Plan­schen im Re­ak­tor­was­ser

El­frie­de Je­lineks „Kein Licht“bei der Ruhr­tri­en­na­le

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - KULTUR -

vor schon ein Stück ge­schrie­ben. Zu je­nem Zeit­punkt wa­ren Trumps ak­tu­el­le nu­klea­re Dro­hun­gen ge­gen Nord­ko­rea noch gar nicht er­folgt. Das Atomthe­ma ha­be sich „im Ver­lau­fe des Ent­ste­hungs­pro­zes­ses noch ein­mal sehr er­wei­tert“, sagt Dra­ma­turg Boe­nisch. Für man­che wä­re es der größ­te Alp­traum, wenn die Rea­li­tät das Stück über­holt. Ma­nou­ry aber stört das nicht. Er hat mit sei­ner Par­ti­tur ei­ne kon­ge­nia­le Ent­spre­chung zu Je­lineks Tex­tSt­ein­brü­chen ge­fun­den.

Sie be­steht aus 31 Mo­du­len und konn­te wäh­rend der Pro­ben ein­fach ver­än­dert wer­den. „Wenn ein an­de­rer Re­gis­seur sich das Ma­te­ri­al vor- nimmt, kann er es an­ders an­ord­nen. Das Werk bleibt of­fen“, er­klärt Ma­nou­ry. Dra­ma­turg Boe­nisch spricht von ei­ner neu­en Form Oper, die Ma­nou­ry für die Ruhr­tri­en­na­le ent­wi­ckelt hat: „Das ist wirk­lich ei­ne gro­ße Neue­rung im Be­reich der Oper, dass das Li­bret­to und die Par­ti­tur so fle­xi­bel sind, noch wäh­rend des Pro­ben­pro­zes­ses zu wach­sen, zu re­agie­ren oder auch zu agie­ren.“

Das Kon­zept und Sin­nes-Sperr­feu­er die­ses Abends sind am­bi­tio­niert. Und sie funk­tio­nie­ren. Wer sich vor Györ­gy Li­ge­tis Film­mu­sik in „2001 – Odys­see im Welt­raum“nicht gru­selt, ver­lässt auch die­sen künst­le­ri­schen Grenz­gang in Duis­burg mit wun­den Hirn­win­dun­gen und wil­den As­so­zia­tio­nen. Am 1., 2. und 3. Sep­tem­ber gibt es noch­mals „Kein Licht“.

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