Ris­kan­tes Heils­ver­spre­chen

Hef­ti­ger Streit über den Ein­satz von Metha­don in der Krebs­the­ra­pie – Ärz­te war­nen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - HIN­TER­GRUND -

Das Zu­sam­men­wach­sen der Deut­schen in Ost und West kommt nach ei­ner ak­tu­el­len Um­fra­ge seit 2011 nur in Mi­ni-Schrit­ten vor­an. In der Be­fra­gung des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts For­sa sag­te nur je­der Zwei­te, die Men­schen sei­en 27 Jah­re nach der Deut­schen Ein­heit zu ei­nem Volk zu­sam­men­ge­wach­sen. Im Sep­tem­ber 2011 lag die­ser Wert laut Um­fra­ge bei 47 Pro­zent. Ak­tu­ell be­ton­ten 46 Pro­zent, das Tren­nen­de über­wie­ge noch (2011: 50 Pro­zent). Zwi­schen dem 13. und 21. Sep­tem­ber wur­den bun­des­weit 1037 Men­schen be­fragt. Die Stif­tung zur Au­f­ar­bei­tung der SED-Dik­ta­tur hat­te die Um­fra­ge in Auf­trag ge­ge­ben.

Ge­schäfts­füh­re­rin An­na Ka­mins­ky sag­te, „die in­ne­re Ein­heit kommt nicht von heu­te auf mor­gen, aber sie kommt“. Seit 2003 sei der Trend zu be­ob­ach­ten, dass die Men­schen zu­neh­mend ge­samt­deutsch den­ken. „Wir als Bun­des­stif­tung wer­den die­se Ent­wick­lung wei­ter­hin för­dern.“In den ost­deut­schen Bun­des­län­dern ist der An­teil der Skep­ti­ker mit 55 Pro­zent laut Be­fra­gung hö­her als in den west­deut­schen Län­dern (45 Pro­zent), sank ge­gen­über 2011 aber deut­lich. Da­mals wa­ren noch 67 Pro­zent der ost­deut­schen Be­frag­ten der Mei­nung, dass das Tren­nen­de über­wie­ge.

Deut­li­che Un­ter­schie­de der An­sich­ten gibt es auch zwi­schen Jung und Alt. Wäh­rend ins­ge­samt 65 Pro­zent der 14- bis 21-Jäh­ri­gen be­jah­ten, dass die Deut­schen zu ei­nem Volk zu­sam­men­ge­wach­sen sind, mein­ten dies in der Al­ters­grup­pe der über 60-Jäh­ri­gen nur 40 Pro­zent.

Laut Um­fra­ge sind 57 Pro­zent der Bun­des­bür­ger für ei­ne wei­te­re Au­f­ar­bei­tung der SEDDik­ta­tur. 37 Pro­zent hal­ten das dem­nach nicht mehr für not­wen­dig. Der Rest mach­te kei­ne An­ga­ben. Auf­fäl­lig war, dass sich die Be­frag­ten mit Abitur und Stu­di­um am häu­figs­ten für die wei­te­re Au­f­ar­bei­tung der Ver­gan­gen­heit aus­spra­chen (68 Pro­zent), bei Men­schen mit Haupt­schul­ab­schluss wa­ren es nur 40 Pro­zent. Die Grup­pe der 14- bis 21-Jäh­ri­gen war am meis­ten da­für, sich nicht wei­ter mit der DDR-Ver­gan­gen­heit aus­ein­an­der­zu­set­zen. de­nen Pa­ti­en­ten ih­re Ge­schich­ten tei­len und Ärz­te auf­lis­ten, die be­reit sind, das Prä­pa­rat zu ver­schrei­ben. Me­di­zi­ner wie der Heil­bron­ner SLKChe­fon­ko­lo­ge Pro­fes­sor Uwe Mar­tens be­rich­ten von ei­ner „Pu­b­li­ci­ty­Wel­le“, die auch ihn über­rollt ha­be. „So et­was ha­be ich noch nie er­lebt.“Über 80 Pro­zent sei­ner Pa­ti­en­ten frag­ten nach dem Mit­tel. Da­bei sei das Gan­ze „ziem­lich un­säg­lich“.

