Hoff­nungs­trä­ger stürmt auf dem rech­ten Flü­gel

Jens Spahn be­geis­ter t die CDU-Ba­sis beim po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch

Heilbronner Stimme Stadtausgabe - Heilbronner Stimme – Landkreis Ost (O / Ost-Ausgabe) - - HINTERGRUND - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Pe­ter Rein­hardt

Na­tür­lich lässt sich Jens Spahn ein Bier ans Red­ner­pult brin­gen. Der Ber­li­ner Fi­nanz­staats­se­kre­tär nimmt ei­nen kräf­ti­gen Schluck, ehe er wei­ter­re­det. Schließ­lich ist po­li­ti­scher Ascher­mitt­woch in der Al­ten Kel­ter zu Fell­bach. Und da er­war­ten die 1500 CDU-Fans, die aus ganz Ba­denWürt­tem­berg an­ge­reist sind, dass es zünf­tig zu­geht. Das Fett kriegt die SPD ab. „Be­kom­men Sie noch mit, wer dort ge­ra­de Vor­sit­zen­der ist?“, fragt er. Die Rän­ke­spie­le bei der Kon­kur­renz er­in­nern ihn an die TVSe­rie „Den­ver­clan“. Die SPD tänz­le nur um die Macht her­um. Aber zu hef­tig kra­chen lässt Spahn es nicht. Schließ­lich will die CDU ja mit der Par­tei künf­tig re­gie­ren.

Er­neue­rung Als „ei­nen un­se­rer bes­ten Stür­mer“kün­digt CDU-Lan­des­chef Tho­mas Strobl Spahn dem Pu­bli­kum an. Ob­wohl er noch nie ein her­aus­ge­ho­be­nes Amt in­ne­hat­te, gilt der 37-Jäh­ri­ge als Hoff­nungs­trä­ger für die Zeit nach An­ge­la Mer­kel. Als mi­nis­tra­bel se­hen ihn vie­le Christ­de­mo­kra­ten, oder er­satz­wei­se als den künf­ti­gen CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär. Erst recht seit die Kanz­le­rin am Wo­che­n­en­de an­kün­dig­te, sie wer­de bei der Be­set­zung der Mi­nis­ter­mann­schaft auf ei­ne per­so­nel­le Er­neue­rung ach­ten. Wo­bei un­klar bleibt, ob Mer­kel sich ih­ren größ­ten in­ner­par­tei­li­chen Kri­ti­ker in ih­re nächs­te Um­ge­bung ho­len will.

In Fell­bach, wo die Süd­west-CDU be­reits ih­re 16. Ascher­mitt­wochs­kund­ge­bung mit Bier, Trol­lin­ger und def­ti­gem Es­sen ab­hält, brennt Spahn nach der sehr do­sier­ten Kri­tik am Ber­li­ner Wunsch­part­ner ein Feu­er werk von kon­ser va­ti­ven Schlüs­sel­sät­zen ab. Er re­det ei­ner deut­schen Leit­kul­tur das Wort: „Das Mul­ti­kul­ti der 68er ist durch. Das wol­len die Leu­te nicht mehr.“Das sei nun „ei­ne Chan­ce der CDU als Wer­te­par­tei“. Es ge­he um Wer­te und Tu­gen­den: „Pünkt­lich­keit macht das Le­ben für al­le Be­tei­lig­ten leich­ter.“Auch in der Bil­dungs­po­li­tik müs­se mehr dar­über ge­re­det wer­den, „was wir den jun­gen Men­schen an In­hal­ten und Wer­ten mit­ge­ben wol­len“.

Spahn zeich­net ein kon­ser va­ti­ves Bild der Fa­mi­lie, die „ei­ne tra­gen­de Säu­le der Ge­sell­schaft“sei. Bei­fall bran­det auf für die For­de­rung, dass Rei­se­frei­heit in Eu­ro­pa nur ge­he, wenn die Gren­zen ge­schützt sind. Der Sze­nen­ap­plaus wie­der­holt sich, als er ei­ne ge­naue Al­ters­fest­stel­lung für un­be­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Aus­län­der ver­langt.

