CDU-Mann mit Vor­lie­be für grü­ne Kra­wat­ten

Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Hauk be­treibt ei­nen hoch­tou­rigen Po­li­tik­stil

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - BADEN-WÜRTTEMBERG -

Die Pla­kat­ak­ti­on ge­gen die Afri­ka­ni­sche Schwei­ne­pest ent­lang der Au­to­bahn A 6 wür­de ei­gent­lich gut zum Po­li­tik­stil von Pe­ter Hauk pas­sen. Denn der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Land­wirt­schafts­mi­nis­ter hat ein Ge­spür da­für, wel­che The­men für Auf­merk­sam­keit sor­gen. Doch die Idee für die War­nun­gen vor der hoch an­ste­cken­den Tier­seu­che hat­te sein Ber­li­ner Kol­le­ge Chris­ti­an Schmidt (CSU). Hauk konn­te nur noch per Pres­se­mit­tei­lung sei­ne Un­ter­stüt­zung si­gna­li­sie­ren. „Schon ein von ei­nem Lkw-Fah­rer weg­ge­wor­fe­nes Le­ber­wurst­brot kann das Vi­rus über wei­te Stre­cken ver­brei­ten“, be­tont Hauk. Er wer­de je­den­falls ge­mein­sam mit den Jä­gern ei­ne Prä­ven­ti­ons­stra­te­gie er­ar­bei­ten.

Hauk ar­bei­tet mit ho­her Schlag­zahl, selbst in den Som­mer­fe­ri­en. Die Gren­zen sei­nes eher klei­nen Mi­nis­te­ri­ums brem­sen den Mann, der mit grü­nen Kra­wat­ten sei­ne Ver­bun­den­heit zur Na­tur aus­drü­cken will, nicht. Der ge­lern­te Förs­ter ver­steht sich als „ech­ter Grü­ner“, zur Not aber auch als po­li­ti­scher Prell­bock ge­gen­über dem grü­nen Ko­ali­ti­ons­part­ner. Noch be­vor sich der ers­te Wolf im Süd­wes­ten an­ge­sie­delt hat, denkt der CDUMann laut über den Ab­schuss des Raub­tiers nach.

Dass sich Ar­ten­schüt­zer und Grü­nen-An­hän­ger auf­re­gen, nimmt der Hob­by­jä­ger ger­ne in Kauf. Ihm geht es um die Stim­mung nicht nur der Land­wir­te son­dern der bür­ger­li­chen Wäh­ler. „Die Po­li­tik muss rea­lis­tisch sein“, wen­det er sich ge­gen die Ro­man­ti­sie­rung des Wol­fes. Ihm sei­en die Wei­de­hal­tung und die da­von ab­hän­gi­ge Kul­tur­land­schaft wich­ti­ger als der Wolf, der genau die­se ge­fähr­de.

Na­tür­lich weiß der Po­li­ti­k­rou­ti­nier, dass lau­te Dis­kus­sio­nen um den Wolf oder den Ab­schuss von Bi­bern sehr viel mehr Schlag­zei­len pro­du­zie­ren als sein Kampf ge­gen die Dün­ge­mit­tel­ver­ord­nung, die hei­mi­sche Bau­ern auf die Pal­me bringt und bei je­dem sei­ner Auf­trit­te vor Ort zu lau­ten Kla­gen führt. „Wir hät­ten den Zin­no­ber nicht ge­braucht“, schimpft er. Seit Jahr­zehn­ten ge­be es im Süd­wes­ten Vor­schrif­ten zur Dün­gung in Was­ser­schutz­ge­bie­ten und ent­spre­chend klein sei­en die Pro­ble­me. Trotz­dem ha­be der Bund die­se neue Ver­ord­nung den Län­dern über­ge­stülpt: „Ich be­fürch­te, dass die De­tail­ver­ses­sen­heit der To­des­stoß für un­se­re bäu­er­li­chen Fa­mi­li­en­be­trie­be wird.“

Die Stim­mung im Nähr­stand ist schlecht, stellt Hauk fest. Das ist ein Pro­blem für ihn. Denn für die CDU hat er ei­ne stra­te­gi­sche Schlüs­sel­stel­lung in­ne. Ihm fällt die Auf­ga­be zu, den Vor­marsch der Grü­nen in länd­li­chen Re­gio­nen zu stop­pen. Aus die­ser Front­stel­lung er-

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.