Das Ge­schäft mit Lu­ther

Rund um das Ju­bi­lä­um sind zahl­rei­che Ar­ti­kel auf den Markt ge­kom­men

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­teur Hei­ko Frit­ze

Wür­de Lu­kas Cra­nach der Äl­te­re noch leben, er hät­te die­ses Jahr ein Ver­mö­gen ge­macht. Was hät­te er nicht al­les an Li­zenz­ge­büh­ren kas­sie­ren kön­nen da­für, dass sein be­kann­tes­tes Bild auf na­he­zu al­les ge­druckt wor­den ist, was man sich nur den­ken kann: Bü­cher und Post­kar­ten, Tas­sen und T-Shirts, Spie­le und Ge­schenk­ar­ti­kel. Das Lu­ther-Jahr hat ei­ne fast un­über­schau­ba­re Men­ge an Ar­ti­keln her­vor­ge­bracht, auf de­nen das Kon­ter­fei des Re­for­ma­tors prangt – in der Re­gel eben je­nes Ge­mäl­de, das Lu­kas Cra­nach der Äl­te­re 1529 von ihm an­fer­tig­te.

Man­ches aber hat sich auch oh­ne das be­kann­te Ge­sicht zum Er­folg ent­wi­ckelt. Zum Bei­spiel je­nes klei­ne Play­mo­bil-Männ­chen, das schon vor zwei Jah­ren von der Nürn­ber­ger Tou­ris­mus­zen­tra­le (CTZ) in Auf­trag ge­ge­ben wur­de. 34 000 Fi­gu­ren wa­ren an­fangs be­stellt wor­den, be­rich­tet Ge­schäfts­füh­re­rin Yvon­ne Cou­lin. „Mit ei­nem so gro­ßen In­ter­es­se, wel­ches sich be­reits we­ni­ge Ta­ge nach dem Ver­kaufs­start im April 2015 her­aus­stell­te, ha­ben wir nicht ge­rech­net“, er­zählt sie. En­de Sep­tem­ber wur­de die Mil­li­on bei den ver­kauf­ten Ex­em­pla­ren über­schrit­ten. In­zwi­schen hat Play­mo­bil ex­akt 1 170 300 Stück aus­ge­lie­fert, heißt es beim Spiel­wa­ren­her­stel­ler.

„Die Fi­gur wird auch über das Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um hin­aus pro­du­ziert und durch die CTZ ver­trie­ben“, sagt CTZ-Che­fin Cou­lin. „Wir sind uns si­cher, dass er un­ter an­de­rem in den Lu­ther­stät­ten auch wei­ter­hin ein gern ge­kauf­tes Sou­ve­nir blei­ben wird.“Die meis­ten Ab­neh­mer fin­de die Fi­gur in Deutsch­land, sie sei aber auch in an­de­ren Län­dern wie den USA und den Nie­der­lan­den be­liebt. Käu­fer sei­en vor al­lem Mu­se­ums­shops, Tou­rist-In­for­ma­tio­nen und Kir­chen­ge­mein­den, vor al­lem aus den Lu­ther­städ­ten.

Kun­den

Aber auch an­de­re Spiel­wa­ren­her­stel­ler ha­ben durch ein Lu­ther-Pro­dukt plötz­lich zu­sätz­li­che Kun­den ge­won­nen. Vor ei­nem Jahr er­schien beim Stutt­gar­ter Kos­mosVer­lag „Lu­ther – Das Spiel“. „Die Au­to­ren Martin und Eri­ka Schle­gel ka­men mit der Idee auf uns zu und ha­ben uns so­fort über­zeugt“, er­zählt Hei­ko Wind­fel­der, Pro­gramm­lei­ter Spiel­wa­re. „Un­ser An­satz war es, ein gu­tes Spiel zu ma­chen, das Lu­ther zum The­ma hat; al­so kein re­li­giö­ses Spiel. Der EKD hat die­se Idee ge­fal­len und das Spiel auch. Die Ent­schei­dungs­trä­ger ha­ben es so­gar selbst ge­spielt. Da­nach war man zu ei­ner Ko­ope­ra­ti­on be­reit: Wir ha­ben das of­fi­zi­el­le Lo­go für das Re­for­ma­ti­ons­jahr auf das Spiel ge­druckt und mit ei­ner Bei­la­ge im Spiel für die Ver­an­stal­tun­gen zum Ju­bi­lä­um ge­wor­ben und die EKD hat auf ih­ren We­gen über das Spiel in­for­miert.“

In­zwi­schen ist die drit­te Auf­la­ge pro­du­ziert wor­den, der Ver­kauf liegt über den Er­war­tun­gen – und Kun­den sind auch hier vie­le Kir­chen­ge­mein­den. „Es wird sehr gern und oft für die Ju­gend­grup­pen­ar­beit oder als Ein­stieg in das The­ma im Re­li­gi­ons­un­ter­richt ge­spielt, da den Ju­gend­li­chen da­durch Wis­sen über Lu­ther spie­le­risch ver­mit­telt wer­den kann“, be­rich­tet Wind­fel­der.

Im Spiel­wa­ren­han­del gab es al­ler­dings auch nur zwei, al­len­falls drei Spie­le zum The­ma. Im Buch­han­del schätzt Hei­ko Dörr, PR-Lei­ter beim Buch-Groß­händ­ler Um­breit aus Bie­tig­heim-Bis­sin­gen, die Zahl der Neu­er­schei­nun­gen auf weit mehr als 100 Ti­tel. „An­fang des Jah­res wur­den sie von den Buch­hand­lun­gen sehr stark nach­ge­fragt“, be­rich­tet er. Im Som­mer sei­en die Be­stel­lun­gen zu­rück­ge­gan­gen, um jetzt im Vor­feld des Re­for­ma­ti­ons­ta­ges wie­der an­zu­zie­hen. „Es war je­den­falls das gan­ze Jahr über The­ma.“

Wo­bei der er­folg­reichs­te Ar­ti­kel im Buch­han­del gar kein Buch war: Am bes­ten ver­kauf­te sich „Lu­the­rol“– ei­ne Box wie ei­ne Me­di­ka­men­ten­schach­tel, in der statt Pil­len je­doch Sprü­che des Re­for­ma­tors im Blis­ter steck­ten.

500 Jah­re Re­for­ma­ti­on

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