Lust­lo­ses „Wei­ter- so“oder Chan­ce für ei­nen Neu­an­fang?

Aus­ge­wähl­te Re­ak­tio­nen aus Deutsch­land, Eu­ro­pa und der Re­gi­on zum Son­die­rungs­durch­bruch

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - HINTERGRUND - Von un­se­rer Re­dak­teu­rin Bi­an­ca Zäu­ner und dpa

Die Er­geb­nis­se der Son­die­run­gen von SPD und Uni­on über ei­ne Re­gie­rungs­bil­dung sto­ßen auf viel Kri­tik, fin­den teil­wei­se aber auch Lob. Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen rü­gen vor al­lem ei­nen schär­fe­ren Kurs in der Flücht­lings­po­li­tik, Um­welt­ver­bän­de ei­nen man­geln­den Ehr­geiz beim Kli­ma- und Na­tur­schutz.

Be­son­ders die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en ge­hen mit Uni­on und SPD hart ins Ge­richt: Die Lin­ke wirft ih­nen vor, die „kras­se so­zia­le Un­ge­rech­tig­keit“zu sta­bi­li­sie­ren. Pro Asyl rügt die Be­schlüs­se, den Zu­zug von Flücht­lin­gen und den Fa­mi­li­en­nach­zug zu be­gren­zen. Dies sei „mensch­lich be­drü­ckend und men­schen­rechts­schä­di­gend“so­wie „ein Sieg der Hard­li­ner über Hu­ma­ni­tät und Men­schen­rech­te“. Clau­dia Roth (Grü­ne) kommt zu dem Schluss: „Die­se Be­schlüs­se sind un­mensch­lich und tre­ten das Grund­recht auf Fa­mi­lie mit Fü­ßen.“Die AfD nennt die Ober­gren­ze ei­ne „Far­ce“. Oh­ne ei­ne Si­che­rung der Gren­zen sei ei­ne ent­spre­chen­de Steue­rung gar nicht mög­lich, er­klärt die Che­fin der Bun­des­tags­frak­ti­on, Ali­ce Wei­del.

Wett­be­werb Kri­tik kommt auch aus der Wirt­schaft: „Wir ver­mis­sen An­sät­ze für ei­ne wett­be­werbs­fä­hi­ge Steu­er­re­form“, sagt der Prä­si­dent des Deut­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tags, Eric Schweit­zer. „Der Ver­zicht auf ei­ne Er­hö­hung der Steu­ern für Un­ter­neh­men, die im welt­wei­ten Wett­be­werb ste­hen, ist zu we­nig.“Schul­ter­klop­fen gab es aus Brüssel und Paris. EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker lobt die Plä­ne für die Eu­ro­pa­po­li­tik. „Das ist ein sehr er­heb­li­cher, po­si­ti­ver, kon­struk­ti­ver, zu­kunfts­ori­en­tier­ter, ziel­füh­ren­der Bei­trag zur eu­ro­pa­po­li­ti­schen De­bat­te.“Frank­reichs Re­gie­rungs­spre­cher Ben­ja­min Gri­veaux sagt: „Die­se Ei­ni­gung ist gut für Deutsch­land, gut für Frank­reich und gut für Eu­ro­pa.“

Auch die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aus der Re­gi­on be­wer­ten den Durch­bruch bei den Son­die­run­gen höchst un­ter­schied­lich. „Kein Auf­bruch, kein Neu­an­fang, son­dern bes­ten­falls ein lust­lo­ses „Wei­ter-so“, meint Ha­rald Eb­ner, Grü­nen-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter des Wahl­kreis Schwäbisch Hall-Ho­hen­lo­he. Vor al­lem die Um­welt wer­de un­ter ei­ner Neu­auf­la­ge von Schwarz-Rot lei­den. Sein Fa­zit: „Das ein­zig Gu­te an ei­ner Neu­auf­la­ge der gro­ßen Ko­ali­ti­on wä­re, dass wir da­mit we­nigs­tens end­lich wie­der ei­ne hand­lungs­fä­hi- ge Re­gie­rung hät­ten.“Bei der schnel­len Ei­ni­gung der bei­den al­ten Ko­al­ti­ons­part­ner blei­be lei­der der nö­ti­ge Auf­bruch, die Mo­der­ni­sie­rung in Deutsch­land auf der Stre­cke, ist Micha­el Link, FDP-Ab­ge­ord­ne­ter aus Heil­bronn, über­zeugt. So­wohl das Wort „Mit­tel­stand“als auch „Start-Ups“kom­men in dem Son­die­rungs­er­geb­nis kein ein­zi­ges Mal vor. „Der CDU fehlt in­zwi­schen klar der ord­nungs­po­li­ti­sche Kom­pass“, kri­ti­siert Link.

„Ich bin froh, dass uns nach zä­hem Rin­gen ein Durch­bruch ge­lun- gen ist“, freut sich der Heil­bron­ner SPD-Ab­ge­ord­ne­te Jo­sip Ju­ra­to­vic. Es wur­de ei­ne gan­ze Band­brei­te von The­men ab­ge­ar­bei­tet. Er sieht in vie­len Punk­ten, un­ter an­de­rem bei den Plä­nen zu Ren­te, Pfle­ge und Kran­ken­ver­si­che­rung, ei­ne „ein­deu­tig so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Hand­schrift“, auch wenn sei­ne Par­tei Kom­pro­mis­se ein­ge­hen muss­te.

Chris­ti­an von Stet­ten, Ho­hen­lo­her CDU-Ab­ge­ord­ne­ter, zeig­te sich nicht hun­dert­pro­zen­tig zu­frie­den mit dem Er­geb­nis der Son­die­run­gen: „In dem Son­die­rungs­pa­pier sind ei­ni­ge, die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on be­las­ten­de Punk­te fest­ge­schrie­ben, wel­che ich so nicht for­mu­liert hät­te“, sagt er. Als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge für die an­ste­hen­den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen sei das Pa­pier „ak­zep­ta­bel“.

Fran­zis­ka Gmin­der, AfD-Ab­ge­ord­ne­te aus Heil­bronn, ist „höchst skep­tisch, ob für Deutsch­land und sei­ne Zu­kunft und die Zu­kunft un­se­rer Nach­kom­men dar­aus et­was Po­si­ti­ves ent­steht“.

Fo­tos: Ber­ger (2), Zim­mer­mann, Sei­del

Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten (v.l.) Jo­sip Ju­ra­to­vic (SPD), Ha­rald Eb­ner (Grü­ne), Chris­ti­an von Stet­ten(CDU) und Micha­el Link (FDP).

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