Die Wiesn von A bis Z

Heu­te star­tet das be­rühm­te Ok­to­ber­fest

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - BLICK IN DIE WELT - Von Sa­bi­ne Do­bel, dpa

No­agerl? Gs­pu­si? Ita­lie­ner-Wo­che­n­en­de? Das Ok­to­ber­fest in Mün­chen ist ei­ne ei­ge­ne Welt – mit spe­zi­el­ler Spra­che und ei­ge­nen Ge­bräu­chen. Das Fest be­ginnt mit dem An­stich. Aber wann ist Zap­fen­streich? Ein Wiesn-ABC – zum 184. Münch­ner Ok­to­ber­fest vom 16. Sep­tem­ber bis 3. Ok­to­ber 2017.

wie An­stich: Um Punkt zwölf Uhr sticht der Münch­ner Ober­bür­ger­meis­ter am ers­ten Wiesn-Sams­tag in der An­zapf­bo­xe im Schot­ten­ha­mel-Zelt das ers­te Fass an und ruft: „O’zapft is!“

wie Bier und Brezn: Bil­den ei­ne Art Cor­po­ra­te Iden­ti­ty des Fes­tes. Kein Wiesn-Pla­kat kommt oh­ne Bil­der von Brezn und Bier­krü­gen aus.

C wie Cam­ping: Ein Hots­pot ist wäh­rend des Fes­tes der Cam­ping­platz in Thal­kir­chen. Vor­zugs­wei­se Aus­tra­li­er le­ben dort in Zel­ten. In Cam­pern kom­men die Ita­lie­ner, sie par­ken gern nah am Fest­ge­län­de.

D wie Dirndl: Gibt es bil­lig rund ums Fest­ge­län­de. Mit Land­haus­mo­de hat­te der Trach­ten­hype be­gon­nen und über un­tra­di­tio­nel­le Mi­ni­dirndl zu­letzt zu ei­nem et­was ge­ho­be­ne­ren Stil ge­führt. In­si­der mei­nen al­ler­dings: Die Pracht der Tracht ver­blasst lang­sam wie­der.

E wie Es­sen: Wa­gen­la­dun­gen da­von wer­den ver­zehrt. Mehr als hun­dert Och­sen, fast 60 Käl­ber, gut 360 000 Hendl und mehr als 28 Ton­nen ge­brann­te Man­deln ver­speis­ten Gäs­te im Jahr 2016.

F wie Flir­ten: Flir­ten ge­hört zur Wiesn wie Brezn, Bier und Blas­mu­sik.

G wie Gs­pu­si: Klappt es mit dem Flir­ten, hat man – für min­des­tens ei­nen Abend – ein Gs­pu­si.

H wie Hü­gel: Im Win­ter fah­ren Kin­der mit dem Schlit­ten hin­un­ter, zur Wies­nZeit geht es auf dem Hü­gel hin­ter den Zel­ten nicht ge­ra­de ju­gend­frei zu. Paa­re kom­men sich nä­her, Wiesngäs­te er­leich­tern ih­re Bla­se oder ih­ren Ma­gen, man­che schla­fen dort ih­ren Rausch aus. Mit ver­stärk­ten Kon­trol­len ist hier al­ler­dings mehr Ord­nung ein­ge­kehrt.

I wie Ita­lie­ner-Wo­che­n­en­de: Das mitt­le­re der drei Wiesn-Wo­chen­en­den gilt tra­di­tio­nell als be­su­cher­stärks­tes – und Zehn­tau­sen­de ita­lie­ni­sche Gäs­te tra­gen ih­ren Teil da­zu bei.

J wie Ju­bel: Er bran­det auf, wenn der Ober­bür­ger­meis­ter das ers­te Fass an­ge­zapft hat und das Bier end­lich in Strö­men fließt.

K wie Kä­fer­zelt: Hier knutsch­ten die Ef­fen­bergs, und zum tra­di­tio­nel­len Wiesn-Be­such des FC Bay­ern brin­gen die Spie­ler ih­re Frau­en mit. Das nach der Wirts­fa­mi­lie Kä­fer be­nann­te Zelt am En­de der Bier­stra­ße ist no­bel und das Pro­mi-Zelt Num­mer eins.

L wie Leb­ku­chen­herz: Spatzl, Mau­si oder der schlich­te „Gruß vom Ok­to­ber­fest“– wer oh­ne Leb­ku­chen­herz von der Wiesn nach Hau­se geht, ist selbst schuld.

M wie Maß: Die Maß ist weib­lich und sie wird mit kur­zem a und schar­fem s ge­spro­chen. Wer „ein Maaaß Bier“be­stellt, ou­tet sich so­fort als Zu­g­ro­as­ter. 6,6 Mil­lio­nen Maß tran­ken die Gäs­te 2016. Die Prei­se rei­chen 2017 von 10,60 Eu­ro bis 10,95 Eu­ro pro Maß Bier.

N wie No­agerl: Der un­ap­pe­tit­li­che Rest in der Maß heißt No­agerl und teilt die Welt in drei Ty­pen von Trin­kern: Die, die auf den letz­ten Schluck ver­zich­ten, die, die ihn trin­ken, und die, die ihn gleich in die nächs­te Maß kip­pen.

