Re­al­po­li­tik

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - VORDERSEITE - Von Uwe Ralf Heer

Uni­on und SPD fü­gen sich in das Un­ver­meid­li­che. Das Bünd­nis muss jetzt Tem­po auf­neh­men. Es ist schon be­zeich­nend, wenn die Mehr­heit der Bür­ger 110 Ta­ge nach der Bun­des­tags­wahl nur noch ei­nen Wunsch hat: Haupt­sa­che, es wird wie­der re­giert. Egal wer, egal wie. Das ist fa­tal und macht letzt­lich deut­lich, un­ter wel­chem Druck die Ver­hand­ler in ih­rer Mam­mut-Son­die­rungs­sit­zung stan­den. Ein Er­geb­nis muss­te her – kos­te es, was es wol­le. So be­kommt je­der ein Stück­chen von ei­nem mög­li­chen Ko­ali­ti­ons­ku­chen ab. Ob da­von al­le Bür­ger und vor al­lem Par­tei­mit­glie­der satt wer­den, das muss sich erst noch zei­gen.

Fakt ist aber: Die Un­ter­händ­ler ha­ben viel Zeit in­ves­tiert und es sich nicht leicht ge­macht. Es war und ist nicht ein­fach, trag­fä­hi­ge Brü­cken über die tie­fen Grä­ben zu bau­en, die seit der Bun­des­tags­wahl auf­ge­ris­sen wor­den sind. Das ewi­ge Drauf­hau­en von sinn­frei­en Po­pu­lis­ten auf je­ne Po­li­ti­ker, die sich ernst­haft um ei­ne Re­gie­rung für die­ses Land be­mü­hen, ist da­her völ­lig un­an­ge­bracht.

Ver­ant­wor­tung über­neh­men ist nun mal kein Wunsch­kon­zert. Kom­pro­mis­se bei der Asyl-, Steu­er- und auch Ren­ten­fra­ge zu fin­den, schien fast un­mög­lich. Dass es ge­lun­gen ist, ver­dient da­her Re­spekt. Bleibt die Fra­ge, was nach den um­fang­rei­chen Son­die­run­gen in den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen noch be­spro­chen wer­den soll. Al­le drei Par­tei­en ha­ben sich be­wegt, je­der kann ei­ne klei­ne Tro­phäe prä­sen­tie­ren. Mehr ging nicht.

Ei­ne Auf­ga­be bleibt je­doch: Es ist die De­fi­ni­ti­on ei­ner ge­mein­sa­men Vi­si­on. Die An­kün­di­gung der Kanz­le­rin, man wol­le in al­len Be­lan­gen das Tem­po er­hö­hen, geht in die rich­ti­ge Rich­tung. Deutsch­land muss die wirt­schaft­lich star­ke Si­tua­ti­on end­lich nut­zen, die Zu­kunft kon­kre­ter zu gestal­ten. Ob Di­gi­ta­li­sie­rung, Ver­kehrs­pro­jek­te oder Bil­dung: Der gor­di­sche Kno­ten der Bü­ro­kra­tie muss durch­schla­gen wer­den. Das wä­re dann ein ech­tes Si­gnal für ei­nen Auf­bruch, mit dem die­se Ko­ali­ti­on das Land vor­an­brin­gen könn­te.

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