­nem Amt, so doch zu­min­dest als pro­mi­nen­ter Wahl­kampf­hel­fer der CSU – „mei­ner Fa­mi­lie“, wie er sei­ne Par­tei in­zwi­schen gern nennt. Für sei­nen ers­ten gro­ßen öf­fent­li­chen Auf­tritt ges­tern Abend nach sechs­ein­halb­jäh­ri­ger Ab­sti­nenz hat sich „KT“ein Heim­spiel aus­ge­sucht, bei dem er sich si­cher sein kann, dass al­les nach Plan läuft: Er kommt in sei­nen frü­he­ren Wahl­kreis Kulm­bach. Mehr als 50 Jour­na­lis­ten ha­ben sich an­ge­sagt. In der 1100 Plät­ze fas­sen­den Stadt­hal­le wird es eng wer­den.

Sym­pa­thie In sei­ner Hei­mat ist der leuch­ten­de Stern von „KT“nie ver­glüht. 68,1 Pro­zent der Erst­stim­men hol­te Gut­ten­berg hier bei der Bun­des­tags­wahl 2009 – ein deutsch­land­wei­ter Re­kord. Nach sei­nem Rück­tritt gab es 2011 so­gar Sym­pa­thie­kund­ge­bun­gen – mit Pla­ka­ten wie „Wir wol­len Gut­ten­berg zu­rück“oder „Wir brau­chen dich“. Für die Ober­fran­ken war Gut­ten­berg nicht nur ein Po­li­ti­ker aus ih­rer Mit­te mit ade­li­gen Wur­zeln. Die vom de­mo­gra­fi­schen Wan­del ge­plag­te Re­gi­on in Nor­den Bay­erns ge­noss es, sich in Glan­ze des CSU-Son­ny­boys und sei­ner Frau Ste­pha­nie zu son­nen. Kein Wun­der al­so, dass die Re­gi­on sei­ner Rück­kehr ent­ge­gen­fie­bert, auch wenn da­von of­fi­zi­ell noch kei­ne Re­de war und Gut­ten­berg selbst sie bis­lang aus­schloss.

Gestol­pert ist er sein­er­zeit über ei­ne Pla­gi­ats­af­fä­re. In der Welt zwi­schen Gar­ten­zaun und Fri­sör ist der Te­nor da­zu klar: Die in wei­ten Tei­len ab­ge­schrie­be­ne Dok­tor­ar­beit war ei­ne Pe­ti­tes­se, kein Dra­ma und schon gar kein Rück­tritts­grund.

Re­gi­on „Bei uns in der Re­gi­on hät­ten es die meis­ten Bür­ger ger­ne, wenn er wie­der in die Po­li­tik ein­stei­gen wür­de“, sagt Eu­gen Hain. Er ist Bür­ger­meis­ter der klei­nen Ge­mein­de im Fran­ken­wald, die so heißt wie das Adels­ge­schlecht zu Gut­ten­berg. 500 Ein­woh­ner le­ben am Fu­ße des Schlos­ses Gut­ten­berg. Als „KT“ zum deut­schen Po­lit-Star auf­stieg, wa­ren Me­di­en­ver­tre­ter aus der gan­zen Re­pu­blik zu Gast. In­zwi­schen ist es wie­der ru­hi­ger, Bür­ger­meis­ter Hain küm­mert sich um die Breit­band­ver­sor­gung und den Er­halt des Dor­f­la­dens. Dass Gut­ten­berg sei­ne Se­rie der Wahl­ter­mi­ne hier er­öff­net, er­füllt Kulm­bachs Ober­bür­ger­meis­ter Hen­ry Schramm (CSU) mit Stolz. „Ich den­ke, es ist nach­zu­voll­zie­hen, dass sei­ne ers­te Sta­ti­on sei­ne al­te Hei­mat Kulm­bach ist, in der ihn vie­le Men­schen nach wie vor sehr schät­zen.“Gibt es ein Come­back? „Die Fra­ge kön­nen wohl am bes­ten KT zu Gut­ten­berg selbst und Horst See­ho­fer be­ant­wor­ten.“

Stra­te­gi­sche Fi­gur Apro­pos See­ho­fer: Der macht kei­nen Hehl dar­aus, dass er sich ei­ne Rück­kehr Guttenbergs wünscht. Sind die Wahl­ter­mi­ne al­so zugleich Test­bal­lons für die Be­liebt­heit von „KT“? Nur an wel­cher Stel­le er die­sen sieht, dar­über schweigt sich der CSU-Chef aus. Nicht we­ni­ge in der Par­tei se­hen in Gut­ten­berg ei­ne wich­ti­ge stra­te­gi­sche Fi­gur, mit der See­ho­fer die Macht­am­bi­tio­nen von Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der im Land aus­brem­sen kann. Denn letzt­lich brau­che es da­für ein „Al­pha­tier“, sagt See­ho­fer ger­ne, wes­halb bei der Su­che nach po­ten­zi­el­len Kan­di­da­ten auch schnell der Na­me Gut­ten­berg fällt.

Aber Gut­ten­berg im baye­ri­schen Land­tag? Statt in­ter­na­tio­na­ler Po­li­tik oder er­folg­rei­chem Un­ter­neh­mer-Le­ben in den USA lie­ber in Aus­schüs­sen über den Aus­bau von Land­stra­ßen, Bahn­stre­cken oder Ki­tas dis­ku­tie­ren? Kaum vor­stell­bar zu­dem hat Gut­ten­berg in der CSUFrak­ti­on nicht nur Freun­de: „Ich weiß nicht, als was er sich hier in Bay­ern ein­brin­gen soll“, sagt ein Ab­ge­ord­ne­ter, der sei­nen Na­men lie­ber nicht in der Zei­tung le­sen will.

Fo­to: dpa

Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg macht für die CSU wie­der Wahl­kampf.

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