O wie Öff­nungs­zeit: Kom­pli­ziert. Ab neun Uhr dür­fen Gäs­te aufs Fest­ge­län­de. Der Bier­aus­schank be­ginnt an Wo­chen­en­den um neun Uhr, un­ter der Wo­che um zehn Uhr. Fahr­ge­schäf­te ma­chen um zehn Uhr auf. Schluss mit Mu­sik und Bier ist je nach Zelt zwi­schen 22.30 Uhr und 0.30 Uhr, bei den Schau­stel­lern en­det der Be­trieb zwi­schen 23.30 und 24 Uhr.

P wie Pro­sit der Ge­müt­lich­keit: Es ist der Wiesn-Gas­sen­hau­er schlecht­hin. Wenn er er­tönt, heißt es: Hoch die Krü­ge und gsuf­fa.

Q wie Quiz: Sind Sie fit für die Wiesn? Spre­chen Sie Baye­risch? Vor dem Fest kur­sie­ren al­ler­lei Fra­ge­bö­gen, wo­bei das Ab­schnei­den bei den Tests kei­ner­lei Kon­se­quenz für den Wies­nbe­such hat.

R wie Re­ser­vie­rung: Sie ist an sich kos­ten­frei, die meis­ten Zel­te ver­lan­gen aber den Kauf von Ver­zehr­gut­schei­nen, et­wa für zwei Maß Bier und ein Hendl. Im In­ter­net wer­den Re­ser­vie­run­gen aber zu as­tro­no­mi­schen Prei­sen ge­han­delt, 3000 bis 6000 Eu­ro für ei­nen Zeh­ner­tisch kann man los­wer­den.

S wie Si­cher­heit: All­jähr­lich wird das Si­cher­heits­kon­zept an­ge­passt. Seit 2016 sind Ta­schen und Ruck­sä­cke mit mehr als drei Li­tern Vo­lu­men ver­bo­ten. Das Fest­ge­län­de ist ein­ge­zäunt. Ord­ner kon­trol­lie­ren Be­su­cher an den Ein­gän­gen. Zu den Neue­run­gen 2017 zählt ei­ne Laut­spre­cher­an­la­ge, um Gäs­te bei Alarm bes­ser zu lei­ten.

T wie Ter­ror­sor­gen: Sie er­reich­ten die Wiesn 2009. Das Ter­ror­netz­werk Al Kai­da hat­te in ei­nem Droh­video den Haupt­ein­gang des Volks­fes­tes ge­zeigt. Pol­ler und Be­ton­sper­ren wur­den da­mals als Schutz vor An­grif­fen mit Au­tos in­stal­liert. Da­mals al­ler­dings dach­te man an Au­to­bom­ben. Heu­te gilt die Sor­ge auch Last­wa­gen oh­ne Spreng­stoff.

U wie Um­satz: Wer wie viel ver­dient auf der Wiesn, ist ein gro­ßes Ge­heim­nis. Al­ler­dings müs­sen die Wir­te die­ses Jahr ih­re Um­sät­ze ge­gen­über der Stadt of­fen­le­gen. Denn um die er­höh­ten Kos­ten für die Si­cher­heit zu fi­nan­zie­ren, wer­den sie mit ei­ner Um­satz­pacht zur Kas­se ge­be­ten.

V wie Voll­rausch: Auch wenn die Ver­ant­wort­li­chen im­mer wie­der den tra­di­tio­nel­len Cha­rak­ter der Wiesn be­to­nen: Für vie­le ist sie in ers­ter Li­nie das größ­te Bier­fest der Welt, das ent­spre­chend oft im Voll­rausch en­det.

W wie Wein­zelt: Kaum zu glau­ben, aber nicht übe­r­all auf der Wiesn gibt es Bier aus Maß­krü­gen. Im Wein­zelt trinkt man – wie der Na­me schon sagt – Wein. Aber nicht aus dem Maß­krug. Au­ßer­dem gibt es Weiß­bier.

X wie xuf­fa: Nicht die ge­bräuch­lichs­te Schreib­wei­se. Aber wenn es zur Wiesn wie­der heißt „oans, zwoa, drei...“, dann kann der bier­se­li­ge Münch­ner „gsuf­fa“ru­fen oder eben auch „xuf­fa“. Rein gram­ma­ti­ka­lisch ist „xuf­fa“(oder „gsuf­fa“) das Par­ti­zip Per­fekt von „sau­fen“. Fak­tisch ist es ein Im­pe­ra­tiv und for­dert auf, die Maß Bier kra­chend ge­gen ei­ne an­de­re zu don­nern und ei­nen tie­fen Schluck zu neh­men.

Y wie Yo­ko­ha­ma und Yan­gon: Die Wiesn ist ein Ex­port­schla­ger. So­gar in Yan­gon in Myan­mar und in Yo­ko­ha­ma in Ja­pan gibt es ein Ok­to­ber­fest.

Z wie Zap­fen­streich: Um 22.30 Uhr ist in den meis­ten gro­ßen Zel­ten Schluss: Ab dann gibt es kein Bier mehr. Die letz­te St­un­de ver­brin­gen die Ord­nungs­kräf­te vor al­lem da­mit, Be­trun­ke­ne aus den Zel­ten zu trei­ben.

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