Lek­ti­on ge­lernt

Der Tod Dia­nas war auch für das bri­ti­sche Kö­nigs­haus ein ein­schnei­den­des Er­leb­nis.

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - MEINUNGEN - Von Ka­trin Pri­byl

Wo wa­ren Sie, als Sie vom Tod Dia­nas er­fah­ren ha­ben? Wie die Ter­ror­an­schlä­ge in den USA am 11. Sep­tem­ber 2001 scheint die­ser Tag, an dem Dia­na starb, für Mil­lio­nen Men­schen in al­ler Welt, aber ins­be­son­de­re in Groß­bri­tan­ni­en, ei­ne Be­zugs­grö­ße in der neue­ren Ge­schich­te zu bil­den – ein Er­eig­nis wie ei­ne his­to­ri­sche Zä­sur.

Kult Das ist be­mer­kens­wert vor al­lem des­halb, weil Dia­na we­der ei­ne of­fi­zi­el­le Funk­ti­on in­ne­hat­te noch für po­li­ti­sche Um­wäl­zun­gen sorg­te, und nicht ein­mal mehr zur roya­len Fa­mi­lie zähl­te, nach­dem die Schei­dung von Prinz Charles voll­streckt war. Trotz­dem ent­stand ein bei­spiel­lo­ser Kult um je­ne Frau, die zu Leb­zei­ten als Iko­ne ge­fei­ert und nach ih­rem Tod als „Kö­ni­gin der Her­zen“glo­ri­fi­ziert wur­de.

Die vom bri­ti­schen Kö­nigs­haus ver­sto­ße­ne Prin­zes­sin dien­te als idea­le Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur, die ei­ner­seits als gla­mou­rö­se Ver­tre­te­rin des Adels und nah­ba­re Wohl­tä­te­rin an­ge­him­melt wur­de und an­de­rer­seits als Ehe­frau und Mut­ter die Freu­den, aber auch das Leid – et­wa be­tro­gen wor­den zu sein – mit Mil­lio­nen Men­schen teil­te. In­dem sie sich ge­gen das auf Tra­di­tio­nen und Zu­rück­hal­tung be­dach­te Kö­nigs­haus auf­lehn­te, ent­zau­ber­te sie in ge­wis­ser Hin­sicht die roya­le Fa­mi­lie. Ihr Tod brach­te dann so­gar die jahr­hun­der­te­al­te Mon­ar­chie ins Wan­ken. Und sorg­te pa­ra­do­xer­wei­se da­für, dass die Wind­sors heu­te so be­liebt da­ste­hen wie sel­ten zu­vor. Denn hin­ter den Pa­last­mau­ern ha­ben sie aus den Feh­lern die­ser Wo­che ge­lernt, als das Volk in Trau­er ver­sank und Kö­ni­gin Eliz­a­beth II., als un­nah­bar, steif und ar­ro­gant be­schimpft, die Stim­mung völ­lig falsch in­ter­pre­tier­te und ih­re Un­ter­ta­nen er­zürn­te.

Ima­ge­scha­den Die Royals fah­ren seit­dem ei­ne mo­der­ni­sier­te PR-Stra­te­gie. Auf be­hut­sa­me Wei­se ha­ben sie den Ima­ge­scha­den re­pa­riert so­wie den Glanz und Pomp wie­der er­strah­len las­sen, der vom bri­ti­schen Kö­nigs­haus in­sze­niert wird wie von kei­nem an­de­ren der Welt. Die „Fir­ma“bie­tet die bes­ten Hoch­zei­ten, Ge­burts­ta­ge, Ju­bi­lä­en und gro­ßen Fes­ti­vi­tä­ten. Schon lan­ge ha­ben sich die Bri­ten mit der Queen ver­söhnt.

Die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on, ins­be­son­de­re Prinz Wil­li­am und die mo­de­be­wuss­te Ka­te mit ih­ren bei­den sü­ßen Kin­dern, lie­fert zu­dem per­fekt cho­reo­gra­fier­te Auf­trit­te ab, die manch­mal an ein Hoch­glanz­ma­ga­zin in Be­wegt­bil­dern er­in­nern. Es gibt kei­ne Skan­da­le wie zu Ro­sen­kriegs­zei­ten An­fang der 90er Jah­re, da­für idyl­li­sches Fa­mi­li­en­glück. Dass die bei­den Prinzen Wil­li­am und Har­ry im­mer wie­der den schwe­ren Pa­last­vor­hang bei­sei­te ge­scho­ben und Emo­tio­nen ge­zeigt ha­ben, hat der Mar­ke eben­falls ge­hol­fen. Als Pro­fis wis­sen al­le Royals und ihr Ap­pa­rat, wie sie die öf­fent­li­che Mei­nung len­ken kön­nen.

Prinz Charles Und so ge­noss so­gar Prinz Charles, der stets von Dia­nas Schat­ten ver­folgt wur­de, bis vor kur­zem un­ge­ahn­te Po­pu­la­ri­tät. Doch Dia­nas Geist ist 20 Jah­re nach ih­rem Tod zu­rück. Da sind sie wie­der, die Ge­schich­ten über den Thron­fol­ger als Ehe­bre­cher. Oder die pein­li­chen Auf­nah­men, in de­nen ihn sei­ne Ex­Frau bloß­stellt. Sei­ne Um­fra­ge­wer­te sind ab­ge­stürzt. Charles’ mit Mü­he auf­ge­bau­tes Image ist erst ein­mal da­hin. Die Hoff­nung bei den Wind­sors dürf­te sein, dass nach dem heu­ti­gen Tag nicht nur Dia­na wie­der ih­re Ru­he fin­det, son­dern auch die roya­le Fa­mi­lie.

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