Das En­de der War­te­zeit

Die Neu­zu­gän­ge Ao­go und Bad­stu­ber fun­gie­ren beim 1:0 des VfB ge­gen Mainz als Match­win­ner

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - SPORT - Von un­se­rem Re­dak­teur Flo­ri­an Hu­ber

Der VfB ist wie­der da“, dröhn­te es am Sams­tag um 17.25 Uhr aus tau­sen­den schwä­bi­schen Klang­kör­pern. Er­leich­te­rung be­glei­te­te die In­to­na­ti­on der schwä­bi­schen Fan-Ode an die erst­klas­si­ge Freu­de. 1:0 ge­gen den FSV Mainz 05. Die ers­ten drei Punk­te der Sai­son sind für den Erst­li­ga-Rück­keh­rer ver­bucht. „Genau so kann ein Sams­tag­mit­tag sein“, strahl­te Trai­ner Han­nes Wolf über sein ers­tes Sams­tags-Heim­spiel mit dem VfB Stuttgart vor 53 150 Zu­schau­ern. Nach dem bis Sams­tag letz­ten Erst­li­ga­heim­auf­tritt am 7. Mai 2016, ei­nem 1:3 ge­gen den FSV Mainz, stand einst der Ab­stieg prak­tisch fest. „Wir sind Stutt­gar­ter und ihr nicht“, schall­te es da­mals durch die Are­na. Jetzt sin­gen sie wie­der da­von, al­le Stutt­gar­ter Jungs zu sein.

Der VfB ist an­ge­kom­men in der deut­schen Fuß­bal­lBel­eta­ge. Lan­ge, lan­ge war der letz­te Erst­li­ga­sieg her. 77 Wo­chen um genau zu sein. Ein 5:1 ge­gen die TSG Hof­fen­heim An­fang März lös­te letzt­mals Bun­des­li­ga-Glücks­ge­füh­le beim Stutt­gar­ter An­hang aus. „Der Sieg heu­te war wich­tig, da­mit je­der sieht, dass wir auch in der Bun­des­li­ga sie­gen kön­nen“, sag­te Zweit­li­ga­tor­schüt­zen­kö­nig Si­mon Te­rod­de.

Der Glück­lichs­te un­ter den glück­li­chen Stutt­gar­ter Ak­teu­ren hieß Hol­ger Bad­stu­ber. Zum ers­ten Mal seit 2822 Ta­gen (oder acht Jah­ren) er­ziel­te der Ver­tei­di­ger ein Bun­des­li­ga­tor. Im Ab­schluss­trai­ning hat­te der VfB noch ein­mal Stan­dard­si­tua­tio­nen trai­niert. Durch­aus er­folg­reich.

Die bei­den zu­letzt Ver­eins­lo­sen wa­ren für das Tor des Tages ver­ant­wort­lich. Den­nis Ao­gos Eck­ball von der lin­ken Sei­te wuch­te­te Hol­ger Bad­stu­ber in der 53. Mi­nu­te per Kopf­ball ins Main­zer Tor. Vorm VfBF­an­block ju­bel­te der ehe­ma­li­ge VfBJu­gend­spie­ler wil­der als je zu­vor. „Als Ver­tei­di­ger triffst du nicht täg­lich. Da ist es schön, die Emo­tio­nen raus zu las­sen“, sag­te der 28-Jäh­ri- ge. Der VfB, das könn­te der Ver­ein für Bad­stu­ber wer­den. Glaubt zu­min­dest auch der Ma­na­ger Micha­el Reschke. „Ein fit­ter Hol­ger Bad­stu­ber – und so, wie er ge­spielt hat, ist er fit – ist ein Bun­des­li­ga-Spit­zen­spie­ler“, lob­te der neue Sport­boss den neu­en Ab­wehr­boss, der als Kom­mu­ni­ka­tor und An­trei­ber dem Stutt­gar­ter Spiel nicht nur ei­nen ord­nen­den Fuß ver­leiht.

Die bei­den ab­lö­se­frei­en Neu­zu­gän­ge be­trie­ben beim 1:0 ge­gen Mainz Wer­bung in ei­ge­ner Sa­che. Auf dem Platz und da­ne­ben. „In der Ge­schich­te gab es nicht so vie­le Mann­schaf­ten, die nur mit 19-Jäh­ri­gen in der Li­ga be­stan­den ha­ben. Die Mi­schung macht es“, sag­te der 30-jäh­ri­ge Den­nis Ao­go.

Nur jun­ge Hüp­fer, das haut nicht hin. Es braucht auch al­te Ha­sen. „Wir ha­ben die Ver­ant­wor­tung, die Jun­gen zu füh­ren. Die Jun­gen zu ent­las­ten. Dass sie frei auf­spie­len kön­nen“, sag­te Hol­ger Bad­stu­ber und füg­te an: „Bei ein­hun­dert Pro­zent bin ich noch nicht.“Das Er­staun­li­che: Für ein­hun­dert Pro­zent ge­won­ne­ne Zwei­kämp­fe wie ge­gen Mainz reicht es aber schon.

Bad­stu­ber und Ao­go ha­ben sich schnel­ler als er­war­tet ei­nen Platz in der An­fangs­for­ma­ti­on er­spielt, Trai­ner Wolf hat­te mit bei­den ei­gent­lich erst in zwei, drei Wo­chen ge­plant, da sie als Ver­trags­lo­se lan­ge nur in­di­vi­du­ell trai­niert hat­ten. „Ich bin schon lan­ge ge­nug da­bei, um zu wis­sen, wie man fit bleibt“, sag­te Hol­ger Bad­stu­ber, das Steh-Auf-Männ­chen un­ter den deut­schen Fuß­bal­lern, des­sen Kran­ken­ak­te be­stimmt di­cker ist als das Te­le­fon­buch von Stuttgart. „Er ist seit ei­nem Jahr ge­sund. Die Schal­ker ha­ben sein Knie ge­checkt, wir auch. Da ist gar nichts“, be­ton­te Han­nes Wolf.

In ei­nem eher schwa­chen Erst­li­ga­spiel war der VfB das bes­se­re Team und ver­dien­te sich die drei Punk­te. Weil die Um­stel­lung auf ei­ne Ab­wehr-Drei­er­ket­te funk­tio­nier­te und die auch in Li­ga zwei im­mer wie­der wack­li­ge De­fen­si­ve die­ses Mal dicht hielt. Nach vor­ne gibt es zwei­fels­oh­ne noch ei­ni­gen Op­ti­mie­rungs­be­darf wäh­rend der Bun­des­li­ga­pau­se. Si­mon Te­rod­de er­wisch­te nicht nur we­gen sei­nes ver­schos­se­nen Elf­me­ters in Mi­nu­te 81 ei­nen zweit­klas­si­gen Tag.

Stutt­gar­ter Fei­er­tag beim Ju­bel übers 1:0 ge­gen Mainz: Die 77 lan­gen Wo­chen oh­ne Bun­des­li­ga­sieg des VfB Stuttgart sind be­en­det. Fo­to: dpa

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