Schrö­ders pro­vo­kan­tes Amt

Frü­he­rer Bun­des­kanz­ler wird Auf­sichts­rats­chef von Ros­neft

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme Ausgabe Weinsberger Tal - - WIRTSCHAFT -

Die Schrö­der-Con­nec­tion in die rus­si­sche Wirt­schaft ist nicht neu. Schon kurz nach sei­ner Amts­zeit als Kanz­ler (1998 bis 2005) stieg der heu­te 73-Jäh­ri­ge bei Gaz­prom ein. Nun hievt sein en­ger Freund Wla­di­mir Pu­tin, der rus­si­sche Prä­si­dent, ihn in die Füh­rung ei­nes wei­te­ren Ener­gie­rie­sen, der aber ein deut­lich schlech­te­res Image hat. Wich­tigs­ter Ein­wand ge­gen Ros­neft: Der Kon­zern steht auf der EU-Sank­ti­ons­lis­te we­gen Russ­lands Über­grif­fen auf die Ukrai­ne. Da­mit star­tet ei­ne wei­te­re Epi­so­de ei­ner lang­jäh­ri­gen, en­gen Män­ner­freund­schaft. Schon zu sei­ner Amts­zeit ver­stand sich Schrö­der mit Pu­tin so gut wie mit kaum ei­nem an­de­ren Staats- oder Re­gie­rungs­chef. Die po­li­ti­sche Freund­schaft wur­de schnell zur pri­va­ten. Schrö­ders Nä­he zu Putins Russ­land hat dem Alt­kanz­ler von An­fang an auch viel Kri­tik ein­ge­bracht. Un­ver­ges­sen ist sei­ne Ein­stu­fung Pu- tins als „lu­pen­rei­nen De­mo­kra­ten“, die er noch als Kanz­ler vor­nahm. Zu­letzt kri­ti­sier­te er mit­ten im Wahl­kampf die Sta­tio­nie­rung von Bun­des­wehr­sol­da­ten in Li­tau­en nicht weit von der rus­si­schen Gren­ze ent- fernt – und stimm­te in die Mos­kau­er Na­to-Schel­te ein.

Was der Kreml nun von dem im­mer noch gut ver­netz­ten Schrö­der will, ist klar. Schon bei Nord Stream 1, der ers­ten Ost­se­e­pipe­line von Gaz­prom, hat­te er er­folg­reich als Tür­öff­ner in Eu­ro­pa ge­wirkt. Nun soll er das auch für Ros­neft tun. Russ­lands größ­ter Öl­kon­zern hält be­reits An­tei­le an drei deut­schen Raf­fi­ne­ri­en.

Groß ge­wor­den ist Ros­neft durch Igor Set­schin, ei­nen Mann mit dem we­nig schmei­chel­haf­ten Bei­na­men ei­nes „Darth Va­der der rus­si­schen Wirt­schaft“– nach der Fi­gur aus „Krieg der Ster­ne“. Über Set­schin und des­sen Fir­ma soll Schrö­der al­so nun Auf­sicht füh­ren.

Für sei­ne Par­tei wur­de Schrö­der des­we­gen schon im Wahl­kampf zum Pro­blem­fall. Wäh­rend Au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) sich aus lang­jäh­ri­ger Par­tei­freund­schaft noch mit Kri­tik an ihm zu­rück­hielt, dis­tan­zier­te sich Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz deut­lich. Und er stell­te klar, dass ein Bun­des­kanz­ler au­ßer Di­enst „im­mer nur be­dingt ein Pri­vat­mann“sei. Denn als Alt­kanz­ler ge­nießt Schrö­der auch ge­wis­se Pri­vi­le­gi­en: Der Staat be­zahlt ihm ein Bü­ro in Ber­lin, den Steu­er­zah­ler kos­tet das al­lein in die­sem Jahr 561 000 Eu­ro.

Vor der Haupt­ver­samm­lung, die Schrö­der sein um­strit­te­nes Spit­zen­amt brach­te: der ehe­ma­li­ge Bun­des­kanz­ler mit dem mäch­ti­gen Ros­neft-Kon­zern­len­ker Igor Se­chin (links).

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