Trump löst wie­der ei­nen po­li­ti­schen Tsu­na­mi aus

Geg­ner der Begna­di­gung ei­nes um­strit­te­nen She­riffs spre­chen von ei­nem An­griff auf die Ver­fas­sung

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - MEINUNGEN -

Der Auf­schrei ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. „Nie­mand steht über dem Ge­setz“, em­pör­te sich der re­pu­bli­ka­ni­sche Se­na­tor John McCain, in des­sen Hei­mat­staat der selbst­er­nann­te „här­tes­te She­riff Ame­ri­kas“über 23 Jah­re lang sein Un­we­sen trieb. „Ein ge­fähr­li­ches Si­gnal“wer­te­te auch der Spre­cher im Kon­gress, Paul Ryan, den Gna­den­akt noch vor der für Ok­to­ber an­ge­setz­ten Ver­kün­di­gung des Straf­ma­ßes für Joe Ar­paio.

Dem 85-jäh­ri­gen Trump-Un­ter­stüt­zer droh­ten vor­her bis zu sechs Mo­na­te Ge­fäng­nis, weil er sich un- ter Miss­ach­tung der Ver­fas­sung über rich­ter­li­che An­wei­sun­gen hin­weg­ge­setzt hat­te, kei­ne will­kür­li­chen Per­so­nen­kon­trol­len mehr durch­zu­füh­ren.

Der Chef der Po­li­zei im Be­zirk Ma­ri­co­pa er­rich­te­te in der Wüs­te Ari­zo­nas Zelt­la­ger, in de­nen er Ein­wan­de­rer oh­ne Pa­pie­re wie Schwer­ver­bre­cher be­han­del­te. Er zwang die Ge­fan­ge­nen un­ter ih­ren weiß­schwarz ge­streif­ten Sträf­lings­kit­teln ro­sa­far­be­ne Leib­wä­sche zu tra­gen. „Das war die Höl­le“, be­schreibt ei­ner der Be­trof­fe­nen, Fran­cis­co Chai­rez, in der „Wa­shing­ton Post“die Tor­tu­ren.

Trump nennt Ar­paio da­ge­gen ei­nen vor­bild­li­chen Ord­nungs­hü­ter, der ei­nen „be­wun­derns­wer­ten Di­enst an un­se­rer Na­ti­on“ge­leis­tet ha­be. Der im No­vem­ber von den Bür­gern „Ma­ri­co­pa Coun­ty“ab­ge­wähl­te She­riff ha­be über mehr als ein hal­bes Jahr­hun­dert die Öf­fent­lich­keit vor den „Gei­ßeln des Ver­bre­chens und der il­le­ga­len Ein­wan­de­rung“ge­schützt.

Wäh­rend die Na­ti­on von Hur­ri­kan „Har­vey“ab­ge­lenkt war, mach­te Trump nach nur sie­ben Mo­na­ten im Amt erst­mals von sei­nem Recht der Begna­di­gung Ge­brauch. Der She­riff be­dank­te sich in ei­nem In­ter­view mit der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters für den Gna­den­akt. „Er ist ein gro­ßer Un­ter­stüt­zer der Straf­ver­fol­gung“. Rechts­ex­per­ten wie Pro­fes­sor Mar­tin H. Re­dish von der Nor­thwes­tern Uni­ver­si­ty er­ken­nen in dem „Par­don“Trumps da­ge­gen ei­nen wei­te­ren An­griff auf die Ver­fas­sung. „Mit ei­nem zur Waf­fe ge­mach­ten Recht auf Begna­di­gung kann Prä­si­dent Trump, oder je­der an­de­re Prä­si­dent, den ein­klag­ba­ren Schutz von Ver­fas­sungs­rech­ten um­ge­hen“.

Genau das hat­te Trump mit Blick auf die Er­mitt­lun­gen in der Russ­land-Af­fä­re an­ge­deu­tet, als er sei­nen be­dräng­ten Ge­folgs­leu­ten ein „Par­don“in Aus­sicht stell­te. „Al­le stim­men über­ein, dass der US-Prä­si­dent das un­ein­ge­schränk­te Rech­te für Begna­di­gun­gen hat.“

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