Das ita­lo-ame­ri­ka­ni­sche Ex­pe­ri­ment

To­ny TC Co­le­man und Hen­ry Car­pa­ne­to über­zeu­gen beim Kul­tur­fo­rum

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - KULTUR REGIONAL - Von Uwe Deecke

Manch­mal fin­den For­ma­tio­nen auch mit et­was Glück zu­sam­men. Bei To­ny TC Co­le­man und Hen­ry Car­pa­ne­tos Quin­tet wur­de gleich ei­ne klei­ne Eu­ro­pa­tour dar­aus, mit Halt beim Kul­tur­fo­rum in der aus­ver­kauf­ten Schloss­ka­pel­le.

Auf das TC in sei­nem Na­men, das merkt man, legt der schwer­ge­wich­ti­ge US-Drum­mer Wert. Und wer wie er zehn Jah­re bei B.B. King am Drum­set saß, der weiß wor­auf es im Blues an­kommt. Sein ita­lie­ni­scher Gi­tar­rist hat es da un­ter sei­nen Au­gen nicht ge­ra­de ein­fach, B.B.King ist bei ihm eben im­mer noch prä­sent. Bei ei­ner Auf­nah­me von Hen­ry Car­pa­ne­to in Ita­li­en spiel­te er in den USA die Schlag­zeugspur ein für des­sen neue Pro­duk­ti­on. Per In­ter­net, so geht das heu­te bis­wei­len. Und die bei­den ver­stan­den sich so gut, dass er gleich zur ge­mein­sa­men Tour ein­ge­la­den wur­de, die sie ge­ra­de durch Eu­ro­pa führt.

Und sie le­gen zu­nächst im Stil von Car­pa­ne­to los, die fünf Ita­lie­ner um den Drum­mer auf der Büh­nen­mit­te, mit schnel­lem Boo­gie Woo­gie, der gleich in die Bei­ne geht.

Dann über­nimmt Co­le­man die Be­grü­ßung und auch das mu­si­ka­li­sche Ru­der mit ei­nem ers­ten Blues, so wie er es ge­lernt hat bei B.B. King, dem King of Blues. Des­sen Gram­my-Hit „The Thrill is Go­ne“spie­len sie mit stim­mi­gem Sound und Co­lem­ans er­di­ger Blues­stim­me. Das zwei­te Hand­tuch ist da schon ver­schwitzt und Co­le­man freut sich hier zu sein, in Süd­deutsch­land, wo er 1973 bei der Ar­my war.

Weg­be­glei­ter Um Ike Tur­ner soll es an­schlie­ßend ge­hen, kei­ne ein­fa­che Fi­gur aber ein Weg­be­glei­ter und Rock ’n’ Rol­ler, den Co­le­man wür­digt. Ja, er hat mit al­len ge­spielt und zählt sie ger­ne auf, nicht aber mit Eric Clap­ton. Dass man heu­te weiß sein muss, um im Blues Er­folg zu ha- ben, be­klagt er, aber viel­leicht hel­fe ja auch sein kur­zer wei­ßer Bart.

Dann geht es um sein neu­es Al­bum, das sehr rhyth­misch und sou­lig da­her­kommt. „Ta­ke Me as I Am“heißt es, und es hat nur noch sel­ten mit dem al­ten B.B.King-Sound zu tun. Mit­rei­ßend ist sein „Blues Co­me Over Me“, das die For­ma­ti­on fun­kig prä­sen­tiert und beim Pu­bli­kum Be­geis­te­rung weckt. Gi­tar­rist Ste­fa­no Ron­chi ist in­zwi­schen im Co­le­man-Mo­dus an­ge­kom­men und lie­fert ein ums an­de­re Mal hö­rens­wer­te So­li, und auch Hen­ry Car­pa­ne­to steu­ert sei­nen Teil im Ham­mond-Sound bei. Auch ein Trom­pe­ten­so­lo ist mög­lich auf der Bra­cken­hei­mer Blues-Büh­ne.

Co­le­man selbst hat na­tür­lich eben­falls sei­ne gro­ßen Mo­men­te und zeigt, dass er auch im ho­hen Al­ter noch das bes­te Ti­ming be­sitzt. Sein „Ta­ke me As I Am“lei­tet das En­de des span­nen­den ita­lo-ame­ri­ka­ni­schen Ex­pe­ri­ments ein. Es ist bes­tens ge­glückt.

Foto: Uwe Deecke

Hat Al­les im Griff: To­ny TC Co­le­man, der Alt­meis­ter am Blues-Schlag­zeug be­geis­ter­te das Pu­bli­kum in der Schloss­ka­pel­le.

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