Sechs Mo­na­te Ma­cron

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - MEINUNGEN - Von Lutz Her­mann

Der Rück­halt für Frank­reichs Prä­si­den­ten brö­ckelt. Um die Bür­ger zu über­zeu­gen, muss mehr kom­men. Ei­ne durch­wach­se­ne Bi­lanz. Em­ma­nu­el Ma­cron gibt sich, ge­nau sechs Mo­na­te im Amt des Ely­sée­pa­las­tes, dis­kret. Er for­dert sein Ka­bi­nett auf, sich öf­fent­lich für die ers­ten Re­for­men ein­zu­set­zen und ganz klar zu sa­gen, dass jetzt im Prä­si­di­al­amt ein an­de­rer Wind weht. Aber die Fran­zo­sen wol­len von ihm mehr hö­ren als nur blas­se und ein we­nig kurz­at­mi­ge Ver­si­che­run­gen.

Et­wa ein Drit­tel der be­frag­ten Fran­zo­sen ste­hen nicht auf sei­ner Sei­te. Sie kön­nen noch nicht den ver­spro­che­nen Bruch in der So­zi­alund Wirt­schaft­po­li­tik sei­nes so­zia­lis­ti­schen Amts­vor­gän­gers Fran­cois Hol­lan­de er­ken­nen.

Ge­wiss: Die Re­form des Ar­beits­mark­tes ist, par­la­men­ta­risch ein­ge­lei­tet. Der wich­tigs­te und un­be­quems­te Baustein, der ver­krus­te­te Struk­tu­ren auf­bre­chen, die So­zi­al­part­ner­schaft zwi­schen Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­neh­mern zu er­neu­ern ist fürs ers­te fest­ge­klopft. Dass bei Ma­cron die Eu­ro­pa­po­li­tik ei­nen ho­hen Stel­len­wert ein­nimmt, wird von den Fran­zo­sen an­stands­los ab­ge­nickt. Auf au­ßen­po­li­ti­schem Ge­biet ent­schei­det sich aber nicht das po­li­ti­sche Schick­sal des jun­gen Staats­chefs. Wird er die Ver­mö­gens­steu­er her­ab­drü­cken? Wird es Maß­nah­men ge­ben, die die kras­sen Ge­gen­sät­ze zwi­schen arm und reich mil­dern? Eu­ro­pa-Aus­bau schön und gut, aber sei­ne Be­mer­kung – „Ich sa­ge und tue, was ich mag!“– ge­nügt nicht, sein Land wie ver­spro­chen nach­hal­tig und mit der vol­len Bil­li­gung der Bür­ger um­zu­pflü­gen.

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