Mo­men­te des Mü­ßig­gangs

„The World of Trum­pet“fas­zi­nier­te beim Jazz­club Ca­ve 61

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - KULTUR REGIONAL - Von Michae­la Adick

Der Ja­nu­ar ge­hört der Trom­pe­te. Punkt. Nicht der Di­xie­land-Trom­pe­te, um das vor­aus­zu­schi­cken. Der gur­geln­de Klang der Ur­vä­ter des Jazz bleibt da, wo er hin­ge­hört: im Ku­rio­si­tä­ten­ka­bi­nett. Nein, der Jazz­club Ca­ve 61 wid­met sich in vier Por­trät­kon­zer­ten der Jazz­trom­pe­te, ih­rer Ent­wick­lung in den letz­ten fünf, sechs Jahr­zehn­ten.

Oh­ne die Ge­schich­te der An­ti­po­den Mi­les Da­vis und Chet Ba­ker geht es eben doch nicht, da wä­re die Ge­schich­te nicht kom­plett. Das wis­sen auch Claus Löhr und Ste­phan Zim­mer­mann, die in ei­nem hin­rei­ßen­den Dop­pel­por­trät un­ter dem Mot­to „The World of Trum­pet“im sehr gut be­such­ten Al­ten Thea­ter in Sont­heim ei­ni­ge Ra­ri­tä­ten vor­stel­len, und wenn nicht di­rekt Ra­ri­tä­ten, so doch Stü­cke, die sie raf­fi­niert für zwei Trom­pe­ten ar­ran­giert ha­ben.

Stü­cke des Po­sau­nis­ten Bob Brook­mey­er sind dar­un­ter, „Dia­lo- gic“, ein Stück von Ge­or­ge Rie­del, das einst in der In­ter­pre­ta­ti­on von Bob­by Shew und Jan Al­lan stil­prä­gend wur­de oder auch die gu­te al­te „Lo­tus Blos­sum“von Ken­ny Dor­ham, die für Löhr und Zim­mer­mann zu ei­ner Her­aus­for­de­rung wird.

Aus der Pus­te sein be­kommt hier ei­ne ganz neue Be­deu­tung, wenn man Löhr und Zim­mer­mann so be­trach­tet. Zwei Trom­pe­ter aus zwei Ge­ne­ra­tio­nen mit ver­schie­de­nen An­sät­zen und un­ter­schied­li­chen Klang­vor­lie­ben sind sie . Löhr ist ein we­nig glat­ter, Zim­mer­mann ein we­nig rau­er. Im Fe­bru­ar wird Claus Löhr (1987) in Mann­heim bei sei­nem Pro­fes­sor Ste­phan Zim­mer­mann sei­nen Mas­ter ab­le­gen.

Fa­bel­haft Aber Trom­pe­te hin oder her, Zim­mer­manns fa­bel­haf­te Aus­ar­bei­tung des Klas­si­kers „’Round Mid­ni­ght“von Mi­les Da­vis klingt noch lan­ge nach: Es gilt auch ei­nen Blick auf die Mit­mu­si­ker zu wer­fen. Hin­ter dem Pro­jekt „The World of Trum­pet“ver­steckt sich näm­lich das um Zim­mer­mann er­gänz­te Claus Löhr Quar­tett mit dem stets en­er­gie­ge­la­de­nen Gre­gor Beck am Schlag­zeug, dem fi­li­gra­nen Äs­t­he­ten Tho­mas Sta­be­now am Kon­tra­bass und dem Wir­bel­wind und Sen­si­bel­chen am Pia­no Thi­lo Wa­gner, der sich, von ei­ner Bron­chi­tis ge­plagt, an die­sem Abend ein we­nig im Hin­ter­grund hält.

Nichts­des­to­we­ni­ger ei­ne ex­plo­si­ve Mi­schung, die Lau­ne macht und das Pu­bli­kum im Jazz­club Ca­ve 61 zu sel­ten er­leb­ten Be­geis­te­rungs­ru­fen ani­miert: Ge­ra­de in ei­ner so be­zau­bern­den Bal­la­de wie den „Id­le Mo­ments“ei­nes Du­ke Pe­ar­son. Der war in den 60er Jah­ren Pia­nist und Pro­du­zent beim La­bel Blue No­te und wuss­te, was er tat, als er die­se Mo­men­te des Mü­ßig­gangs schrieb. Auch der Mü­ßig­gang braucht sei­ne Dra­ma­tur­gie. Und wie Pe­ar­son die­sen Mü­ßig­gang zu ei­nem Kri­mi von Bal­la­de ent­wi­ckel­te, er­zählt über ei­ne Vier­tel­stun­de hin­weg. Das Quin­tett ver­sucht es mit ei­nem ganz zar­ten, ers­ten Ver­such ei­nes Aus­klangs, in­iti­iert vom Pia­nis­ten Wa­gner, der von ei­ner noch zag­haf­te­ren Re­pri­se von Kon­tra­bass und Schlag­zeug ei­nes Bes­se­ren be­lehrt wird. Und dann? Schwei­gen. Ru­he. Er­stau­nen. Und ein to­sen­der Ap­plaus.

Fo­to: Ralf Sei­del

„The World of Trum­pet“mit zwei au­ßer­ge­wöhn­li­chen Trom­pe­tern: Claus Löhr (links) und Ste­phan Zim­mer­mann, da­zwi­schen Tho­mas Sta­be­now.

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