Zä­he Son­die­run­gen

Ge­sprä­che über mög­li­che Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on sind lang­wie­rig – Skep­ti­sche Re­ak­tio­nen

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - LESERFORUM | NACHRICHTEN -

Quo va­dis, Chris­ten­heit?

Zum Geist­li­chen Wort von Wolf­gang Wes­ten­feld, 20.10.

Pfar­rer Wes­ten­feld hat in sei­nem Geist­li­chen Wort zum Mis­si­ons­sonn­tag ganz klar fest­ge­stellt, dass wir nur noch „Dia­spo­ra“und „ge­tauf­te Hei­den“sind. Muss uns das nicht zu den­ken ge­ben? In­ner­halb nur ei­ner Ge­ne­ra­ti­on hat der Kir­chen­be­such ra­pi­de nach­ge­las­sen, ja er ist so­gar in man­chen Ge­mein­den fast völ­lig zum Er­lie­gen ge­kom­men. Brau­chen wir Gott nicht mehr, weil es uns gut geht? In un­se­rem Land schie­ßen Mo­sche­en wie Pil­ze aus dem Bo­den, die christ­li­chen Kir­chen aber wer­den ab­ge­ris­sen oder zweck­ent­frem­det, weil sie we­gen Be­su­cher­man­gels leer ste­hen. Seit­dem ich ge­le­sen ha­be, dass in Deutsch­land je­des Jahr et­wa 500000 Men­schen aus den christ­li­chen Kir­chen aus­tre­ten, geht mir die­ses Kir­chen­lied nicht mehr aus dem Sinn: „ Weck die to­te Chris­ten­heit aus dem Schlaf der Si­cher­heit, dass sie dei­ne Stim­me hört, sich zu dei­nem Wort be­kehrt. Er­barm dich, Herr!“(EG 262, GL 481).

Li­o­ba Mül­ler, Heil­bronn

Zu po­li­tisch

Seit ge­rau­mer Zeit le­se ich je­de Wo­che das „Geist­li­che Wort“und bin meis­tens total frus­triert. Wenn die Über­schrift nicht wä­re, könn­ten die Ar­ti­kel auch auf der po­li­ti­schen Sei­te ste­hen! Aber es gibt ei­nen Licht­blick, und der heißt Mon­si­gno­re Wes­ten­feld. Sein Mut zur un­ver­blüm­ten Wahr­heit und sei­ne Ver­kün­di­gung der fro­hen Bot­schaft er­weckt Hoff­nung. Ich wür­de mich freu­en, wenn sein Mut wie ei­ne Grip­pe­wel­le an­ste­ckend wä­re!

Inge Ki­enz­le, Eber­stadt

Nach dem ers­ten Ab­tas­ten geht es für die vier Part­ner für ei­ne mög­li­che Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on nun ans Ein­ge­mach­te. CDU, CSU, FDP und Grü­ne – sie al­le möch­ten ih­re Kli­en­tel be­die­nen, mög­lichst viel von ih­rem Wahl­pro­gramm um­set­zen. Schon gab es den ers­ten Streit. Le­ser üben Kri­tik.

Nicht zu viel er­war­ten

Wen juckt’s, die Har­mo­nie, wenn die rich­ti­gen und wich­ti­gen Mi­nis­ter­äm­ter ver­teilt sind, herrscht da oh­ne­hin wie­der Har­mo­nie. Es gilt nur das Bes­te für die Frak­tio­nen he- raus­zu­ho­len, da­mit der Kle­ber an den Stüh­len des Bun­des­ta­ges (vor al­lem der Re­gie­rungs­bank) nicht nach­lässt. Al­ters­ar­mut (wo­bei un­ser Par­la­ment doch we­sent­lich da­zu bei­ge­tra­gen hat – DM/ Eu­ro, Kran­ken­ver­si­che­rung der Rent­ner, Be­steue­rung der Be­triebs­ren­ten etc. etc. – und der Pfle­ge­not­stand) in­ter­es­sie­ren da­nach nie­man­den mehr. Die Auf­rüs­tung Bun­des­wehr/Na­to und Sub­ven­tio­nen für die Wirt­schaft wer­den da­nach das Haupt­au­gen­merk be­kom­men. Steu­er­ge­schen­ke und so­zia­le Ge­rech­tig­keit – nur Luft­schlös­ser für das Wahl­volk (Wahl-Schaf/Geld- brin­ger). Er­go: Er­war­tet nicht all­zu viel, dann wer­det ihr nicht ent­täuscht.

