DLW macht das Stamm­werk dicht

In­sol­ven­ter Bo­den­be­lags­her­stel­ler stellt Be­trieb im Lau­fe des Jah­res ein

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Nord (N / Nord-Ausgabe) - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­teur Hei­ko Frit­ze

Ei­ne Tra­di­ti­on geht zu En­de: Der Bo­den­be­lags­her­stel­ler DLW Floo­ring schließt sein Stamm­werk in Bie­tig­heim-Bissingen. 340 Mit­ar­bei­ter ver­lie­ren da­durch ih­re Ar­beits­stel­le. Ur­sa­che ist die zwei­te In­sol­venz des Un­ter­neh­mens in­ner­halb von drei Jah­ren: Im Ok­to­ber wur­de das Ver­fah­ren in Ei­gen­ver­wal­tung be­an­tragt, nach­dem der neue Ei­gen­tü­mer, die nie­der­län­di­sche Be­tei­li­gungs­grup­pe Fiel­ds, die Fi­nan­zie­rung ein­ge­stellt hat­te.

Ein­zig das zwei­te Werk in Del­men­horst, in dem mit 270 Mit­ar­bei­tern Li­n­ole­um-Be­lä­ge her­ge­stellt wer­den, könn­te be­ste­hen blei­ben, heißt es in ei­ner Mit­tei­lung vom Don­ners­tag­abend. Hier zeich­ne sich zeit­nah ei­ne Ei­ni­gung mit ei­nem nam­haf­ten stra­te­gi­schen In­ves­tor ab, die end­gül­ti­ge Ver­trags­un­ter­zeich­nung könn­te noch im Ja­nu­ar statt­fin­den.

Für das Werk in Bie­tig­heim, das mit­ten im Stadt­zen­trum, di­rekt an den Bahn­glei­sen, liegt, sei hin­ge­gen der letz­te In­ter­es­sent ab­ge­sprun- gen, teil­te Ge­schäfts­füh­rer Han­sNor­bert Topp mit. Da­bei sei­en die Ge­sprä­che be­reits weit fort­ge­schrit­ten ge­we­sen. Es ha­be sich um ei­nen in­ter­na­tio­nal tä­ti­gen In­ves­tor ge­han­delt. „Wir ha­ben für den Stand­ort Bie­tig­heim-Bissingen al­les ver­sucht“, sag­te Topp. „Oh­ne In­ves­tor aber ist die Stand­ort­schlie­ßung nicht zu ver­mei­den.“Der Stand­ort ha­be kei­ne Per­spek­ti­ve mehr und schrei­be oh­ne­hin seit Jah­ren ho­he Ver­lus­te. Da­her sol­len jetzt noch die vor­han­de­nen Auf­trä­ge ab­ge­ar­bei­tet wer­den, ehe die To­re end­gül­tig schlie­ßen.

Ver­hand­lun­gen Be­reits am Mon­tag sol­len 190 der ver­blie­be­nen 340 Be­schäf­tig­ten frei­ge­stellt wer­den, kün­dig­te der Ge­schäfts­füh­rer an. Mit dem Be­triebs­rat sol­len kurz­fris­tig Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sens­aus­gleich und So­zi­al­plan ge­führt wer­den. Die üb­ri­gen 150 Mit­ar­bei­ter sol­len die rest­li­chen Ar­bei­ten ab­wi­ckeln. Die Be­leg­schaft wur­de am Frei­tag in ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung über die Ent­wick­lun­gen in­for­miert. Die Ge­werk­schaft IGBCE bot da­bei Be­ra­tun­gen an. Sie wol­le die Plä­ne so nicht hin­neh­men, kün­dig­te ein Spre­cher an.

Für Bie­tig­heim-Bissingen neigt sich da­mit ein Stück In­dus­trie­ge­schich­te sei­nem En­de ent­ge­gen. Die Deut­schen Li­n­oleum­wer­ke ent­stan­den 1926 in Ber­lin aus der Fu­si­on von fünf deut­schen Li­n­oleum­fa­bri­ken. 1938 ver­leg­te das Un­ter­neh­men sei­nen Sitz nach Bie­tig­heim. Noch in den 90er Jah­ren ar­bei­te­ten mehr als 4000 Men­schen bei dem Kon­zern. In Bie­tig­heim-Bissingen er­streck­ten sich die Werks­an­la­gen auf ein gro­ßes Are­al am Haupt­bahn­hof, bei­der­seits der Glei­se nach Vai­hin­gen/Enz. 1998 über­nahm der US-Kon­zern Arm­strong das da­mals schon ver­schul­de­te Un­ter­neh­men. Trotz Re­struk­tu­rie­run­gen folg­te aber 2014 die ers­te In­sol­venz. Da wur­de schon nur noch auf ei­nem Teil des eins­ti­gen Werks­ge­län­des pro­du­ziert. Ein 8,5 Hekt­ar gro­ßes Grund­stück, der so­ge­nann­te Bahn­bo­gen, wur­de vor zwei Jah­ren von der Stadt Bie­tig­heim zu­sam­men mit ei­nem Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­men für schät­zungs­wei­se mehr als 20 Mil­lio­nen Eu­ro ge­kauft. Das Geld floss in die ers­te In­sol­venz­mas­se.

Fo­to: dpa

DLW ist ei­ne Fir­ma mit

Tra­di­ti­on: Der ers­te Wer­be­raum von 1927, hier ein Nach­bau für die Ex­po 2000, wur­de von Bau­haus-Künst­lern ge­stal­tet.

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