Nach­hal­ti­ges Er­folgs­er­leb­nis zum Sai­son­en­de

Ma­rie-Lau­rence Jung­flflflfleisch springt zwei Me­ter und ist die ers­te Frau, die drei­mal in Se­rie ju­belt

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - SPORT - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Ste­fa­nie Wahl

Zwei Rech­nun­gen hat der Ma­na­ger vor­be­rei­tet. Ei­ne mit ei­nem Er­geb­nis von zwei Me­tern, die zwei­te mit ei­ner nied­ri­ge­ren Hö­he. „Ich ha­be die Ver­si­on mit den zwei Me­tern nicht mal aus­ge­druckt“, sagt Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch, „so un­wahr­schein­lich war es für mich, dass ich das schaf­fe.“Sie packt es aber doch. Wie­der in Eber­stadt, ih­rem Lieb­lings­mee­ting. Und wie. Mit ei­nem tech­nisch sau­be­ren Satz im drit­ten Ver­such – selbst an ih­rer per­sön­li­chen Best­leis­tung schei­tert die 26-Jäh­ri­ge am Sams­tag­nach­mit­tag nur knapp.

„Es tut schon ein biss­chen weh, die 2,02 Me­ter nicht ge­sprun­gen zu sein“, sagt die Frau vom VfB Stuttgart da­nach. Ihr An­spruch ist es nun mal, sich je­des Jahr zu stei­gern. Auch, wenn es nur ei­nen oder zwei Zen­ti­me­ter sind. „Aber zwei Me­ter am Sai­son­en­de sind wirk­lich su­per.“

Weil kei­ne leich­te Zeit hin­ter Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch liegt. Seit März schmerzt die Achil­les­seh­ne, an in­ten­si­ve Tech­nik­ein­hei­ten mit ih­rem Trai­ner Ta­mas Kiss ist nicht zu den­ken. Ein­zig in den Wett­kämp­fen springt sie kraft­voll. Bei der WM in Lon­don qua­li­fi­ziert sich Deutsch­lands Bes­te, ver­un­si­chert durch ein schlech­tes Ein­sprin­gen, ge­ra­de so fürs Fi­na­le. Platz vier wird es. Glück fühlt sich an­ders an.

Doch die Eber­fürst Are­na ist für Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch ei­ne aus­ge­spro­che­ne Wohl­fühl­zo­ne. Die sym­pa­thisch be­schei­de­ne Ath­le­tin liebt die hei­me­li­ge At­mo­sphä­re, ge­nießt es, ih­re El­tern und Fa­mi­lie auf der Tri­bü­ne zu wis­sen und wim­melt selbst die zahl­rei­chen Au­to­gramm­jä­ger nicht ab.

„Das gibt ihr Kraft, dass wir al­le da wa­ren“, sagt ihr Pa­pa Lu­ci­en vol­ler Stolz und po­siert für Fo­tos, „das ist gut für ih­re See­le.“Ma­ma Ni­co­le, wann im­mer es mach­bar ist, drückt auch sie die Dau­men, ist nicht min­der er­freut. Sie er­in­nert sich. „Mit elf ist Ma­rie-Lau­rence bei den Bun­des­ju­gend­spie­len auf­ge­fal­len, dann ha­be ich sie in St. Ge­or­gen den Leicht­ath­le­tik-Ver­ein ge­schickt.“

Um auf den Tag genau 40 Jah­re nach Ro­se­ma­rie Acker­mann, der Olym­pia­sie­ge­rin von Mon­tréal und ers­ten Frau, die die zwei Me­ter über­sprun­gen hat, sich über die­sel­be Hö­he zu freu­en. Zwei As­se, viel Zeit da­zwi­schen. Was hat sich ge­än­dert? „Zu­min­dest die Wäh­rung“, sagt Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch und sorgt da­mit für La­cher. Für sie zählt im Mo­ment an­de­res. Die Sport­sol­da­tin ge­winnt zum drit­ten Mal in Se­rie in Eber­stadt. Das darf seit der Frau­en­P­re­mie­re 2002 kei­ne an­de­re Ath­le­tin für sich be­an­spru­chen. Und das am En­de ei­nes lan­gen Leicht­ath­le­tik­jah­res.

Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch ent­schei­det wie im Vor­jahr das Du­ell mit Ka­mi­la Licwin­ko für sich, nach­dem die Bri­tin Mor­gan La­ke und Ju­lia Lewt­schen­ko aus der Ukrai­ne an 1,94 Me­ter schei­tern. Ei­ne Re­van­che da­für, dass ihr die Po­lin in Lon­don die Bron­ze­me­dail­le weg­ge­schnappt hat. Die ge­lern­te Kin­der­gärt­ne­rin zeigt oben­drein Biss. Ka­mi­la Licwin­ko über­springt im zwei­ten Ver­such 1,96 Me­ter – Jung­fleisch kon­tert prompt. Ein Knack­punkt des Wett­be­werbs. „Ich woll­te das ein­fach ganz fest“, sagt sie und ist be­reit für ein Po­ker­spiel­chen. Die 1,98 Me­ter las­sen bei­de aus.

Dann die zwei Me­ter. Im drit­ten An­lauf pas­sen die Schrit­te, der Ab­sprung, die Steig- wie Flug­pha­se und die Lan­dung auf dem hell­grau­en Weich­ling. Strah­lend läuft Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch – be­glei­tet vom Ap­plaus der knapp 800 Zu­schau­er – ih­rem Trai­ner in die Ar­me. Er ist zu­letzt zwei Wo­chen im Ur­laub ge­we­sen, sei­ne Ath­le­tin hat sich al­lei­ne vor­be­rei­tet. Und doch zeigt die­ser in­ni­ge Mo­ment, wie gut sie har­mo­nie­ren.

„Hier ist die Lo­cker­heit da, die in Lon­don ge­fehlt hat“, sagt Ta­mas Kiss, „der Spaß, die Stim­mung und die Mu­sik.“Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch läuft zu ka­ri­bi­schen Klän­gen an. So weit zieht es sie in den Ur­laub nicht. Rich­tung Ita­li­en wird sie mit ih­rem Freund fah­ren. Haupt­sa­che Ru­he. Ein paar Wo­chen Pau­se „nichts von Hoch­sprung hö­ren“, sagt Jung­fleisch. Dar­auf freut sie sich. Erst im Ok­to­ber geht es wie­der los. Das Ziel: Die Heim-EM in Ber­lin 2018. „Dort ei­ne Me­dail­le zu ho­len, ist so schwie­rig wie bei der WM. Die Bes­ten kom­men aus Eu­ro­pa.“

Hoch­sprung-Äs­t­he­tik: Ma­rie-Lau­rence Jung­fleisch bei der Lat­ten­über­que­rung. Die 26-Jäh­ri­ge schafft un­term Eber­fürst er­neut die zwei Me­ter. Fo­to: Andre­as Vei­gel

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.