Nur vor­sich­tig setzt sich Spahn von Mer­kels Po­si­tio­nen ab, wenn er auf den „mas­si­ven Ver­trau­ens­ver­lust“hin­weist, den die CDU bei der Bun­des­tags­wahl er­lit­ten ha­be. Das Er­geb­nis spieg­le die Zer­ris­sen­heit der deut­schen Ge­sell­schaft wi­der. Spahn will rechts von der Uni­on kei­nen Platz las­sen. „Wir müs­sen die AfD über­flüs­sig ma­chen“, ruft er mit ge­ball­ten Fäus­ten.

Kri­ti­ker Nur ein­mal er­wähnt Spahn, der sich in den letz­ten Mo­na­ten ei­nen Ruf als Mer­kel-Kri­ti­ker er­ar­bei­tet hat, die Kanz­le­rin und das ganz un­ver­fäng­lich. „Die Uni­on mit An­ge­la Mer­kel an der Spit­ze ist be­reit, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men“, sagt er ganz zum Schluss sei­ner ein­stün­di­gen Re­de. Spahn kommt an bei der CDU-Ba­sis. Sie fei­ern den 37-Jäh­ri­gen mit ste­hen­dem Ap­plaus. Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann fin­det: „Er hat sich gut po­si­tio­niert.“Der Red­ner sei gut an­ge­kom- men und soll­te für sie zur künf­ti­gen Füh­rungs­mann­schaft ge­hö­ren. Der frü­he­re Fi­nanz­mi­nis­ter Ger­hard Stratt­haus kam ge­ra­de­zu ins Schwär­men: „Das war ex­zel­lent.“Spahn sei „tief in das ein­ge­stie­gen, was das We­sen der CDU aus­macht“. Ihm hat be­son­ders ge­fal­len, dass Spahn nicht den rhe­to­ri­schen Dampf­ham­mer ein­ge­setzt hat. Für den Kün­zel­sau­er Land­rat Mat­thi­as Neth hat der Star­gast aus Ber­lin „wie er­war­tet ei­ne gut ge­schlif­fe­ne Re­de“ab­ge­lie­fert.

Spe­ku­la­tio­nen Die Ein­la­dung des Mer­kel-Kri­ti­kers hat Spe­ku­la­tio­nen ge­weckt. Woll­te Strobl, selbst im­mer­hin stell­ver­tre­ten­der CDU-Bun­des­vor­sit­zen­der, be­wusst ein kon­ser­va­ti­ves Si­gnal aus­sen­den? Strobl über­geht sol­che Fra­gen. Er schät­ze Spahn sehr und ar­bei­te gut mit ihm zu­sam­men. In Fell­bach sei vor zwei Jah­ren Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er auf­ge­tre­ten und da­vor Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en. Bei­de gel­ten als Mer­kel­fans. Die Ein­la­dung für von der Ley­en sei von Mit­glie­dern hef­tig kri­ti­siert wor­den, ei­ner ha­be so­gar die Aus­la­dung ge­for­dert. Spahn im­mer­hin scheint die See­le der Süd­west-CDU zu strei­cheln. Kri­tik ha­be es kei­ne ge­ge­ben, be­rich­tet der Lan­des­chef.

Strobl be­müht sich um Nor­ma­li­tät. Er weiß um die Ent­täu­schung in den ei­ge­nen Rei­hen über die Preis­ga­be des Fi­nanz- und des In­nen­mi­nis­te­ri­ums durch Mer­kel. Das Er­geb­nis ma­che nicht je­den glück­lich. Deut­li­cher wird der süd­würt­tem­ber­gi­sche CDU-Be­zirks­chef Andre­as Jung, der die Res­sort­ver­tei­lung „schmerz­haft“nennt. Trotz­dem rech­net der Spre­cher der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aus dem Land mit Zu­stim­mung: „Es ist kei­ne Re­vo­lu­ti­ons­stim­mung zu er­ken­nen.“

Kam bei den CDUMit­glie­dern in Fell­bach gut an: Fi­nanz­staats­se­kre­tär Jens Spahn.

Fo­tos: dpa

An­sto­ßen auf ei­nen ge­lun­ge­nen Tag: Der CDU-Lan­des­vor­sit­zen­de Tho­mas Strobl (links) und Gast­red­ner Jens Spahn.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.