Ur­sprung: Die ver­meint­li­che Sen­sa­ti­ons­mel­dung geht zu­rück auf die Ar­beit ei­ner Che­mi­ke­rin am In­sti­tut für Rechts­me­di­zin der Uni­k­li­nik Ulm. In La­b­or­tests will sie ent­deckt ha­ben, dass Metha­don Krebs­zel­len zer­stö­ren kann und in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Che­mo­the­ra­pie wie ein Ver­stär­ker wirkt. Seit­dem wirbt sie für die wei­te­re Er­for­schung des Dro­gen­er­satz­stoffs in der Krebs­the­ra­pie. Sol­che und ähn­li­che Hin­wei­se ge­be es stän­dig, sagt Mar­tens. „Von der Art ha­be ich zig Dok­tor­ar­bei­ten in der Schub­la­de“. Doch es brau­che jah­re­lan­ge For­schung, be­vor man sol­che Ver­mu­tun­gen be­le­gen kön­ne. „Ich weiß nicht, war­um man das so nach außen trägt, ob­wohl es kei­ner­lei Be­wei­se für ei­ne Wirk­sam­keit gibt“, sagt er. Auch Fach­ge­sell­schaf­ten wie die Deut­sche Ge­sell­schaft für Hä­ma­to­lo­gie und Me­di­zi­ni­sche On­ko­lo­gie (DGHO) war­nen: Die vor­ge­leg­ten Da­ten zur Wirk­sam­keit be­ruh­ten „auf ei­ner ein­zi­gen, un­kon­trol­lier­ten Stu­die“. Auch we­gen des „Ri­si­kos ei­ner er­höh­ten Sterb­lich­keit“sei ei­ne un­kri­ti­sche An­wen­dung nicht ge­recht­fer­tigt.

Opi­oid: Metha­don ist ein syn­the­tisch her­ge­stell­tes Opi­oid, das haupt­säch­lich in der Dro­gen­er­satz­the­ra­pie ein­ge­setzt wird. Zu­sätz­lich kann es in der The­ra­pie von aku­ten und chro­ni­schen Schmer­zen an­ge­wen­det wer­den. Er­fah­re­ne Schmerz­me­di­zi­ner hal­ten je­doch we­nig vom Ein­satz in der Krebs­the­ra­pie. Der frü­he­re SLK-Chef­arzt Axel Men­ze­bach, jetzt Chef­arzt Anäs­the­sie und Schmerz­me­di­zin an den baye­ri­schen Do­nau-Isar-Kli­ni­ken, warnt ein­dring­lich vor Ne­ben­wir­kun­gen. Metha­don sei ein Me­di­ka­ment, das in zwei Schrit­ten über ei­nen lan­gen Zei­t­raum – bis zu 60 St­un­den, je nach in­di­vi­du­el­ler Ver­an­la­gung – wir­ke, er­klärt Men­ze­bach. „Das be­deu­tet, dass auch Ne­ben­wir­kun­gen zeit­ver­zö­gert auft­re- ten kön­nen.“In schwe­ren Fäl­len Herz­rhyth­mus­stö­run­gen oder Atem­de­pres­sio­nen. Sei­ner Mei­nung nach ist es zu ris­kant, Metha­don bei Krebs­pa­ti­en­ten in ei­nem „halb-am­bu­lan­ten Set­ting oh­ne per­ma­nen­te Über­wa­chung durch pro­fes­sio­nel­le Schmerz­me­di­zi­ner ein­zu­set­zen. Das kann tat­säch­lich le­bens­be­droh­lich wer­den.“Von min­des­tens ei­nem To­des­fall in Zu­sam­men­hang mit der Ga­be von Metha­don un­ter Che­mo­the­ra­pie be­rich­ten Ex­per­ten in­zwi­schen. Uwe Mar­tens hat schon er­lebt, dass sich ein Pa­ti­ent mit ei­ner ei­gent­lich gut the­ra­pier­ba­ren Tu­mor­er­kran­kung nicht mehr nach Leit­li­ni­en be­han­deln las­sen woll­te, weil er von der Metha­don-Theo­rie ge­hört hat­te. Mar­tens: „So­was kann

Uwe Mar­tens

Axel Men­ze­bach

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