Ein Fun­ke ist ent­facht

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - MEINUNGEN - Von Ul­ri­ke Plapp-Schir­mer

Das Re­for­ma­ti­ons­jahr hat vie­le Be­tei­lig­te be­geis­tert. Aber das al­lein trägt Kir­che nicht in die Zu­kunft. Das Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um geht zu En­de. Der Staat schenkt sei­nen Bür­gern am 31. Ok­to­ber ei­nen frei­en Tag. Be­stimmt nicht al­le wer­den ihn im Ge­den­ken an Martin Lu­ther be­ge­hen und Punkt 10 Uhr in ih­rer Kir­chen­ge­mein­de im Got­tes­dienst sit­zen, wenn sie es nicht so­wie­so schon vor­hat­ten. Aber dank der Be­deu­tung, die die Re­gie­rung dem Wir­ken des Re­for­ma­tors aus Wit­ten­berg für un­se­re mo­der­ne, auf­ge­klär­te Ge­sell­schaft zu­misst, ha­ben jetzt noch­mal al­le was von der gro­ßen Fei­er. Auch die An­ge­hö­ri­gen an­de­rer Re­li­gio­nen. Was bleibt? Das ist ei­ne Fra­ge, die sich in ers­ter Li­nie je­der selbst be­ant­wor­ten muss. Weil das The­ma letzt­lich je­den ganz pri­vat be­trifft.

Emo­ti­on Die ei­nen hat das Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um trotz sei­ner Prä­senz in den Me­di­en und in der Öf­fent­lich­keit nicht er­reicht, weil das The­ma sie nicht in­ter­es­siert, weil sie höchs­tens in der Zei­tung mal von ei­ner neu­en Lu­therBio­gra­phie, ei­nem Lu­ther-Ora­to­ri­um oder ei­nem Lu­ther-Mahl ge­le­sen ha­ben. An­de­ren war der gan­ze Hy­pe um Lu­thers Kampf ge­gen den Ablass­han­del, der sich in die­sem Jahr zum 500. Mal jährt, zu viel. Sie lie­ßen kein gu­tes Haar an den vie­len Fei­er­lich­kei­ten, kri­ti­sier­ten die Play­mo­bil-Fi­gur eben­so wie die bun­te Wer­be­kam­pa­gne für den Re­for­ma­ti­ons­som­mer, zwei­fel­ten die Be­su­cher­zah­len des Fest­got­tes­diens­tes in Wit­ten­berg an, be­klag­ten die ho­hen Kos­ten von 250 Mil­lio­nen Eu­ro seit 2010, be­zwei­feln den Wert der Fei­er­lich­kei­ten für die Ge­sell­schaft. Und noch mal an­de­re wa­ren be­geis­tert. Et­wa, wenn sie aus den Ver­an­stal­tun­gen auf dem Kir­chen­tag in Berlin ka­men. Oder wenn sie im Al­ten Ge­fäng­nis in Wit­ten­berg vor der Aus­ein­an­der­set­zung na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ter Künst­ler mit dem The­ma Re­for­ma­ti­on stan­den.

„Lu­ther und die Avant­gar­de“war ganz be­stimmt ein Glanz­licht in die­sem manch­mal un­durch­schau­ba­ren Ver­an­stal­tungs­di­ckicht. Ver­ant­wort­li­che wie Schirm­her­rin Mar­got Käß­mann, Hein­rich Bed­for­dS­trohm, der Rats­vor­sit­zen­de der evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, oder der Bon­fel­der Ul­rich Schnei­der als Ge­schäfts­füh­rer des Ver­eins r2017 ha­ben Recht, wenn sie die Be­geis­te­rung de­rer, die da­bei wa­ren, über die Zahlen stel­len. Genau auf die­se be­geis­ter­ten Men­schen kommt es jetzt ja auch an, wenn die evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land nach die­sem Som­mer­mär­chen nicht in ein Loch fal­len will.

Da­mit zu ar­bei­ten ist nun auch Auf­ga­be der Kir­chen­spit­ze.

Wan­del Bei den Pro­tes­tan­ten ist ja nicht al­lein der Rück­gang der Mit­glie­der zu be­kla­gen: Auch im­mer mehr Pfar­rer sind heu­te schon für mehr als ei­ne Kir­chen­ge­mein­de ver­ant­wort­lich. Bis 2024 soll ih­re Zahl al­lein in Würt­tem­berg um wei­te­re 13 Pro­zent sin­ken. Der de­mo­gra­fi­sche Wan­del zeigt sich über­all. Al­ters­hal­ber wer­den in den nächs­ten Jah­ren auch vie­le Eh­ren­amt­li­che ge­hen, die Pfarr­ge­mein­de­rä­te wer­den sich ver­jün­gen müs­sen. Das soll­te je­dem klar sein: Jetzt ist die Zeit, sich zu öff­nen und Kraft auf­zu­brin­gen, um neue Ak­ti­ve zu ge­win­nen. Es ist zu wün­schen, dass die­je­ni­gen, die vom Re­for­ma­ti­ons­som­mer in Wit­ten­berg be­geis­tert wa­ren, nun auch tat­säch­lich die Lü­cken schlie­ßen. Es ist aber auch zu wün­schen, dass sich die ver­fass­te Kir­che für die Be­dürf­nis­se der Ba­sis öff­net. Ei­ne leich­te An­nä­he­rung ist in die­sem Jahr zu er­ken­nen. Das Wis­sen ist schon lan­ge da. Da­mit zu ar­bei­ten ist nun auch Auf­ga­be der Kir­chen­spit­ze. Sie darf die Ba­sis nicht im Stich las­sen.

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