Hand­werk en­ga­giert sich für Flücht­lin­ge

Voll­ver­samm­lung mel­det ers­te Ver­mitt­lungs­er­fol­ge – Kri­ti­sche Tö­ne zur Di­gi­ta­li­sie­rung – För­der­gel­der für BTZ

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - WIRTSCHAFT · WIRTSCHAFT REGIONAL - Von un­se­rem Re­dak­teur Jür­gen Paul

Die Hand­werks­kam­mer Heil­bronn-Fran­ken hat sich bei ih­rer Voll­ver­samm­lung am Mon­tag­nach­mit­tag nicht nur mit der Bun­des­gar­ten­schau 2019 (Be­richt­er­stat­tung im Re­gio­nal­teil) be­fasst, son­dern auch mit wei­te­ren ak­tu­el­len The­men. Nach­fol­gend die wich­tigs­ten In­hal­te im Über­blick.

■ Flücht­lin­ge: Das Hand­werk in der Re­gi­on be­müht sich in­ten­siv dar­um, jun­ge Flücht­lin­ge in ei­ne Aus­bil­dung zu ver­mit­teln. „Ge­ra­de jetzt, da die Deutsch­kennt­nis­se der Flücht­lin­ge im­mer bes­ser wer­den, kommt auch ei­ne Aus­bil­dung im Hand­werk in Be­tracht“, sag­te Ul­rich Bopp, Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer Heil­bronn-Fran­ken. Fi­gen Sülün, die zu­stän­di­ge Aus­bil­dungs­be­ra­te­rin bei der Kam­mer, hat bis­her ins­ge­samt 213 Flücht­lin­ge be­ra­ten. 29 von ih­nen wur­den in ei­ne dua­le Aus­bil­dung ver­mit­telt, vie­le wei­te­re in an­de­re Vor­be­rei­tungs­und Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men. 34 Flücht­lin­ge wur­den an den Will­kom­mens­lot­sen der Hand­werks- kam­mer Andre­as Spiel­mann wei­ter ver­mit­telt. Spiel­mann ist seit Ja­nu­ar 2017 zu­sätz­lich in der Flücht­lings­ar­beit der Kam­mer tä­tig und ar­bei­tet eng mit Fi­gen Sülün zu­sam­men.

■ Aus­bil­dung: Die Hand­werks­kam­mer Heil­bronn-Fran­ken hat bis En­de Ok­to­ber ins­ge­samt 1903 neue Lehr­stel­len ver­zeich­net, das ist ein Plus von 2,9 Pro­zent. „Ich ge­he da­von aus, dass wir das Jahr mit ei­nem Plus von drei Pro­zent ab­schlie­ßen wer­den“, sag­te Kerstin Lüch­ten­borg, Lei­te­rin Be­rufs­bil­dung. Sor­gen be­rei­tet ihr die stei­gen­de Zahl der Lö­schun­gen. Bis En­de Ok­to­ber wur­den mehr als 800 Lehr­ver­trä­ge vor­zei­tig ge­löst, im Ge­samt­jahr 2016 gab es nur 786 Lö­schun­gen.

■ BTZ-För­de­rung: Das Bil­dungs­und Tech­no­lo­gie­zen­trum (BTZ) der Hand­werks­kam­mer in den Böl­lin­ger Hö­fen kann sich über zu­sätz­li­che För­der­mit­tel freu­en. Wie BTZLei­ter Jo­han­nes Rich­ter be­rich­te­te, för­dert das Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­ri­um die wei­te­re Di­gi­ta­li­sie­rung des Zen­trums mit knapp 844 000 Eu­ro. Das BTZ muss ei­nen Ei­gen­an­teil von knapp 94 000 Eu­ro bei­steu­ern. Die Ge­samt­sum­me kom­me bis En­de Ju­ni 2019 al­len Werk­stät­ten im BTZ zu­gu­te, be­ton­te Rich­ter.

■ Di­gi­ta­li­sie­rung: Kam­mer-Vi­ze­prä­si­dent Mar­kus May kri­ti­sier­te, dass das Hand­werk beim Me­ga­the- ma Di­gi­ta­li­sie­rung „kaum bis gar nicht be­rück­sich­tigt“wer­de. Dies ha­be er auch bei der De­le­ga­ti­ons­rei­se der Re­gi­on nach Brüs­sel er­lebt. „Aus In­dus­trie 4.0 wur­de zwar jetzt auch auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne Wirt­schaft 4.0, aber in­halt­lich dreh­te sich al­les wei­ter­hin um In­dus­trie­the­men“, so May. Der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ap­pel­lier­te an die Be­trie­be, kri­tisch zu hin­ter­fra­gen, wie viel Di­gi­ta­li­sie­rung das Hand­werk brau­che. May: „Wel­chen Nut­zen hat das Un­ter­neh­men, wenn sich die her­ge­stell­te Wurst oder das Brot mit dem In­ter­net ver­bin­den kann?“

■ Fi­nan­zen: „Die fi­nan­zi­el­len Ver­hält­nis­se sind ge­ord­net“, sag­te Achim Hof­mann, stell­ver­tre­ten­der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer. Für das Jahr 2016 weist die Kam­mer, die seit 2012 schul­den­frei ist, ei­nen Über­schuss in Hö­he von knapp 625 000 Eu­ro aus. Für das lau­fen­de Jahr soll das Er­geb­nis bei 171 000 Eu­ro lie­gen, für 2018 ist ein Über­schuss in Hö­he von 65 000 Eu­ro ge­plant.

■ Meis­ter­pflicht: „Wir wol­len den Meis­ter stär­ken“, sag­te Bopp zur Dis­kus­si­on um die Wie­der­ein­füh­rung der Meis­ter­pflicht in zahl­rei­chen Be­ru­fen. Des­halb ha­be man im Zen­tral­ver­band ei­ne hoch­ka­rä­ti­ge Pla­nungs­grup­pe ein­ge­setzt, um den Pro­zess „po­li­tisch zu be­glei­ten“.

Fo­to: Archiv/Sei­del

Die Bä­cke­rei Härdt­ner ist nur ei­nes von vie­len Hand­werks­un­ter­neh­men in der Re­gi­on, die Flücht­lin­gen ei­ne Chan­ce in der Aus­bil­dung gibt.

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