Net­tig­kei­ten ge­hen im­mer

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - SERVICE - Von Isa­bell Voigt

Froh Für al­le, die den Welt-Net­tig­keits­tag vor­ges­tern ver­passt ha­ben soll­ten – Freund­lich­keit kommt auch heu­te gut an. Wie ei­gent­lich an je­dem Tag im Jahr. Al­so ein­fach mal lä­chelnd durch die Fuß­gän­ger­zo­ne schlen­dern oder die Ver­käu­fe­rin im Su­per­markt herz­lich grü­ßen. Gut, man­che Men­schen kön­nen mit so ei­ner spon­tan po­si­ti­ven Re­gung ver­mut­lich gar nicht mehr um­ge­hen oder wit­tern ir­gend­ei­ne Be­trugs­ma­sche. Oder war­um soll­te sonst je­mand Frem­des nett zu ei­nem sein? Und ir­gend­wie scheint der Um­gangs­ton auch im­mer rau­er und rup­pi­ger zu wer­den. Ent­hemmt ge­hupt wird im Stra­ßen­ver­kehr schon we­gen nichts. Geht es an der Kas­se nicht zü­gig vor­an, ist Ge­me­cker. Die ja­pa­ni­sche Net­tig­keits­be­we­gung scheint das al­les ge­ahnt zu ha­ben, als sie die­sen Ak­ti­ons­tag 1998 ins Le­ben ge­ru­fen hat – mit der Ab­sicht, dass al­le Men­schen stets freund­lich zu­ein­an­der sein soll­ten.

Frech Ein net­ter Zug ist auf den ers­ten Blick, dass die Dro­ge­rie­markt­ket­te Rossmann ei­nen völ­lig über­zu­cker­ten Kin­der­keks aus ih­rem Sor­ti­ment ge­nom­men hat. Ein Bio-Keks der Ei­gen­mar­ke Ba­by­dream war für Säug­lin­ge ab dem ach­ten Mo­nat emp­foh­len und mit „ba­by­ge­rech­ter Re­zep­tur“be­wor­ben. Die Ver­brau­cher­or­ga­ni­sa­ti­on Food­watch al­ler­dings fand den Keks, der zu et­wa 24 Pro­zent aus Zu­cker be­steht, al­les an­de­re als für Klein­kin­der ge­eig­net. Der Keks soll­te für den „Gol­de­nen Wind­beu­tel“no­mi­nier t wer­den – ein Preis für die dreis­tes­te Wer­be­lü­ge des Jah­res. Rossmann zog die Reiß­lei­ne. Statt­des­sen ist nun Ale­te mit ei­nem ähn­li­chen Keks im Ren­nen. Auch dort scheint man plötz­lich kal­te Fü­ße be­kom­men zu ha­ben und will das Wort „ba­by­ge­recht“auf der Pa­ckung strei­chen so­wie die Re­zep­tur än­dern. Kon­su­men­ten hät­ten das Wort of­fen­bar falsch ver­stan­den, be­grün­det Ale­te den Schritt. Da fragt sich der auf­ge­klär­te Ver­brau­cher al­ler­dings schon, was an ba­by­ge­recht miss­ver­ständ­lich sein soll. Kla­re­re In­halts­an­ga­ben auf Le­bens­mit­teln wä­ren da­ge­gen mal freund­lich von den Fir­men. Oder wie Marc Au­rel, rö­mi­scher Kai­ser und Phi­lo­soph, einst schrieb: „Wenn wir ir­gend et­was un­ter­schät­zen in un­se­rem Le­ben – dann ist es die Wir­kung der Freund­lich­keit.“

Fo­to: dpa

Ob Krü­mel­mons­ter oder Kin­der – schon die Kleins­ten lie­ben Kek­se.

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