Micha­el Münch, Un­ter­grup­pen­bach

Oh­ne Mi­nis­ter

Merk­wür­dig: Es sol­len Mo­na­te ins Land zie­hen, bis die neue Re­gie­rung steht. Und der Bür­ger merkt bis jetzt gar nicht, dass er nicht re­giert, höchs­tens ver­han­delt wird. Oder wird wo­mög­lich doch re­giert – nur un­spek­ta­ku­lär und nicht durch die ge­wähl­ten Volks­ver­tre­ter, son­dern durch schon längst er­nann­te Be­am­te – ge­wis­ser­ma­ßen „al­te Ha­sen“, wie den Staats­se­kre­tä­ren. Es darf doch kei­nen Still­stand ge­ben. Wo­mög­lich sind die Mi­nis­ter gar nicht so von­nö­ten. Ire­ne Sch­les­ke, Beil­stein

Um­ver­tei­lung

Stim­me- Kom­men­ta­tor Martin Fer­ber meint, die po­ten­zi­el­len Ja­mai­ka­part­ner wür­den – im Ge­gen­satz zu den Op­po­si­ti­ons­par­tei­en – nicht al­te Be­sitz­stän­de ver­wal­ten und nicht mit „al­ter Um­ver­tei­lung“ope­rie­ren. Wahr­lich: die Par­tei­en, die den Neo­li­be­ra­lis­mus pro­pa­gie­ren, und da be­son­ders die FDP, ha­ben kei­ne al­te Um­ver­tei­lung be­trie­ben, son­dern ei­ne ganz neue, die da­zu ge­führt hat, dass die Kluft zwi­schen arm und reich im­mer grö­ßer wur­de und wird, dass Kin­der- und Al­ters­ar­mut zu­nimmt, Mie­ten nicht mehr be­zahl­bar sind, so­zia­ler Woh­nungs­bau weg­bricht, pre­kä­re Ar­beits­ver­hält­nis­se ent­stan­den sind, Pfle­ge­not­stand herrscht. Das neo­li­be­ra­le Man­tra für die Lö­sung heißt dann im­mer: we­ni­ger Staat, pri­va­te Vor­sor­ge. Aber wie soll un­ter die­sen Um­stän­den ei­ne Durch­schnitts­fa­mi­lie mit Kin­dern pri­vat vor­sor­gen? Das ist doch un­mög­lich! Die Idee der Um­ver­tei­lung ist nicht alt, son­dern sehr ak­tu­ell. Ro­land Ma­der, Heil­bronn

Hat Mer­kel re­giert?

Zum Kommentar von Uwe Ralf Heer „Ins Aus tak­tiert“, 16. 10.

An­ge­la Mer­kels „letz­te Chan­ce“be­steht seit An­fang ih­rer Re­gie­rungs­zeit. Hat Sie denn wirk­lich schon ein­mal re­giert? Kann sie das über­haupt? Al­le wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen – und das scheint in der gan­zen Welt­po­li­tik so zu sein – wer­den von Kräf­ten und Lob­by­is­ten ge­lenkt, wel­che un­sicht­bar hin­ter der Welt-Büh­ne die Fä­den zie­hen und die Ma­rio­net­ten tan­zen las­sen, was man wie­der­um am schmerz­haf­tes­ten bei al­len in­sze­nier­ten Un­ru­hen und Krie­gen der Ver­gan­gen­heit und der Ge­gen­wart er­ken­nen kann. So­lan­ge sich dies­be­züg­lich nichts än­dert, blei­ben wir ab­hän­gig von le­bens­ver­nei­nen­den „Mäch­ten“und ste­hen am En­de vor der letz­ten Mög­lich­keit, nur noch sich selbst hel­fen zu kön­nen. Ob An­ge­la Mer­kel dann viel­leicht ein Licht auf­geht und ihr Re­agie­ren sich in ein vor­aus­schau­en­des Re­gie­ren wan­deln kann? Wal­ter Ne­u­meis­ter, Hardthau­sen

Foto: dpa

Klei­ne Pau­se: Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel , Kanz­ler­amts­chef Pe­ter Alt­mai­er, Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin Ka­trin Gö­ring-Eckardt und Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir (v.l.)

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